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Zensurvorwurf gegen Apple : Kein Sex bitte, wir sind Amerikaner

Zensurpolitik nach puritanischem Maßstab: Apple duldet nicht alles auf dem IPhone Bild: AP

Apple löscht Inhalte. Damit hat die Presse ein Problem. Es geht angeblich um Schutz vor Pornographie. In der Zensur, deren Reichweite niemand einschätzen kann, drückt sich jedoch ein spezifische amerikanisches Reinlichkeitsdenken aus. Die Verleger schlagen Alarm.

          Was ist die „Bild“-Zeitung ohne das „Bild“-Girl wert? So viel wie James Bond ohne das Bond-Girl: die Hälfte. Man muss es nicht mögen und auch nicht hinsehen, zumal an freizügigen Fotos ohnehin kein Mangel herrscht. Aber wenn es der Springer-Verlag so will und es niemanden gibt, der ihn daran hindert, dann muss man es hinnehmen. Nicht so Apple. Getreu der Losung „No Nipples“ verhindert der Konzern Nacktfotos. Doch nicht nur das: Was als App auf dem iPhone erscheint, unterliegt einer Kontrolle, man kann auch sagen: Zensur, deren Kriterien unklar sind. Und dabei geht es nicht nur um blanke Busen und die „Bild“-Zeitung.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Unlängst wurde zum Beispiel auch die Fotogalerie einer „Stern“-App gelöscht. Apple kann das, in der Welt der Apps sind die Verlage nicht länger Herren ihrer Inhalte. Das brachte Donata Hopfen, Geschäftsführerin von „Bild“-Digital, auf die Palme. „Heute sind es nackte Brüste, morgen womöglich redaktionelle Artikel“, die verschwänden, schrieb sie in einer Brand-E-Mail an den Zeitschriftenverlegerverband VDZ.

          Sperrpolitik ohne Regeln und Absprachen

          Der Verband nahm die Kritik umgehend auf und wird deutlich. Der Vorsitzende Wolfgang Fürstner will gegen die Zensurpolitik von Apple richtig in die Offensive gehen. Beim Treffen des Verleger-Weltverbandes in der nächsten Woche will er darauf hinwirken, dass die Verlage sich weltweit Apple entgegenstellen. Die Einschätzung des VDZ, festgehalten in einem Grundsatzpapier, ist eindeutig: „Wir kritisieren das Verhalten von Apple als unfair, willkürlich, geschäftsschädigend und für die Pressefreiheit gefährlich.“

          Die Ablehnung oder Sperrung von Apps, so der VDZ, folge keinen klaren, vorher festgelegten Regeln, Apple habe mit den App-Anbietern keine Vereinbarungen getroffen, sondern „verschärft rückwirkend die Spielregeln“. Auch sei nicht klar, ob App-Anbieter gleich behandelt werden; angesichts Apples unklarer Haltung zu den Inhalten werde zudem die Schaltung von Werbung erschwert. „Die Beschränkung“, schreibt der VDZ, „ist mit unserem deutschen Verständnis von Pressefreiheit nicht vereinbar. Was heute möglicherweise noch halbwegs vertretbare Erwägungen sein mögen – die Unterdrückung von zu viel Nacktheit, kann morgen schon viel weiter gehen und andere für Apple missliebige Inhalte betreffen.“ Transportplattformen wie das iPhone dürften sich keinen redaktionellen Einfluss anmaßen. Offenkundig verstehe sich Apple als Verleger, ohne die Grundlagen dafür zu offenbaren. Apple sei gefordert, seine Maßstäbe offenzulegen, „klar und transparent vorzugehen, zu kooperieren und Macht nicht zu missbrauchen“.

          Rauchverbot für Paul McCartney

          Die Kritik an Apple ist keine deutsche Angelegenheit. Erst diese Woche hat Apple mehr als 5000 Apps aus seinem store genommen – durchweg solche, die spärlich bekleidete (nicht nackte) Frauen zeigten und gegen die aus sieben Punkten bestehenden Richtlinien verstießen. Fred Clarke, dessen kleine Firma „On the Go Girls“ fünfzig Apps vertrieb, die von einem auf den anderen Tag gekillt wurden, zeigte sich schockiert. Sein Bilderdienst zeigt zum Beispiel Damen im Bikini beim Fensterputzen. Das gibt es bei Apple nun nicht mehr. Seine Angebote seien zwar etwas gewagter als die von Disney, sagt Clarke, aber auch nicht mehr.

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