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Zeitschriften : Laß es nicht hart, sondern edel erscheinen

Bislang nur für Anzeigenkunden: ein „Best of Vanity Fair”
          6 Min.

          Ulf Poschardt sitzt auf gepackten Koffern. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Vom Spittelmarkt geht es an die Ecke Unter den Linden/Friedrichstraße. Eine gute Adresse für Qualitätsjournalismus aus der Hauptstadt. Und eine erste Adresse für großen, glamourösen und zugleich investigativen Journalismus will Poschardt sein. Mit diesem Umzug ist der Journalist angekommen, als Chefredakteur der deutschen „Vanity Fair“.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Poschardt hat Großes vor, seit einem Jahr waberten in der Branche die Gerüchte über das Vorhaben des amerikanischen Condé Nast Verlags, es nach einem italienischen mit einem deutschen Ableger des in seiner Art einmaligen Magazins zu versuchen. Bei Gruner + Jahr war die bange Erwartung der Konkurrenz so groß, daß man das eigene Hochglanzprojekt, „Park Avenue“, im Sommer vor einem Jahr mit einem Kaltstart ins Rennen schickte. Daraus ist ein veritabler Flop geworden, Gruner + Jahr hat sich in vorauseilender Panik verausgabt, einigen Imageschaden genommen - durch die dauernden Wechsel in der Redaktion, die Demission des Chefredakteurs Alexander von Schönburg und einem inhaltlich porösen Heft. Die Auflage ist weit entfernt von der Erwartung auf einen sechsstelligen Verkauf. Und noch immer schielt man auf die deutsche „Vanity Fair“, die noch gar nicht da ist. Seit gestern hat die Branche Gewißheit: Die deutsche „Vanity Fair“ kommt, Ersterscheinungstag ist der 8. Februar 2007, die Startauflage liegt dem Vernehmen nach bei 120.000 Exemplaren, der Kaufpreis bleibt vorerst geheim. Bei fünf Euro könnte er liegen. Und: Anders als das amerikanische Original erscheint die deutsche „Vanity Fair“ nicht einmal pro Monat, sondern wöchentlich, mit einem Umfang von zunächst 150 bis 180 Seiten. Ein Mammutprojekt.

          Wunderbare Zeit mit scheußlichem Ende

          Doch Ulf Poschardt ist die Ruhe selbst. Insofern man das von dem neununddreißig Jahre alten Feuilleton-Energiker sagen kann. Wenn man auf seine Vita schaut, könnte man denken, daß er sich Schritt für Schritt auf seine neue Aufgabe vorbereitet hat. Mit zwanzig ist er auf die Journalistenschule gekommen und hat gleich für das Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ geschrieben. Performance-Kunst und das Theater war sein Metier. Dann baute er den Kulturteil der Zeitschrift „Vogue“ auf und finanzierte mit dem Job sein Studium. Politik, Soziologie und Kommunikationswissenschaften hat er studiert, Philosophie bei den Jesuiten. Promoviert hat er über Disc-Jockeys bei Friedrich Kittler. 1994 ging er für ein Jahr nach New York und schrieb von dort für die „Vogue“, den „Spiegel“ und das „SZ-Magazin“.

          Solche Exklusivgeschichten hat „Vanity Fair” in Amerika
          Solche Exklusivgeschichten hat „Vanity Fair” in Amerika : Bild: Condé Nast

          Dort landete er im Jahr darauf mit Christian Kämmerling als Chefredakteur und gab, wie er sich erinnert, „Vollgas“. Tobte sich aus, bastelte am Avantgarde-Image dieser Beilage und sorgte für so manchen Scoop. Bis die Geschichte mit Tom Kummer kam, dem Mann, der seine Exklusivinterviews und Geschichten über Hollywood-Stars erfunden hatte. Und sie hauptsächlich - aber nicht nur - beim „SZ-Magazin“ absetzte. „Es war eine wunderbare Zeit mit einem scheußlichen Ende“, sagt Ulf Poschardt heute. „Der größte Fehler meines beruflichen Lebens war, Tom Kummer vertraut zu haben. Aber ich bin durch diese Geschichte - im besten Sinn des Wortes - mißtrauischer geworden.“

          Vorliebe für schnelle Autos

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