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„Zeitungszeugen“ : Mit der vierten Ausgabe greift „Plan B“

Verleger Peter McGee präsentiert die neue Ausgabe seiner „Zeitungszeugen” Bild: ddp

Die dritte Lieferung der Publikation „Zeitungszeugen“ wartet mit einer Provokation auf: Auf der Titelseite prangt in großen, roten Lettern das Wort „zensiert“. Auf einer Pressekonferenz machte der Verleger jetzt gleichwohl deutlich, dass er nicht daran denkt, sein Projekt aufzugeben.

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          Ist es Absicht oder ein dummer Zufall? Die dritte Ausgabe der Publikation „Zeitungszeugen“ ist auf der Titelseite in großen, roten Lettern mit dem Wort „Zensiert“ markiert. Der Titel in weißen Buchstaben der Ausgabe lautet: „Das Ende der Demokratie“. Das bezieht sich zwar auf die Ermächtigungsgesetze aus dem März 1933, lässt aber Raum für Deutungen. Denn diese Edition erscheint anders als geplant - ohne die Faksimiles des „Völkischen Beobachter“ und des „Angriff“. Der Kontext zur Zensur ist eine Provokation - da es sich um Zensur nicht handelt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Und es passt so gar nicht zu den Bekundungen des britischen Verlegers Peter McGee, der angeblich mit Ernst und Vorsicht der Kritik an seinem Projekt begegnen will. Der Freistaat oder vielmehr das bayerische Finanzministerium hat unter Berufung auf den Besitz der Urheberrechte für die meisten nationalsozialistischen Zeitungen Strafantrag gestellt. Nachdrucke der NS-Hetzpresse will man verhindern. Die Staatsanwaltschaft in München ermittelt. Bundesweit wurde bei vier Fünfteln der rund 80 Grossisten die Publikation beschlagnahmt, Gleiches geschah an 5100 Verkaufsstellen. Nummer zwei der „Zeitungszeugen“ sollte in 100.000 Exemplaren erscheinen, die erste Ausgabe hat sich angeblich - angestachelt von großem Werberummel - 200.000 Mal verkauft.

          „Plan C“ heiße: Stopp von „Zeitungszeugen“

          Am Mittwoch hat McGee Beschwerde gegen den Strafantrag eingereicht. Sein Konzept, die Nazi-Diktatur als Zeitgeschichte „hautnah und authentisch“ abzubilden, „kommentiert“ von einem „wissenschaftlichen Beirat“, ist gefährdet. Selbst wohlwollenden Kritikern ging es zu weit, dass der zweiten Ausgabe neben Faksimiles von NS-Blättern auch ein Propagandaplakat zum Reichstagsbrand beigelegt war.

          Dennoch: McGee, der 48 Jahre alte Geschäftsmann, der „Zeitungszeugen“ - wie er versichert - aus eigener Tasche zahlt, macht weiter. Was seine wissenschaftlichen Beiräte bekommen, will er nicht sagen. Ausgabe Nummer vier werde erscheinen, aber ohne Material, mit dem der Freistaat Bayern Probleme haben könnte, sagte McGee auf einer Pressekonferenz in München. Mit der vierten Ausgabe greift „Plan B“ des Projekts, das auf zwei Jahre angelegt ist. Seine Zukunft hängt von der Dauer der Gerichtsverfahren ab. Bis zum Bundesverfassungsgericht wolle er gehen, sagte McGee. Wochen könne das dauern, aber nicht Monate. Dann bliebe nur „Plan C“: der Stopp von „Zeitungszeugen“.

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