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„Zeit“ macht „Christ & Welt“ : Fest im Glauben an den Erfolg

Heißbegehrte Beilage: Um „Christ & Welt“ kümmert sich die „Zeit“ künftig in eigener Regie. Bild: Verlag

Die Beilage „Christ & Welt“ der „Zeit“ kam bis dato vom Katholischen Medienhaus in Bonn. Jetzt macht die Wochenzeitung das Zusatzblatt selbst. Was gab den Ausschlag für die Trennung?

          Die Beilage „Christ & Welt“ der „Zeit“ wird vom 1. Oktober an nicht mehr vom in Bonn ansässigen Katholischen Medienhaus, sondern von der Wochenzeitung selbst produziert. Die „Zeit“ hat den eigentlich bis zum nächsten Jahr laufenden Vertrag mit dem Katholischen Medienhaus, das von den Diözesen getragen wird, im Mai gekündigt. Man scheide nicht im Dissens voneinander, heißt es bei den Beteiligten, im Gegenteil: In den sechs Jahren, in denen „Christ & Welt“ bei der „Zeit“ erscheint, habe sich vielmehr erwiesen, dass die Leser die Beilage wertschätzten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die neue Redaktion von „Christ & Welt“ wird nicht wie bislang in Bonn, sondern in Berlin arbeiten. Leiten wird sie Raoul Löbbert, der bislang schon Redaktionschef war. Erscheinen wird „Christ & Welt“ in einer Tochtergesellschaft der „Zeit“ mit dem Namen „Zeit: Credo“. Deren Geschäftsführer werden Rainer Esser, Geschäftsführer der „Zeit“, und der geschäftsführende Redakteur Patrik Schwarz, der bislang als Herausgeber von „Christ & Welt fungierte. „Wir gehen nach Berlin, aber wir vergessen Bonn nicht. Denn für das, was wir in Berlin aufbauen wollen, ist es wichtig, dass unsere Leser in ganz Deutschland sitzen und manchmal auch mit einem Quentchen Skepsis auf den Hype um die Hauptstadt gucken“, sagt Schwarz im Gespräch. Theo Mönch-Tegeder, Geschäftsführer beim Katholischen Medienhaus, sagte, man sei der Überzeugung, „dass wir das Projekt guten Gewissens in die Hände der ,Zeit‘ legen können“. „Christ & Welt“ sei nach wie vor eine „Erfolgsgeschichte“.

          Keine Sparmaßnahme

          Als Sparmaßnahme wollen die Verlage die Umstellung nicht verstanden wissen. In dem Kündigungsschreiben der „Zeit“ ist gleichwohl davon die Rede, dass man sich über die Dotierung des Auftrags nicht einig geworden sei. Dem Vernehmen nach geht es um 750 000 bis 800 000 Euro, die als jährliche Kosten für „Christ & Welt“ veranschlagt werden. Um den Vertrag für die Beilage soll sich zudem ein zweiter katholischer Verlag bemüht haben. Doch dann entschied sich die „Zeit“ dafür, eine eigene Redaktion zu bilden. „Christ & Welt“ habe sich publizistisch und in der Auflage gut entwickelt, sagte „Zeit“-Geschäftsführer Esser. Die Auflage der Beilage, die „Zeit“-Abonnenten für vierzig Cent pro Woche hinzubestellen können, liegt bei rund 15 000 Exemplaren. Auch wenn man bei der katholischen Kirche und den Bischöfen stets Respekt und Unterstützung für das Projekt erfahren habe, sagte „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, glaube man, „Christ & Welt“ mit dieser Lösung am besten absichern zu können.

          Hervorgegangen war die Beilage vor sechs Jahren aus der katholischen Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“, die seit 1946 erschien und der die Bischöfe den Geldhahn abgedreht hatten. Welche publizistische Strategie sie verfolgen, ob sie denn eine haben, das ist die Frage, die nach dem vollständigen Wechsel von „Christ & Welt“ zur „Zeit“ offenbleibt.

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