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ZDF-Verwaltungsrat : Brender wurde nicht einmal angehört

Die schwarze Front gegen eine Vertragsverlängerung des ZDF-Chefredakteurs Brender steht. Nur eine Verfassungsklage könnte wohl noch dieses Machtspiel stören, das die Parteien irreführenderweise Politik nennen.

          Rau sind die Sitten im Verwaltungsrat des ZDF. Am vergangenen Freitag, an dem ursprünglich die Vertragsverlängerung des Chefredakteurs Nikolaus Brender auf der Agenda stand, debattierten die Räte zweieinhalb Stunden die Causa Brender zwar, ließen sich auf das vom Intendanten erdachte Kompetenzgutachten in eigener Sache ein und tauschten in aller Schärfe die neuesten Schlechtigkeiten über den abwesenden, aber vor der Tür wartenden Brender aus. Reden wollten die Kritiker mit dem Chefredakteur nicht.

          Das Angebot, direkt mit ihm zu sprechen, schlugen die acht dem schwarzen Lager zugerechneten Verwaltungsräte aus, der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber schwor seine Truppe darauf ein, besonders diejenigen, die kurzzeitig erkennen ließen, dass sie nach dem Palaver doch einmal ganze gerne direkt mit dem Chefredakteur, über den seit Monaten geurteilt wird, gesprochen hätten. Doch das wussten Stoiber und der ehemalige CDU-Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann zu verhindern. Aus ihrer Ecke kam auch der Hinweis, dass die Mitarbeiter des ZDF, die kürzlich eine Pro-Brender-Petition lanciert haben, abgestraft werden müssten, schließlich hätten sie den Verwaltungsrat angegriffen.

          Da haben sie sich wohl keinen Gefallen getan

          Das liegt ganz auf der Linie des größten Brender-Kritikers, des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, von dem zuvor zu hören war, dass sich die betreffenden ZDF-Leute mit ihrem Verhalten wohl keinen Gefallen getan hätten. Aus dem Anti-Brender-Kreis der Union wird dem Chefredakteur Brender übrigens als jüngstes Gerücht nachgetragen, er habe eine schlechte Mitarbeiterführung - die Pointe passt.

          Die schwarze Front gegen Brender steht, davon konnte sich der Intendant des ZDF, Markus Schächter, am Freitag überzeugen. Trotzdem will man das Treffen des Verwaltungsrats in der Senderspitze positiv sehen und in der Zustimmung zu dem juristischen Gutachten zu den Befugnissen des Verwaltungsrats einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte erkennen. Das Ergebnis der Expertise wird erst nach der Bundestagswahl erwartet, bis dahin hängt der Chefredakteur des ZDF - und mit ihm der Intendant - in der Luft.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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