https://www.faz.net/-gqz-1ai

Zeitschriftenmarkt : Hier wird um jeden Regalmeter gekämpft

  • -Aktualisiert am

Der freie Marktzugang ist ein Vorbild in ganz Europa

Die Unruhe war auch am Dienstagabend auf dem Parlamentarischen Abend der Stiftung Presse-Grosso in Berlin zu spüren. Vierzig Grossisten, viele Verlagsvertreter und einige Politiker wussten genau, wen Rainer Esser, der Geschäftsführer des Hamburger „Zeit“-Verlags, meinte, als er das Pressevertriebssystem verteidigte. „Das Grosso ist ein Segen für die Meinungsvielfalt“, sagte er - und warnte: „Wer hier anfängt zu zündeln, gefährdet nicht nur die Pressevielfalt, sondern auch ein wirtschaftliches Gut.“ Yvonne Bauer war zu dem Abend eingeladen, erschien jedoch nicht. Ein Zwei-Klassen-Sortiment, sagte Esser, wäre ein Rückschritt für die gesamte Branche. Presse sei kein Zeitgeistartikel, sondern ein schützenswertes Gut.

Der Ernst der Auseinandersetzung hat sich bis in die Politik herumgesprochen. Monika Grütters, die Vorsitzende des Kultur- und Medienausschusses des Bundestags, lobte auf der Veranstaltung der Stiftung Presse-Grosso, dass das deutsche Vertriebsnetz den freien Marktzugang gewährleiste und es Vorbild in Europa sei. „Da gibt es viel zu verteidigen“, sagte sie. „Die aktuelle Situation des Presse-Grosso ist immer noch ungesichert - das ist unbefriedigend.“

Der Bundesgerichtshof wird entscheiden

Schon länger versuchen Mitarbeiter des Kulturstaatsministers Bernd Neumann und des Bundeswirtschaftsministeriums, zwischen Verlegerverbänden und dem Bundesverband Presse-Grosso zu vermitteln. Beide Seiten haben den Ministerien längere Stellungnahmen geschickt, die dieser Zeitung vorliegen.

Streitpunkt ist immer noch der Kern der Gefährdung des Grosso-Systems: Bauer hatte zwei Grossisten einfach gekündigt - ein umstrittenes Verhalten, das die „Gemeinsame Erklärung“ aus dem Jahr 2004 zwischen Verlagen und Grossisten ohne Angaben von Gründen nicht vorsieht. Im kommenden Jahr wird der Bundesgerichtshof über das Recht auf Kündigung entscheiden, bisher konnte sich der Bauer-Verlag jedoch vor Gericht damit durchsetzen.

Die Differenzen selber ausräumen

Doch damit sich die Verlage mit den Grossisten wieder auf ein gemeinsames System einigen können, müssten sie sich erst einmal untereinander einig sein - und Bauer wieder ins Boot holen. Danach sieht es derzeit nicht aus. Will die Politik das Presse-Grosso-System mitsamt seiner Neutralität und der Vielfalt am Kiosk erhalten, muss sie, so scheint es im Augenblick, selbst eingreifen und Regeln diktieren.

Noch bleibt den Beteiligten Zeit, das zu verhindern: Die Ministeriumsmitarbeiter haben Verlage und Grossisten aufgefordert, ihre Differenzen selbst auszuräumen. Die Verbände werden sich in den nächsten Monaten treffen, um ein Vertriebssystem zu erhalten, das seit Jahrzehnten funktioniert. Damit auch in Zukunft gilt, was Rainer Esser in Berlin sagte: „Groß, größer, Grosso!“

Weitere Themen

Russischer Ort streitet über Stalin-Statue Video-Seite öffnen

Aufstellen oder nicht? : Russischer Ort streitet über Stalin-Statue

Seitdem in der russischen Ortschaft Kusa eine alte Stalin-Statue in einem Teich entdeckt wurde, spaltet sie das Städtchen. Soll sie am alten Ort wieder aufgestellt werden, wie das der kommunistische Aktivist Stanislaw Stafejew fordert? Oder sollte sie lieber ins Museum?

Topmeldungen

Der türkische Präsident Erdogan am Montag in Istanbul während einer Rede anlässlich des dritten Jahrestages des gescheiterten Putschversuches

Gasbohrungen vor Zypern : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.
Die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen am Dienstag in Straßburg

Liveblog zu Wahl in Straßburg : Von den Liberalen kommen positive Signale

Fünf-Sterne-Bewegung deutet Zustimmung an +++ Liberaler Federley findet lobende Worte für von der Leyens Rede +++ Von der Leyen spricht über Klimakrise, Migration und Gleichberechtigung +++ Wahl am Abend gegen 18 Uhr +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveblog.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.