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Zeitungsmarkt : Mr Fawlty Towers in Deutschland

Seit kurzem auf dem deutschen Markt: Desmonds buntes Blatt „OK!” Bild: Klambt

In England und Amerika ist das People-Magazin „OK!“ ein Renner. Jetzt ist das Blatt in Deutschland gelandet. Der Verleger Richard Desmond sorgt selbst für mindestens ebenso gute Geschichten wie die Reichen und Schönen in „OK!“.

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          Einen Verleger wie Richard Desmond haben wir in Deutschland nicht. Weit und breit nicht. Nicht im großen Bertelsmann-Reich, nicht bei Springer, Burda, Bauer oder der WAZ. Einen, dem ein Ruf wie Donnerhall vorausgeht. Einen, der Rupert Murdoch als Vorbild nennt. Einen, der ganz klein angefangen hat, Musikmagazine und Pornoblättchen besaß und wieder abstieß und dann zu einem Verleger von Zeitungen und Zeitschriften wurde.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Einen Milliardär, der Klassenbewusstsein besitzt und den Adel verachtet. Einen, der fröhlich, aber knallhart über alte Seilschaften (“the old British brigade“) herzieht, ungeschützt und ungeschminkt formuliert und, wenn er erst einmal in Fahrt ist, ein Vokabular buchstabiert, das im amerikanischen Fernsehen mit Piepstönen versehen würde.

          Mit dem Klatschblatt in Deutschland angekommen

          Man muss Richard Desmond nur auf Conrad Black ansprechen, seinen großen, gestrauchelten Widersacher, der wegen Betrugs zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden ist und in Haft sitzt. Lügner, Dieb, Betrüger, fällt Desmond ein, wenn es um den falschen Lord geht, der einst persönlich die britischen Banken zu überzeugen suchte, dem Konkurrenten ja keinen Kredit zu geben. Das war, als Desmond die „Express“-Zeitungsgruppe kaufen wollte. Er bekam das Geld - nicht von einer britischen, sondern von der Commerzbank. Und die „Express“-Gruppe bekam er auch. Schade eigentlich, dass Conrad Black nur sechs Jahre abzusitzen habe.

          Angefangen hat er mit Pornoblättchen: Verleger Richard Desmond

          Jetzt ist Richard Desmond in Deutschland angekommen. An vergangenen Donnerstag erschien die erste deutsche Ausgabe von „OK!“, einem Klatschblatt, das 1993 erstmals in Großbritannien herauskam und inzwischen in vierzehn verschiedenen Ländern erscheint, von China bis Russland, in ein paar Wochen soll sich eine spanische Ausgabe hinzugesellen.

          Ein Leben mit den Promis

          Mit einer Auflage von 600.000 Exemplaren zum Preis von je einem Euro geht man von Hamburg aus an den Start; den Anzeigenkunden ist eine Startauflage von 160.000 Stück garantiert worden, und wenn sich die Auflage mittelfristig bei 200.000 Exemplaren - und einem Stückpreis von dann zwei Euro - einpendelt, wäre das ein Erfolg. 700.000 Exemplare verkauft „OK!“ im britischen Mutterland, in China sind es 200.000, und in den Vereinigten Staaten, sagt Desmond, habe man es innerhalb von zwei Jahren unter den Top Ten der Magazine auf den siebten Platz geschafft.

          Ein solcher Durchmarsch dürfte in Deutschland schwierig werden, ist der hiesige Markt der sogenannten People-Magazine doch eng besetzt. Es gibt die „Bunte“ und die „Gala“, „Intouch“ und „Instyle“, die alle auf die eine oder andere Weise von den prominenten Figuren leben, die auf ihren Titeln erscheinen. Was also ist das Besondere an „OK!“?

          Einfach näher dran

          „OK!“, meint Richard Desmond, hat die Geschichten, die andere nicht haben, ist näher dran an den Celebrities, zeigt sie „larger than life“ und geht mit ihnen „durch dick und dünn“. Etwa mit Britney Spears und ihrer Familie, was bedeutet, dass wir bei „OK!“ nicht die derangierte Britney, sondern Geschichten sehen, in denen die Schreiber mit ihr leiden, anstatt sie vorzuführen. „Wir fühlen mit ihnen, bleiben aber bei der Wahrheit“, lautet das Motto.

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