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ZDF-Zweiteiler „Bier Royal“ : Stark gebraut und souverän untergärig

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Kampf ums Erbe: Gisela Schneeberger, Lisa Maria Potthoff, Michael Klammer, Robert Palfrader und Frank Pätzold (von links) spielen in „Bier Royal“ die Hauptrollen. Bild: dpa

Der ZDF-Zweiteiler „Bier Royal“ handelt vom Gerangel zweier Brauerei-Erbinnen. Das ist mal krachledern, mal intrigant, nicht ganz auf dem Niveau von Helmut Dietls Klassiker „Kir Royal“, aber recht süffig.

          „Wollen Sie die Wahrheit – oder eine gute Geschichte?“ Es ist die ewige Frage des bunt gefiederten Journalismus, auf die dieser Zweiteiler hinausläuft, aber so alt (und hochaktuell) besagter Gegensatz zu sein scheint, lässt sich nicht bestreiten, dass die Zeiten sich geändert haben. In der von Helmut Dietl gemeinsam mit Patrick Süskind kreierten Serie „Kir Royal“ aus dem Jahr 1985 waren die Boulevardmedien noch eine echte Instanz auf Münchens poliertem Parkett. Was bedrängte die Schickeria damals Reporter Baby Schimmerlos, um nur irgendwie in der Klatschpresse zu landen.

          So sehr haben sich die Medienrealitäten verschoben, dass der Neuaufguss der Serie von Carolin Otto (Buch) und Christiane Balthasar (Regie) – lustigerweise ist die überschäumende Bier-Version abgesehen von Produzent Oliver Berben ein durchweg weibliches Projekt gegenüber dem maskulinen Prosecco-Original – nicht mehr vornehmlich aus der Perspektive des schillernden Glamour-Journalismus erzählt wird. Aber die Klatschpresse (hier tatsächlich noch Presse) spielt eine wichtige Rolle. Ulrike Kriener als genervte Society-Reporterin Renate Rottmann, eine Ex-Marxistin, die seit Jahren Schmonzetten über die Oberklasse zusammenschustert, und Thomas Loibl als ihr tapfer gegen den Zeitgeist anachronistische Männersprüche hervorgurgelnder Chef Constantin von Spreti, seines Zeichens Verleger des „Morgen Journal“, füllen ihre Rollen sogar derart bravourös aus, dass sich dieses heimliche Traumpaar doch wieder ins Zentrum des Films spielt.

          Köstlich ist schon das erste Zusammentreffen der beiden. Der auf „affenscharfe Berichte“ erpichte Verleger hat die Reporterin einbestellt, widmet sich dann aber liebevoll seiner Mango, was saukomisch ist, weil es in unzähligen Chefbüros exakt so zugeht. Später wiederkommen soll die „rote Renate“ trotzdem nicht: „Ich bin ein Multitasker wie ihr Frauen. Ich kann reden und Obst schälen.“ Eine neue Serie schwebt von Spreti vor, „Bier Royal“ mit Titel: „Richtig, das klingt wie ...“ Eine Reportage über Arnulfbräu soll den Anfang machen. Soeben ist dem Familienunternehmen der Patriarch weggestorben, und unter den Erben scheint nicht eben beste Stimmung zu herrschen.

          Vicky Dawson (Lisa Maria Potthoff), die in Amerika lebende Tochter aus erster Ehe, wittert nicht ganz grundlos, dass ihre verschlagene Schwiegermutter (Gisela Schneeberger) am Testament gedreht hat. Die zweite Gattin des bei Vickys Ankunft bereits unter dem Hopfen liegenden Braumeisters, ehemals seine Sekretärin, erhält nämlich 45 Prozent des Unternehmens, ihr verstrahlter Sohn Patrick (Franz Pätzold) wie auch Vicky bekommen je ein Viertel zugesprochen, fünf Prozent gehören der Mitarbeiterschaft.

          Vicky, verheiratet mit dem Ex-Basketball-Profi Dan (Michael Klammer, der leider ständig Sätze wie „I’m right here, Baby“ sagen muss) und von ihrer Kontrahentin hartnäckig „Ficktoria“ genannt, bricht daraufhin eine dynastische Fehde vom Zaun, die in wechselnden Allianzen recht kurzweilig bis zur Mitte der zweiten Episode reicht; danach wird es allzu volkstheatermäßig. Dass die Veganerin aus den Staaten das Unternehmen umkrempeln will – Bio-Craftbeer statt Reinheitsgebot –, macht die Sache nicht einfacher. Zudem mischt Arnulfbräu-Geschäftsführer Erich Maxlhuber (Robert Palfrader mit gewohnt prächtigem Schmäh) mit. Der ist nebenbei Militaria-Sammler und nennt Hermann Görings Unterhose sein eigen, was die Ex-Marxistin antörnt.

          Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen souverän untergärig, legen es nicht auf Pointen an und haben gute Dialoge auf ihrer Seite. Ähnlich aber wie in der Verleger-Komödie „Labaule & Erben“ schwächen klischeedepperte Nebenrollen den süffigen Ansatz. Amerikaner sind entweder weiße Cowboys oder schwarze Gefühlsbolzen und die Senior-Erbin lässt sich auf eine „Schnacksel-Affäre“ mit Escort-Mafiosi ein. Noch alberner ist die Zurichtung des Sohnes zum lächerlichen Grufti, der dann nicht einmal in seiner Rolle bleiben darf. Hinzu kommen Handlungsvolten nach Familienkomödien-Handbuch: Kinderwunsch-Trara, Yoga-Wochenende, Kreditlinien-Gedöns mit Bank-Fuzzi, Weißwurst-Witze, Wiesn-Bann. Alles wird mit Schwung ausagiert, wirkt aber furchtbar harmlos.

          Im Vergleich zu „Kir Royal“ fehlt es an glanzvoller Besoffenheit, an Radikalität beim Abbilden des High-Society-Irrsinns. Dietl und Süskind haben zu bollernden Sätzen wie „Mona, das ist Lisa“ den Exzess tatsächlich zelebriert, der hier nur halbherzig behauptet wird, indem Karrierefrauen ihren Fitnesstrainer vernaschen. Einmal immerhin kratzt der Film an der Grandiosität des Vorgängers, wenn Eisi Gulp als zugekokster Koch in einer unvorhersehbaren Veganer-Verfluchung der perplex „Schlabidu?“ fragenden Vicky die Leviten liest. Darauf ein Helles!

          Der Zweiteiler Bier Royal läuft heute, Montag 28. Januar, und am Mittwoch, jeweils um 20.15 Uhr, im ZDF.

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