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ZDF verkürzt „heute-journal“ : Sie spielen nur in der Halbzeitpause

Müssen sich kürzer fassen: Claus Kleber und Marietta Slomka vom „heute-journal“. Bild: ZDF und Uwe Düttmann

Das ZDF verkürzt das „heute journal“ während der Fußball-EM auf fünfzehn Minuten, auch wenn die Spiele im Ersten laufen. Gegen die Nationalkicker sendet das Zweite nicht an. Ist das ein Skandal?

          Das ZDF weiß die Gunst der Stunde zu nutzen. Die günstige historische Phase beginnt am 10. Juni mit dem Eröffnungsspiel und endet vier Wochen später mit dem Finale der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Während dieser Zeit verkürzt das Zweite das „heute journal“ von dreißig auf fünfzehn Minuten, und dies nicht nur an den Tagen, an denen der Sender Spiele überträgt, sondern häufig auch, wenn die ARD gerade dran ist.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Überlegung ist simpel: Gegen die zweite Halbzeit, die stets um 22 Uhr beginnt, will das ZDF mit seinen Nachrichten nicht anspielen. Marietta Slomka und Claus Kleber laufen nur in der Halbzeitpause auf. Das hat für Fußballfans, die auch an Tagen, an denen die ARD überträgt, sich aber unbedingt vom ZDF informieren lassen wollen, den Vorteil, dass es in ihren Spielplan passt. Und was machen die anderen? Ist das nicht ein Skandal? Fünfzehn Minuten rundfunkbeitragsfinanzierte Information weniger pro Tag, ist das nicht ein Foul am Sendeauftrag?

          Bekommt Claus Kleber dann nur noch die Hälfte?

          Ein Kollege kam gleich auf die kluge Idee, man könnte dann doch während der EM auch das Gehalt von Claus Kleber um die Hälfte kürzen, der angeblich doppelt so viel verdient wie der Intendant, dessen Spielerhonorar bei rund 300 000 Euro im Jahr liegt. Das würde den vermeintlichen Verlust an Nachrichtenberichterstattung mit Hintergrund allerdings nicht wettmachen.

          Auf den jedenfalls pocht Christian Nitsche, der zweite Chefredakteur der ARD-Nachrichtenredaktion bei den „Tagesthemen“. Seine Sendung bleibt so lang, wie sie ist, schließlich gebe es während der EM nicht weniger „relevante Nachrichten“ als sonst, wird Nitsche von der „Süddeutschen“ zitiert. Zu befürchten ist sogar, dass es während der Fußball-Europameisterschaft noch mehr „relevante“ Nachrichten gibt als sonst, wie die Terror- und Reisewarnung der amerikanischen Regierung für Europa gerade wieder in Erinnerung ruft.

          Allerdings gilt auch, dass die Bedeutsamkeit einer Nachrichtensendung nicht von ihrer Länge abhängt. Hat man insbesondere beim „heute journal“ nicht zudem den Eindruck, dass sich die Moderatoren mit ihrem Welterklärungsgestus für besonders wichtig halten, nach dem Motto: Alle Augen schauen auf mich?

          Dabei gibt es Nachrichten von ARD und ZDF doch längst in hundert Sekunden (ohne Moderationsbedeutungsgehuber). Und welche Dauer hat die nach wie vor meistgesehene Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens? Für das Wesentliche braucht die „Tagesschau“ seit dem Anfang aller Sendetage nicht länger als - genau - fünfzehn Minuten.

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