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Zehn Jahre Facebook : Das totale Wissen

Allgegenwärtig: Facebook ist für viele längst fester Bestandteil des Alltags Bild: REUTERS

Vor zehn Jahren wurde Facebook begründet. Heute hat dieses soziale Netzwerk mehr als eine Milliarde Mitglieder. Das ist nicht bloß ein Phänomen im Internet: Längst ist Facebook dabei, unser ganzes Leben zu bestimmen.

          6 Min.

          Es ist genau zehn Jahre her, dass Mark Zuckerberg, ein Harvard-Student, den, wenn man den Zeugen vertrauen will, die meisten, die ihn kannten, für ein Arschloch hielten; ein junger Mann, der an seiner Universität vor allem dadurch aufgefallen war, dass er, ohne zu fragen, die Bilder seiner Kommilitoninnen ins Netz stellte und die Jungs aufforderte, darüber abzustimmen, welche die schönste oder die hässlichste sei - es war am 4. Februar 2004, als dieser sozial anscheinend eher inkompetente Mensch das soziale Netzwerk Facebook begründete.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

          Und wenn jetzt, im Februar 2014, mehr als eine Milliarde Mitglieder dieses Netzwerks sich verwundert die Augen reiben und sich fragen, wie dieses Facebook so groß werden konnte und woran es liegt, dass mit diesem Facebook so viel Geld verdient und so unendlich viel Zeit verschwendet wird - dann kann man nur zurückfragen: Leute, hat euch keiner gewarnt?

          Man braucht sich also nicht zu wundern

          Schon ums Jahr 2006 herum, als Facebook aufhörte, ein Studentenvergnügen zu sein, und von 2008 an, als es auch in Deutschland die ersten Mitglieder fand: Da meldeten sich sofort die Erziehungsberechtigten des Internets, um die dumme Jugend daran zu erinnern, dass man Freunde nicht durch Mausklicks gewinne; und dass all die Tätigkeiten mit den rätselhaften Namen, all das Chatten, Posten, Sharen, Adden, Liken, die Nerven zerrütteten und das Gefühlsleben beschädigten. Besser wäre es, Bücher zu lesen, Sport zu treiben. Oder eben die Freundschaften im dreidimensionalen Raum zu pflegen.

          Bild: Wednesday – Design Works

          Im März 2009 war das Phänomen endlich groß genug für eine „Spiegel“-Titelgeschichte - deren lustigste Passagen naturgemäß im Facebook zitiert, kommentiert und ausgelacht wurden: dass in diesen sozialen Netzen auch die Spanner, die Pädophilen und andere Ferkel unterwegs seien, womöglich unter falschem Namen. Dass, wer seine wildesten Partyfotos ins Facebook stelle, sich nicht zu wundern brauche, wenn ihn dereinst, bei einer Stellenbewerbung, die eine oder andere Firma abweisen werde, weil auf dem Arbeitsmarkt kein Platz sei für Menschen, die in ihrer Jugend auch mal betrunken waren. Und dass in England ein Mann seine Frau erstochen habe, weil die, ohne dass im wirklichen Leben etwas passiert wäre, als Beziehungsstatus angegeben habe, dass sie Single sei.

          Plötzlich hatte das Internet ein Zentrum

          Es klang, alles in allem, wie eine Stimme aus der Vergangenheit, die der Zukunft, von der man nur noch die Rücklichter erkennen konnte, hinterherbrüllte, sie solle nicht so verdammt schnell fahren.

          Dabei war doch längst abzusehen, dass eher die, von denen es keine Fotos gab, in den Verdacht kommen würden, dass sie Streber, Langweiler, soziale Autisten seien. Es sprach sich doch langsam herum, dass zum Beispiel die bösen Kinder, die immer mal wieder Amok liefen durch die Schulen Amerikas, mindestens eines gemeinsam hatten: Sie blieben den sozialen Netzwerken fern. Zudem versuchte Facebook mit allen Mitteln, seine Mitglieder vom Gebrauch der Pseudonyme abzuhalten. Im Facebook, so wollte es Facebook, sollten sich die Menschen mit ihrem echten Namen zeigen, möglichst auch mit einem kurzen Lebenslauf sowie halbwegs exakten Angaben zu Alter, Geschlecht, sexuellen und politischen Präferenzen.

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