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ZDF-Moderator Claus Kleber : Der Fluch des Abtretens

Der ZDF-Moderator Claus Kleber Bild: ZDF

Wieder mal macht die Nachricht die Runde, ZDF-Moderator Claus Kleber trete ab. Obwohl längst bekannt, wird zusätzlich dramatisiert: Von einem Fluch, dem die Öffentlich-Rechtlichen unterliegen, ist die Rede.

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          Das Gedächtnis mancher Medien ist kurz. Wie kurz, zeigt die Aufregung, welche die Bild-Zeitung am Dienstag mit der Meldung verbreitete, Claus Kleber gebe Ende des Jahres die Moderation des „heute journals“ ab und gehe in Rente. „ZDF-Schock: Nachrichtensprecher Claus Kleber schmeißt beim ,heute-journal‘ hin“, machte RTL.de daraus und erging sich in Dramatik: „ZDF verliert sein Gesicht“, hieß es da. Es wirke „fast wie ein Fluch, dem die öffentlich-rechtlichen Sender momentan unterliegen“.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Gemeint war damit neben Klebers Pensionierung der Wechsel von Jan Hofer und Pinar Atalay zu – RTL, und von Linda Zervakis zu Pro Sieben. Dramatisch ist daran aber nichts. Die jüngeren Moderatorinnen sind von den Privatsendern schlicht abgeworben worden. Jan Hofer und Claus Kleber haben das Rentenalter erreicht – wie zuvor auch die „heute“-Moderatorin Petra Gerster, die sich vom Bildschirm verabschiedet hat. Dass Claus Kleber Ende des Jahres geht, ist nicht nur keine Sensation, es ist weniger als eine Meldung. Denn eigentlich wäre er schon früher weggewesen, wenn, wie die Deutsche Presse-Agentur Anfang September des vergangenen Jahres meldete, die stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Hauptredaktion Aktuelles, Bettina Schausten, ihn nicht um eine sechsmonatige Verlängerung seines Vertrags gebeten hätte.

          Kleber, sagte Bettina Schausten damals, habe auf ihre Bitte hin eingewilligt, „noch bis Ende nächsten Jahres zu bleiben“. Also bis Ende 2021. Jetzt teilt das ZDF zu der Personalie trocken mit: „Claus Kleber ist noch bis Ende des Jahres für das ,heute journal‘ im Einsatz. Eine weitere Verlängerung stand nicht zur Diskussion. Über seine Nachfolge wird zu gegebener Zeit informiert.“ Kleber wird Rückblicke auf sein Wirken zu gegebener Zeit bestimmt noch lesen können. Die Nachrichten im ZDF präsentiert er seit achtzehn Jahren, er war zunächst nicht nur Moderator, sondern auch Redaktionsleiter. 2007 stand er als möglicher „Spiegel“-Chefredakteur in der Diskussion.

          Danach handelte er beim ZDF einen Vertrag als freier Mitarbeiter aus mit einem Jahressalär von angeblich knapp einer halben Million Euro, was bei dem öffentlich-rechtlichen Sender nur noch von dem Vertrag mit dem Talkmaster Markus Lanz übertroffen wird, der sich dem Vernehmen nach auf einen siebenstelligen Jahresbetrag beläuft. Das können nicht einmal Privatsender mitbieten. Kleber selbst nahm die Pseudonachricht vom „ZDF-Schock“ auf Twitter mit Humor. Er postete einen Beitrag, in dem es hieß, das „heute journal“ moderiere er – „seit 2003 Jahren“. In einem zweiten Post setzte er handschriftlich ein „gefühlt“ vor die Zahl.

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