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ZDF löscht kritischen Artikel : Bitte recht zahm

  • -Aktualisiert am

Die Fans von Dynamo Dresden machen nicht nur durch leidenschaftliche Unterstützung, sondern auch immer wieder durch Randale von sich reden. Bild: dpa

Ein Sportjournalist veröffentlicht für das ZDF einen kritischen Artikel über die Fanszene von Dynamo Dresden. Kurze Zeit später entzieht ihm der Verein die Akkreditierung. Der Sender löscht den Text. Was sind die Gründe?

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          Wie kritisch, wie bissig darf Sportjournalismus sein? Ein Artikel, der sich vor einem Pokalspiel mit der problematischen Fanszene Dynamo Dresdens auseinandersetzte, sorgt für Streit. In dessen Mittelpunkt steht der freie Journalist Ullrich Kroemer aus Leipzig, der am 3. März eigentlich nach Dresden fahren wollte, um über die Partie gegen Borussia Dortmund zu berichten. Kurz davor erhielt er aber einen Anruf. Am Apparat war der Pressesprecher von Dynamo Dresden, der Kroemer mitteilte, er brauche die Reise nicht anzutreten. Der Verein habe ihm die Akkreditierung entzogen.

          Wie sich herausstellte, hatte Kroemers zuvor veröffentlichter Bericht den Zorn des Dynamo-Geschäftsführers Robert Schäfer auf sich gezogen, der dem Journalisten daraufhin kurzerhand die Arbeitserlaubnis strich. Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) bezeichnet das als einmaligen Vorgang. Im Artikel hatte Kroemer Dynamo Dresden als „Vulkan“ bezeichnet, der pro Saison zuverlässig zwei- bis dreimal ausbreche. Eine harte, aber nicht ganz ungerechtfertigte Zuschreibung, denn obwohl Dresdens Fangemeinde dafür bekannt ist, ihre Mannschaft stets leidenschaftlich anzufeuern, fällt sie auch immer wieder durch Ausschreitungen auf. Nach Kroemers Ansicht ist dafür auch die Vereinsführung verantwortlich, die nicht konsequent genug gegen Randalierer vorgehe.

          Kroemer erhält die Akkreditierung wieder zurück

          Eine Darstellung, die vor dem Risikospiel gegen Dortmund vielen offenbar zu brisant war. Denn nicht nur Dynamo Dresden zeigte Nerven, auch das ZDF, auf dessen Website Kroemers Bericht erschienen war, reagierte. Der zuständige Redaktionsleiter des Senders setzte Kroemer davon in Kenntnis, dass man seinen Artikel wieder aus dem Netz nehme, aus journalistischen Gründen. Dass Kroemer kurze Zeit später seine Akkreditierung für das Spiel gegen Dortmund von Dynamo Dresden zurückerhielt, macht in diesem Zusammenhang einen unglücklichen Eindruck.

          Dieter Gruschwitz, Sportchef des ZDF, verwahrt sich aber gegen Mutmaßungen: Eine Absprache zwischen Sender und Verein habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Zwar habe er von dem Geschäftsführer Schäfer eine E-Mail mit der Bitte um Rücksprache erhalten, die Entscheidung, den Bericht zu entfernen, sei aber unabhängig in der Redaktion erfolgt. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der Artikel redaktionelle Mängel aufweist, angesichts der sensiblen Thematik.“ Erst danach habe er mit Schäfer telefoniert und ihn gebeten, den Entzug von Kroemers Arbeitserlaubnis noch einmal zu überdenken.

          Im Ton vergriffen?

          Die Gründe für das Handeln des Senders liegen laut Gruschwitz woanders. Journalisten müssten bei gewissen Entwicklungen in der Gesellschaft, zu denen die zunehmende Gewaltbereitschaft unter Fußballfans gehöre, den richtigen Ton finden, und das habe Kroemers Artikel nicht getan. „Unsere Aufgabe ist nicht, eine aufgeheizte Situation durch Worte noch weiter anzuheizen, sondern sachlich und objektiv Missstände aufzudecken. Wir sind nicht dazu da, um durch Bilder oder Worte selbst Stimmung zu erzeugen.“

          Angesichts der sonst auch kritischen Haltung, die die Öffentlich-Rechtlichen gegenüber organisierten Fangruppen einnehmen, überrascht das Vorgehen. Kroemer selbst will sich nach einem klärenden Gespräch mit dem Sender nicht mehr zu dem Fall äußern. Sein Text, den man zumindest auf seinem privaten Blog nachlesen kann, geht jedenfalls kaum über das hinaus, was man von Kommentatoren und Moderatoren von ARD und ZDF nicht schon gehört hätte: Beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern im Fanblock werden die Übeltäter regelmäßig als „Chaoten“ bezeichnet oder mit noch schärferen Begriffen bedacht. Eine Löschung der publizierten Inhalte steht zwar jeder Redaktion frei - wirkt in diesem Fall aber wie eine Kurzschlussreaktion.

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