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Zeitung „The Japan News“ : Eine neue Stimme für die Welt

Noch hinter den Erwartungen zurück: die erste Ausgabe der „Japan News“ Bild: Carsten Germis

Die auflagenstärkste Tageszeitung Japans will ein englischsprachiges Blatt zur neuen Stimme für die Welt machen. Der Chefredakteur spricht von einer Herausforderung angesichts der sinkenden internationalen Bedeutung des Landes.

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          Das Ziel, das sich der japanische Yomiuri-Zeitungsverlag setzt, ist ambitioniert. „The Japan News“, so lautet der Titel seiner neuen Zeitung, soll so etwas wie der Botschafter Japans in der Welt werden. „Weil viele Beobachter die sinkende internationale Bedeutung Japans hervorheben, sieht sich das Land der Herausforderung gegenüber, wie es inländische Informationen im Ausland verbreiten kann“, erklärte der Geschäftsführende Redakteur der „Japan News“, Yoshitoshi Sasaki, zur ersten Ausgabe des Blattes an diesem Montag in Tokio. Artikel der auflagenstärksten japanischen Tageszeitung, der Yomiuri Shimbun“ sollen im neuen Blatt in englischer Übersetzung tiefergehende Informationen über japanische Innenpolitik, über Kultur, Gesellschaft und Bildung geben. Sasaki bezeichnete es als „soziale Aufgabe“ der Zeitung, angesichts des sinkenden internationalen Interesses das Wissen über Japan in einer englischen Ausgabe zu verbreiten.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          So neu „The Japan News“ auch daherkommt, sie ist keine Neugründung. Sie ist vielmehr eine optisch aufgemotzte „Wiedergeburt“ der alten „The Daily Yomiuri“. Das Blatt, am 1. April 1955 gegründet, war das einzige überlebende englischsprachige Blatt, das von einem der großen japanischen Zeitungshäuser noch herausgegeben wurde. Als zweite gedruckte, englischsprachige Tageszeitung gibt es in Japan nur noch die kleine, unabhängige „The Japan Times“. Dieses Blatt, bereits im 117. Jahr, setzt sich bewusst ab von den japanischen Blättern, die in ihrer Berichterstattung allzu oft Rücksichten auf wirtschaftliche und politische Interessen nehmen.

          Inflationsziel erreicht

          Auch wenn „The Japan News“ Nachrichten aus dem Land der aufgehenden Sonne in die Welt tragen soll, richtet sie sich in erster Linie doch an Ausländer in Japan und an Japaner, die ihr Englisch aufpolieren wollen. Jeden Donnerstag gibt es deswegen 4 Sonderseiten für Leser, die Englisch lernen. Auch der Anteil der Analysen und Berichte über Japan blieb in der ersten Ausgabe noch hinter den Erwartungen zurück, weil sie kaum mehr bot als die alte „Daily Yomiuri“.

          Mit einer Auflage von knapp 10 Millionen ist die eher rechtskonservative „Yomiuri Shinbun“ die größte Zeitung Japans. Verglichen damit nehmen sich die knapp 28.000 Exemplare der Auflage der englischsprachigen „The Japan News“ sehr bescheiden aus. Der einzige Wettbewerber, die „Japan Times“ meldete 2012 eine Auflage von ebenfalls knapp 28.000. Die neue Zeitung, die ihre Herkunft von der „Yomiuri“ nur noch in der Unterzeile verrät, kostet am Kiosk 150 Yen (1,25 Euro), 20 Yen mehr als die Vorgängerzeitung „Daily Yomiuri“. Zumindest am Zeitungsstand ist Japan damit seit Montag bereits aus der Deflation heraus und hat das Inflationsziel von 2 Prozent, das der von der „Yomiuri Shimbun“ massiv gestützte Regierungschef Shinzo Abe mit seiner aggressiven Geld- und lockeren Finanzpolitik erreichen will, bereits weit übertroffen.

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