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BBC-Serie „The Interceptor“ : Er fängt die großen und die kleinen Fische

Bild: ZDF

ZDFneo zeigt eine neue Serie der BBC: „The Interceptor“ erzählt die wahre Geschichte eines Zollfahnders, der es satt hat, den Kriminellen immer nur hinterherzulaufen.

          Der Mann trägt einen schweren Colani-Mantel und Mütze. Ob ihm das steht, darüber gehen die Meinungen der Kollegen auseinander. Das gilt auch für seine Methoden. Marcus „Ash“ Ashton nimmt Verbrechen persönlich. Und wenn er einen durchgedrehten Killer vor sich hat, der seinen Kollegen und besten Kumpel verletzt, lässt er ihn nicht laufen, um an den Boss der Drogenbande zu kommen, sondern legt den Verbrecher sofort aufs Kreuz. Fertig.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Standpauke seines neuen Chefs lässt den Spezialagenten Ash (O.T. Fagbenle) folglich kalt. Auch er will die ganz schweren Jungs in den besseren Kreisen zur Strecke bringen, als ehemaliger Zollfahnder ist Ash zu lange den kleinen Kurieren hinterhergelaufen. Aber er hat seine eigenen, festgefügten moralischen Koordinaten, und die geben im Zweifel eher die Richtung vor als das übergeordnete Fahndungsziel. „Ich opfere das jederzeit, wenn es um Gerechtigkeit für meinen Freund geht“, sagt er. Man wird sehen, ob er damit in der neu formierten Spezialeinheit der Polizei durchkommt.

          Ash ist, wonach die Serie heißt: „The Interceptor“ - der Abfangjäger. Warum nimmt er jedes Gewaltverbrechen persönlich? Das können wir uns von der ersten Szene der BBC-Serie an denken. In ihr sehen wir einen schwarzen Jungen auf dem Weg zu Schule, der Zeuge eines Mordes unter zwei Drogenabhängigen wird. „Vater“, ruft der Junge und meint damit nicht das Opfer der Schießerei: „Bleib hier!“ Gangster observieren, Informationen sammeln, Zugriff - so wird später der Alltag des einstigen Jungen aussehen, ein Kreislauf ohne Ziel und ohne Ende. Die Fahnder können so viele Dealer festnehmen, wie sie wollen, solange sie das organisierte Verbrechen nicht durchdringen, ändern sie nichts. Die Undercover-Spezialeinheit „Unit“ (Undercover Narcotics Investigation Team) soll das ändern.

          Es gibt eine solche Einheit in Großbritannien tatsächlich, und der inzwischen pensionierte Zollfahnder Cameron Addicott gehörte ihr an. Auf seinen Memoiren beruht das Drehbuch der Serie von Tony Saint, Simon Allen und Mark Catley. Sie konzentrieren sich zwar auf ihre Hauptfigur und die ihr nahestehenden Mitspieler, halten sich über weite Strecken der Handlung aber auch an die Routine der Fahndungsarbeit. Das ist vielleicht ein Grund dafür, dass die Serie in Großbritannien niemanden wirklich vom Hocker riss. Sie setzt auf Action, aber in Maßen, so viel Geballer wie in amerikanischen Serien gibt es hier nicht. Dafür Szenen vom Abhören - die Unit überwacht, wen sie will - und Auswerten von Daten.

          Wie geht es weiter?

          Damit hält sich Ash seinem Naturell entsprechend nicht ewig auf. O. T. Fagbenle spielt diesen Mann der Tat mit viel Verve, die einigen der übrigen Figuren ebenfalls gut anstünde. Dabei steht der Ermittler Ash allerdings, und dies könnte ein zweiter Grund für die mäßige Begeisterung sein, im Schatten einer anderen Serienfigur der BBC: des von Idris Elba gespielten Londoner Inspectors John Luther. Ob es eine zweite Staffel von „The Interceptor“ gibt, das im vergangenen Jahr anlief und jetzt bei ZDFneo zu sehen ist, hat die BBC noch nicht entschieden.

          Die Hauptfigur und der größere Bogen, den die Handlung schlägt, sprächen eigentlich für eine Fortsetzung. Denn am Ende der ersten Folge will man unbedingt wissen, ob Ash an die wirklich großen Gegner herankommt oder alles vermasselt. Allein der Soundtrack macht Laune, wieder einzuschalten, wenn die Alternative-Rock-Band „alt-j“ ihr Ohrwurm-Popblues-Lied „Left Hand Free“ anstimmt. In dem ist von einem Typen die Rede, der seiner Angebeteten weismacht, er sei „heiß“ wie „der verlorene Sohn“ und habe an seiner linken Hand noch Platz frei (für einen Ring?). Die Rechte aber sei bereit für den Kampf, der allerdings mit ungleichen Mitteln geführt wird - der Nebenbuhler greift nämlich zur Waffe. Zu der Geschichte von Ash, dem Abfangjäger, passt das ganz gut.

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