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ZDF-Krimi „Laim“ : Die Kinder reicher Eltern sind immer die Opfer

  • -Aktualisiert am

Vermisstensuche: Adina Vetter und Max Simonischek Bild: ZDF und Michael Marhoffer

Der Krimi „Laim und das Hasenherz“ führt alle Klischees vor, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Damit bietet sich der Montag als ZDF-freier Tag an.

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          Die Kinder der Mächtigen und Super­reichen haben es wahnsinnig schwer im Leben, so scheint es naturgesetzlich festgelegt im deutschen Fernsehfilm. Schwerer jedenfalls als der Nachwuchs aus fi­nanziell prekären Umständen, wo in der Elternschaft, meist als alleinerziehende Mütter auftretend, goldige Mentalitäten überproportional vertreten sind. Merke: Geld darf nicht glücklich machen. Dramaturgische Fallhöhe ergibt sich eben einfacher aus Kontrasten, und die nachdenkende Anstrengung, mit Sowohl-als-auch-Charakteren und moralischen Grau­tönen zurechtzukommen, nehmen vor allem die Fernsehkrimiprodukte Zu­schauern hierzulande gern ab.

          Auch die Ausgangssituation des fünften Krimis um das Enfant terrible der Münchner Mordkommission, Lukas Laim (Max Simonischek), ist Klischee pur. Kurz vor der Landtagswahl wird die Tochter des aussichtsreichen Ministerpräsidenten-Kandidaten Maximilian Kronberger (Thomas Loibl) entführt. Am selben Abend, an dem Kronberger bei einer Wahlkampf-Champagnersause seine reichen Unterstützer mit rechtspopulistischen Parolen bei Laune hält.

          Der Kandidat macht auf Populismus

          Der Spitzenkandidat der „Partei der Bayerischen Konservativen“ – Motto „Bay­ern hier und jetzt“ – wettert dabei gegen die Straffreiheit von Abtreibungen. Auch Lukas Laim, vampirblass unterm schwarzen Schopf, angetan mit „Matrix“-Gedächtnismantel, besucht das exklusive Event. Unfreiwillig, um aber pflichtschuldig eine Wahlkampfspende der kürzlich verstorbenen Mutter abzugeben. Die einzige Zuhörerin, die gleichermaßen wenig Lust auf Parolen hat wie Laim, ist Anna Jacobi (Marie Leuenberger), Schwangerschaftskonfliktberaterin. Von ihr wird Ermittler Laim, per Geburt Angehöriger der Münchner Oberschicht, per Überzeugung Rächer der Enterbten, später erfahren, was es mit dem Wegfall des Paragraphen 219a und dem Ablauf der Beratung auf sich hat. Einstweilen bezahlt er einer Prostituierten (Vanessa Eckhart) tausend Euro fürs ausgiebige Reden über seine komplizierte Mutter. Armes reiches Kind.

          Scheckübergabe, widerwillig: Thomas Loibl (links) und Max Simonischek.
          Scheckübergabe, widerwillig: Thomas Loibl (links) und Max Simonischek. : Bild: ZDF und Michael Marhoffer

          Während die Zeit drängt, die in „Laim und das Hasenherz“ fünf Tage rückwärts läuft bis zum ersten Krimifinale, dem noch ein zweiter offener Schluss folgt. Denn Karoline (Lilia Hermann), ein­ziges Kind Kronbergers und seiner Frau Barbara (Adina Vetter), ungewollt schwanger und heimlich zur Abtreibung entschlossen, wird auf einem verlassenen Bauernhof gefangen gehalten. Zu­sammen mit der Tochter des Nobelklientel-Schönheitschirurgen Hannes Baumann (Martin Brambach), die man alsbald als Leiche im Müllcontainer findet. Ihren Gefängnisplatz nimmt der Sohn von Alois Schwarz (Stefan Merki), In­haber einer florierenden Sicherheits­firma ein.

          Der Täter will Geständnisse. Was ge­schah vor 25 Jahren, und was verbindet die drei Männer? Als Laim und Kollege Anton Simhandl (Gerhard Wittmann) vom Chef (Heinz-Josef Braun) grünes Licht für weitere Ermittlungen bekommen, das obligatorische Che-Guevara-Bild und die Joints im Olym­piapark-Zimmer von Kronbergers Tochter beiseitegeräumt haben, vor allem aber, als sie herausfinden, dass das Mordmittel ein Präparat für Spätabtreibungen ist, bekommt der Fall ei­ne Wendung, die eigentümlich sein könnte. Geht es bei den Entführungen der drei Kinder um die Taten radikalisierter Ab­trei­bungsgegner? Soll Karoline gezwungen werden, ihre Schwangerschaft auszu­tragen?

          Dass das Drehbuch von Catharina Steiner und Scott Perlman und die Regie von Michael Schneider an Nuancen und Ei­genwilligkeiten doch nicht besonders in­teressiert sind, zeigt die Auflösung. Vor allem aber ist es für eine mögliche Tiefe der Geschichte schade – wie sie etwa Senta Berger als Eva Prohacek in der Reihe „Unter Verdacht“ in ähnlichem Ge­sell­schaftsambiente immer wieder er­reichte –, dass man auf die Rolle der Mütter der entführten reichen Kids weitgehend verzichtet. Zwei der drei Entführungsopfer sind mut­terlos. Der sehenswerten Adina Vetter als Frau des Poli­tikers Kronberger gehört nur eine Szene, sonst steht sie am Rand he­rum und schaut betreten. Wenn sie aber in der Pa­thologie erscheinen muss, spiegeln sich in ihrer Mimik und Gestik all die Zwiespältigkeiten und Konflikte von Politikergattinrolle und Mutterfigur (Kamera Andreas Zickgraf), die „Laim und das Ha­senherz“ ansonsten vermissen lässt.

          Laim und das Hasenherz läuft heute um 20.15 Uhr im ZDF.

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