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ZDF-Sitcom „Lerchenberg“ : Hilfe, ich bin ein Star, lasst mich hier rein!

Bald kehrt er tatsächlich aufs Traumschiff zurück: Sascha Hehn spielt sich in „Lerchenberg“ selbst Bild: Kilian Blees/ZDF

Das ZDF wird fünfzig und probiert mal was Neues: In der Sitcom „Lerchenberg“ nimmt sich der Sender selbst auf den Arm. Und zeigt, was ein Altstar wie Sascha Hehn kann, wenn man ihn lässt.

          Das ZDF macht sich zu seinem fünfzigsten Geburtstag selbst das größte Geschenk. Nicht mit der Jubiläumsshow, in der am Donnerstag und am Samstag alle aufmarschieren, die den Sender einst und heute repräsentieren, sondern mit einer kleinen, feinen Satire, die zuerst auf dem Spartenkanal ZDFneo und dann, in der Woche nach Ostern, im Spätprogramm versteckt wird: „Lerchenberg“ heißt das gute Stück, eine vierteilige Sitcom, unter strengster Geheimhaltung gedreht und mit dem maximalen Überraschungsmoment ausgestattet.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In „Lerchenberg“ sehen wir, wie es in diesem Sender zugehen könnte. Und wir sehen einen Fernsehstar der achtziger und neunziger Jahre, der sich selbst und die Branche auf die Schippe nimmt, als habe er nichts mehr zu verlieren. Dabei geht die Show für Sascha Hehn so richtig wieder los. Der Schlussgag des Vierteilers - man muss ihn leider verraten - ist inzwischen kein Witz mehr: Sascha Hehn, der Schwiegermutterliebling schlechthin, kehrt nämlich aufs „Traumschiff“ zurück, als Kapitän des ZDF-Unterhaltungsdampfers.

          Es ist ein Pointenfeuerwerk sondergleichen, nach einem Drehbuch von Felix Binder, Niels Holle, Vivien Hoppe, Maren Lüthje und Marc Seng, das der Koautor Binder auch mit dem richtigen Gespür für Tempo und Zwischentöne inszeniert. Binder hat die Geschichte im Verein mit dem Produzenten Florian Schneider entwickelt, und die Redakteurinnen Milena Bonse und Katharina Dufner haben sich getraut, das für das ZDF revolutionäre Programm entstehen zu lassen. So zeigt die Redaktion des Kleinen Fernsehspiels beziehungsweise deren „Quantum“-Werkstatt dem großen Sender, was eine Harke ist.

          Er versucht erst gar nicht, witzig zu sein

          Der Witz an der Sache ergibt sich daraus, dass die „Lerchenberg“-Macher nur ein wenig übertreiben müssen, um das real existierende Verblödungsfernsehen kenntlich zu machen. Dass das klappt, daran haben die beiden Hauptdarsteller großen Anteil: Sascha Hehn, der den abgehalfterten Altstar Sascha spielt, und Eva Löbau in der Rolle der Redakteurin Billie, der es von ihrer Vorgesetzten Dr. Wolter (Karin Giegerich) - die zu der nicht kleinen Gruppe von Frauen zählt, mit denen Sascha mal was hatte - aufgegeben ist, eine Rolle für den divenhaften Schauspieler zu finden - was, das ist, vom Problemstück über einen Autisten im Rollstuhl und den Actionkrimi bis zur Kochshow und zur Promi-Doku, egal.

          Es wird natürlich alles nix. Dafür sorgen Saschas Altlasten (er war sogar mit der Mutter des heutigen Abteilungsleiters in der Kiste), sein Unvermögen (er fackelt die Deko ab) oder die Ränke der lieben Kollegen, unter denen Billie mit Hingabe leidet. Wer den Film „Der Wald vor lauter Bäumen“ gesehen hat, in dem Eva Löbau eine existentiell verzweifelte Junglehrerin spielte, weiß, wie herzzerreißend sie die Gutmütige spielen kann. In diesem Fall macht sie das hinreißend komisch.

          Und Sascha Hehn? Versucht erst gar nicht, witzig zu sein, und ist es genau deshalb. Er spielt seinen Sascha, als sei es nichts und als habe er nicht, wie er während der Vorstellung des Films sagte, bei der Lektüre des Drehbuchs gedacht: „Die wollen mich verarschen, was soll das?“ Doch nicht er wird auf die Schippe genommen, sondern das Fernsehen selbst.

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