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ZDF-Krimi „Im finsteren Tal“ : Es wird nicht schöner im Alter

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Szene aus dem Krimi „Im finsteren Tal“: Kann Jana Winter (Natalia Wörner) dem österreichischen Kollegen Franz Robanegg (Cornelius Obonya) vertrauen? Bild: ZDF und Marco Nagel

Hier herrscht der Patriarch: Der ZDF-Film „Im finsteren Tal“ ist ein Montagskrimi mit „Metoo“-Anklang. Als psychologische Studie hätte der Stoff bestens funktioniert – zum Krimi taugt er weniger.

          In einer Ortschaft zwischen den Bergen, die um einen brodelnden Wasserfall aus dem Boden gewachsen ist, steht das ehrwürdige Luxushotel Kroll. Es ist eines der wenigen mit fünf Sternen in der Region. Markantes Treppenhaus, geräumiges Schwimmbad, familiengeführt. Seniorchef Peter (Klaus Pohl), ein sich betont geschmackvoll gebender Herr, hat ein freundliches Gesicht für die Gäste und ein strenges für die Belegschaft. Sohn Georg (Manuel Rubey) soll die Geschäfte bald übernehmen.

          Noch aber herrscht Peter – auch über die Frauen. Er tritt auf, als einer jener Machtmenschen, von denen die „Metoo“-Bewegung seit anderthalb Jahren erzählt. Der Burgschauspieler Klaus Pohl verkörpert ihn so, dass man das sofort erkennt: süffisant lächelnd, süffisant drohend. Auf seinen Einfluss in der Branche verweisend, bestellt er eine Mitarbeiterin zum abendlichen Bad in den Pool. Sie dürfte kaum die Erste sein, der das widerfährt. Er ist es gewohnt, dass ihm nichts von dem, was er tut, zum Verhängnis wird.

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          Beim und vom Fernsehen ist man vor allem hierzulande daran gewöhnt, alles und jeden im Krimi-Format zu verpacken. Und zwar so, dass es bald mehr Verpackung als Inhalt gibt. Die Geschichte um den Hotelpatriarchen, die Drehbuchautor André Georgi nach einer Vorlage von Gwendolyn Bellmann und Marianne Wendt schrieb, hätte für sich stehen können. Sie hätte zu einer Studie der Macht werden können, die Männer wie Peter Kroll über Frauen ausüben dürfen, ungehindert und ungestraft von der Umgebung, die sie schützt, und der Opfer, die sie in die Verzweiflung treiben.

          Hätte, hätte, Krimi-Kette: „Im finsteren Tal“, ein Film der Reihe „Unter anderen Umständen“, die seit 2006 von den Abenteuern der norddeutschen Kriminalkommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) und ihres Vorgesetzten Arne Brauner (Martin Brambach) erzählt, läuft anders. Nämlich so: Kommissar Arne Brauner sitzt in Österreich auf einem Baumstumpf, und es geht ihm nicht gut. Er säuft wie ein Loch, lässt sich fernab der norddeutschen Dienststelle zum Geburtstag vollaufen, der Entzug ist dahin. Neben ihm lallt seine Bekanntschaft Doris (Nicole Beutler). Dann wankt der Ärmste von deren Almhütte zum Hotel zurück – jodelnd, denn die Verärgerung darüber, dass er als Chef abgesetzt worden ist, muss noch einmal auf jene Weise heraus, die ein Gebirgsmassiv versteht. Hat etwa Jana Winter seinen Job? Das Ganze deutete sich im letzten Fall, „Das Geheimnis der Schwestern“, ja bereits an. Der Jodler ist kaum heraus, da saust vom Felsen oberhalb des Jodelnden eine Unbekannte ins Wasser und mit den reißenden Fluten des Flusses auf und davon. Brauner ist zu betankt, um es richtig zu sehen. Außerdem knallen plötzlich Schüsse, die ihm verletzend nahe kommen.

          Die Frauenleiche wird bald gefunden, die Alkoholleiche auch, und Jana Winter kann das eine mit dem anderen verbinden, als sie vom Ortspolizisten in Bad Gastein vorsichtshalber – „Übernehmen jetzt wieder die Deutschen hier?“ – nach Österreich gerufen wird. Stellt sich heraus: Die Leiche ist nicht einfach eine verunfallte Wandersfrau. Sie dürfte vom selben Täter ermordet worden zu sein, der mit seinem Jagdgewehr auch auf Brauner anlegte. Was auch folgende von Brauner angestrengte Überlegung klärt: „Vielleicht haben die mich für’n Hirsch gehalten. Man wird nicht schöner im Alter.“ Die Mördersuche führt Winter, Brauner und Dorfpolizist Franz Robanegg (Cornelius Obonya) ins Hotel Kroll. Dort kam die Frau vor ihrem Tod unter.

          All das ist – unter der Regie von Judith Kennel, die für eher hochwertige Inszenierungen steht – soweit sehr solide gestrickt: Klaus Pohl holt aus seiner Rolle als widerwärtiger Despot heraus, was zu holen ist. Christiane von Poelnitz als seine Tochter Feli, ebenfalls vom Wiener Burgtheater, auch. Die Kamera von Nicolay Gutscher und das musikalische Getöse von Sven Rosenbach und Florian von Volxem verleihen den Szenen eben jenen bedrohlichen Ton, der sich schon im Titel ankündigt. Die Ähnlichkeit zum Titel des Alpenwesterns „Das finstere Tal“ hat offenbar keinen gestört. Doch da die Vorlage sowie die Reihe recht starke Figuren bietet, hätte man sich als Zuschauer ausnahmsweise gewünscht, der Krimi-Anteil wäre auf ein Minimum reduziert. Das hätte mehr Raum geschaffen, sich dem Leben und Fühlen der eigentlichen Figuren zu widmen, die trotz starker Schauspielleistung dadurch etwas durchscheinend wirken.

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