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ZDF streicht Anne-Frank-Projekt : Filmreif

Anne Frank Bild: dpa

Groß angekündigt, heftig kritisiert und nun vom Tisch: Das ZDF und Oliver Berben werden keinen Spielfilm über Anne Frank drehen. Die Geschichte eines missglückten Projekts.

          Was für eine Blamage für das ZDF. Da kündigt der Sender Anfang des Jahres (F.A.Z. vom 15. Januar) mit großem Aplomb an, er wolle den ersten deutschen Fernsehfilm über Anne Frank produzieren, zusammen mit Oliver Berben und der Constantin Film. 2015 solle der Spielfilm ausgestrahlt werden, siebzig Jahre nach dem Tod der jungen Frankfurter Jüdin im KZ Bergen-Belsen. Einen „modernen“ Zugang wolle man finden. Und nicht von der Zeit im Versteck erzählen, in der Anne Franks berühmtes Tagebuch entstand, sondern von den Jahren davor. Anne Frank ohne ihr Tagebuch also. Eine fragwürdige Drehbuchidee.

          Nie geklärt: Die Rechtefrage

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Aber es kam noch schlimmer. Weil das ZDF und Berben ihre Anne-Frank-Story wohl aus dem, was man eben so weiß über eine Person der Zeitgeschichte, entwickeln wollten, hatten sie sich um eines schlicht nicht gekümmert: die Rechtefrage. Und nichts vorab mit Anne Franks Erben, dem Anne Frank Fonds in Basel, der sämtliche Rechte am Tagebuch und an vielen Fotos und Dokumenten der Familie hält, geklärt. Als ob es bei einem Filmprojekt über eine der wichtigsten Symbolfiguren des Holocaust nicht auch so etwas wie eine moralische Verpflichtung gäbe, sich mit den Erben zu verständigen.

          „Respektloses Verhalten“

          Der Fonds lief Sturm und sprach von „respektlosem Verhalten“. Das ZDF brauchte einen Monat, um sich zu besinnen. Da kündigte der Intendant Thomas Bellut an: kein Anne-Frank-Film ohne Einbindung des Anne Frank Fonds. Der Fonds solle Einblick in die Drehbücher erhalten. Oliver Berben wollte sich da schon nicht mehr über das Projekt äußern; zu einem Treffen mit Yves Kugelmann, dem Stiftungsrat im Fonds, sei er Anfang Februar einfach nicht erschienen. Kugelmann sagt, mit Bellut habe er telefoniert, aber: „Bis heute haben wir keine Anträge oder Drehbücher vorgelegt erhalten“, und betont, wie wichtig im Authentizität bei einem Projekt sei. Dann spricht er von der „seltsamen Eigendynamik“, die das Ganze entwickelt habe.

          Noch am selben Tag lässt der Sender auf Nachfrage wissen: „Das ZDF, Constantin Film und Moovie – the art of entertainment haben beschlossen, dass die geplante Anne-Frank-Verfilmung unter den gegebenen Umständen für das Gedenkjahr 2015 nicht zu realisieren ist.“ Es gebe aber im ZDF-Programm alternative Fiction-Projekte zum Jahrestag.

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