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„Unsere Mütter, unsere Väter“ : Polnisches Gericht verurteilt ZDF zu Schadenersatz

  • Aktualisiert am

Friedhelm (Tom Schilling) in für „Unsere Mütter, unsere Väter“. Bild: David Slama

Das ZDF habe in der Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ ehemalige polnische Kämpfer gegen Nazi-Deutschland inkorrekt dargestellt, urteilte ein polnisches Gericht. Dies habe Auswirkungen auf die „Ehre und Würde“ der Kläger. Der Sender will sich wehren.

          Ein Gericht in Krakau hat am Freitag das Zweite Deutsche Fernsehen wegen seines Dreiteilers „Unsere Mütter, unsere Väter“ zu einem Schadenersatz und einer Entschuldigung an ehemalige polnische Kämpfer gegen Nazi-Deutschland verurteilt. Richter Kamil Grzesik erklärte zur Begründung, in der ZDF-Miniserie würden Soldaten der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa, AK) „nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit und inkorrekt dargestellt“.

          Der Richter erklärte, diese Falschdarstellung habe „direkte Auswirkungen“ auf die „Ehre und Würde“ des Klägers, des 94-jährigen AK-Veterans Zbigniew Radlowski. Dieser Überlebende eines Konzentrationslagers und Retter von Juden während des Holocausts hatte die Klage mit Unterstützung des Verbands der AK-Veteranen angestrengt.

          Die Armia Krajowa war während des Zweiten Weltkriegs die Armee der polnischen Exilregierung in London. In der ZDF-Serie werden AK-Soldaten als Antisemiten gezeichnet, was in Polen eine Welle der Entrüstung auslöste.

          „Der künstlerischen Freiheit nicht genug Beachtung geschenkt“

          Das Krakauer Gericht verurteilte das ZDF und die UFA-Produktionsfirma von „Unsere Mütter, unsere Väter“ dazu, Radlowski eine Geldbuße von umgerechnet 5000 Euro zu bezahlen und im polnischen sowie im deutschen Fernsehen eine Entschuldigung zu veröffentlichen.

          Das ZDF kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an. Es teilte der Nachrichtenagentur AFP sein Bedauern darüber mit, dass das Gericht „der künstlerischen Freiheit nicht genügend Beachtung geschenkt“ habe. Der Sender erinnerte daran, dass er bereits 2013 auf die Kritik an bestimmten Passagen reagiert habe.

          Damals hatte es geheißen, dass großer Wert „auf eine differenzierte Darstellung aller Figuren“ gelegt worden sei. Dies betreffe auch die Menschen, denen der flüchtige deutsche Jude Viktor in Polen begegne, etwa eine Polin, die ihn schützt, oder den Sohn eines polnischen Bauern, der die beiden vor der Entdeckung durch die Deutschen rettet.

          Der Dreiteiler handelt von fünf miteinander befreundeten jungen Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. Einer von ihnen, Viktor, entkommt seiner Deportation ins NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und schließt sich der Heimatarmee an.

          Die ZDF-Miniserie wurde 2014 mit dem Internationalen Emmy ausgezeichnet. Der Ableger des renommierten amerikanischen Fernsehpreises Emmy wird für TV-Produktionen außerhalb der Vereinigten Staaten vergeben. „Unsere Mütter, unsere Väter“ erhielt im selben Jahr auch die Goldene Kamera der Programmzeitschrift „Hörzu“.

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