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ZDF-Film über Putin : Zeugen der Propaganda

Ein Fingerzeig genügt: Wladimir Putin hat in Russland auch die Medien auf Linie gebracht. Bild: Imago

Das ZDF berichtet kritisch über Wladimir Putin, die Attacke des russischen Staatsfernsehens folgt auf dem Fuß. „Russia 1“ wirft dem deutschen Fernsehen Manipulation vor. Doch die Beweisführung aus Moskau erscheint zweifelhaft.

          Das ZDF und der russische Staatssender „Russia 1“ liegen im Clinch - weil ein Zeuge, der angab, als Freiwilliger für die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine gekämpft zu haben, zwei Versionen seiner Geschichte erzählt hat, die einander komplett widersprechen. Dem russischen Staatsfernsehen dienen sie dazu, dem ZDF eine bewusste Falschdarstellung zu unterstellen. Den Vorwurf weist das ZDF unter Hinweis auf die Recherche des Moskauer Korrespondenten Dietmar Schumann und die Vorbereitungen eines seit langem beschäftigten Producers indes vehement zurück.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Russia 1“ verkaufte die Geschichte in den Tagen vor Weihnachten als vermeintlichen Scoop: Das ZDF, so der russische Sender, habe Szenen in der Dokumentation „Machtmensch Putin“ manipuliert. Das belegten die Aussagen eines in dem ZDF-Beitrag angehörten jungen Mannes namens Juri Labyskin. Der hatte dem ZDF gegenüber erklärt, als Freiwilliger auf Seiten der prorussischen Separatisten in der Ostukraine gekämpft zu haben. Nun, im russischen Fernsehen, war davon keine Rede mehr. Im Gegenteil: Hier gab Labyskin an, er sei vom ZDF zu Falschaussagen verleitet worden.

          Ein vorgefertigtes Drehbuch?

          Das russische Staatsfernsehen hatte Labyskin in dessen Wohnung in Kaliningrad befragt und sich von ihm schildern lassen, er habe seine Angaben erfunden und ein von dem ZDF-Team vorgefertigtes „Drehbuch“ abgearbeitet. Dafür sei ihm eine Gage von umgerechnet 650 Euro versprochen worden. Was er sagen sollte, hätten ihm der Producer des Beitrags, der ZDF-Mitarbeiter Waleri Bobkow, und der Korrespondent Dietmar Schumann vorgegeben.

          Erfundene Aussagen nach vorgefertigtem Drehbuch? Diese Darstellung weist das ZDF seinerseits als erfunden zurück. In dem fraglichen Beitrag, der am 15. Dezember lief, habe man den Gesprächpartner Labyskin „Igor“ genannt und sein Gesicht verpixelt, um ihn zu schützen. Gedreht habe man mit ihm in Kaliningrad, Moskau und in der Ukraine. Dass ein Producer die Recherche vorbereite, sei ein übliches Verfahren. Der Producer Waleri Bobkow arbeite als freier Mitarbeiter seit 1998 gelegentlich für das ZDF und ebenso für andere internationale Sender. Das Interview mit dem Zeugen „Igor“ habe der ZDF-Korrespondent Dietmar Schumann persönlich geführt. Dass er das Interview manipuliert habe, weise Schumann „in aller Deutlichkeit zurück“.

          Vorgezogene Bescherung: Wladimir Putins Jahrespressekonferenz in der Woche vor Weihnachten.

          Die Redaktion habe die Originalaufnahmen und das Interview geprüft und keinen Anlass gehabt, „an der Aussage von Herrn Labyskin“ zu zweifeln, teilte das ZDF mit. Er habe „seine Geschichte überzeugend erzählt“, detailliert auf Fragen geantwortet und nicht den Eindruck vermittelt, „auswendig Gelerntes wiederzugeben“. Sein Verhalten habe sich „erheblich von seinem Auftritt im russischen Fernsehen“ unterschieden. Das dort gezeigte, angebliche Rohmaterial von den Dreharbeiten liege dem ZDF nicht vor und man habe auch kein Rohmaterial an Dritte weitergegeben.

          So steht Aussage gegen Aussage - aber nicht nur. Das Pikante an dem Vorgang ist nämlich, dass Gegenstand des ZDF-Films die Methoden der Machtausübung des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin waren - inklusive der Propaganda der von ihm beherrschten staatlichen Medien, denen es bisweilen schon reicht, gezielt Zweifel zu säen, um kritische Berichterstattung zu durchlöchern. Und da mutet es schon sehr seltsam an, dass „Russia 1“ einen Zeugen des ZDF im herumgedrehter Version und auch vermeintliches Rohmaterial aufbieten kann, das Sender, Korrespondenten und Drehteams für gewöhnlich hüten wie ihren Augapfel. Der Gegenstand der Recherche - der nur ein Aspekt von vielen des ZDF-Films war -, ist bei alldem unbestritten und mannigfaltig belegt, nicht nur vom ZDF: dass russische Freiwillige und russische Berufssoldaten auf Seiten der Separatisten in der Ostukraine kämpfen.

          Mit dem Angriff auf das ZDF zeigt „Russia 1“ derweil, wozu Putins Medienapparat, der einen geschützten Informanten des ZDF enttarnt und als vermeintlichen Kronzeugen gegen den Sender vorführt, in der Lage ist. Dieser Apparat demonstriert abermals ein Exempel.

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