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Interview mit Thomas Bellut : Glaubwürdigkeit und Relevanz sind wichtiger denn je

„Wir machen die Geschäftsmodelle der Verlage nicht kaputt“: ZDF-Intendant Thomas Bellut verfolgt eine sorgsam austarierte Programmpolitik. Bild: Marcus Kaufhold

ARD und ZDF sollen effizienter werden, sagen die Bundesländer. Den Chef des Zweiten schreckt das nicht. Wie sieht er sein Haus für die Zukunft gerüstet?

          7 Min.

          Herr Bellut, in diesem Monat hat Ihre zweite Amtszeit als Intendant des ZDF begonnen. Sie sind bis Herbst 2022 gewählt worden. Wie sieht Ihr „Regierungsprogramm“ für die nächsten fünf Jahre aus?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es schreibt das fort, was meine ersten fünf Jahre bestimmt hat. Ganz vorn steht das Programm. Es soll weiter gut und erfolgreich sein. Gut – das heißt, es soll gerade auch angesichts der Debatten über die Rolle der Medien allen Qualitätsstandards gerecht werden. Es soll aber auch beim Publikum ankommen. Die zweite Aufgabe besteht darin, das ZDF noch effektiver zu machen. Ich habe vom ersten Tag an die Umstrukturierung des Unternehmens und einen markanten Personalabbau in den Blick genommen. Wir haben mittlerweile etwa 450 Stellen abgebaut. Die Zielmarke liegt bei 560, wir werden sie bis 2020 erfüllen.

          Welchen Personalbestand haben Sie dann?

          Im Vergleich zu 2010 werden es in drei Jahren etwa zehn Prozent weniger sein. In ein paar Tagen, zum 1. April, lösen wir die Direktion „Europäische Satellitenprogramme“ auf. Sie wird in andere Bereiche des Hauses integriert. Die für 3sat produzierenden Redaktionen werden in Plattform-Redaktionen des ZDF zusammengeführt. Gleichzeitig konzentrieren wir unsere TV-Studios im Sendezentrum in Mainz. Das wird weitere Einsparungen bringen.

          Sie haben vor dem Fernsehrat eine Selbstverpflichtungserklärung abgegeben, unter den Begriffen „Akzeptanz, Relevanz und Glaubwürdigkeit“. Damit hätte man zur ZDF-Gründung antreten können.

          Ist das so? Ich glaube, gerade in diesen Zeiten sind Glaubwürdigkeit und Relevanz wichtiger als jemals zuvor. Wir gehen auf eine Bundestagswahl zu, wir beobachten politische Vorgänge in Europa, den Vereinigten Staaten oder der Türkei, die direkt und massiv auf Deutschland einwirken. Für Journalisten ist das eine reizvolle Aufgabe, aber auch eine sehr große Herausforderung – etwa, wenn es darum geht, mit einem Thema wie Fake News umzugehen.

          Das Stichwort Fake News ruft jeder auf, um irgendetwas zu begründen. Es ist das Lieblingswort von Donald Trump.

          Ich bin auch vorsichtig mit diesem Begriff. Fake News sind vornehmlich plumpe Versuche, politische Propaganda mit Unwahrheiten zu lancieren. Wichtig ist, das zu erkennen und zu entlarven. Darüber hinaus müssen aber auch alltägliche Unkorrektheiten entdeckt, Informationen hinterfragt werden. Das ist eine ganzheitliche redaktionelle Aufgabe. Wir haben eine Fakten-Check-Unit eingerichtet, die im Zusammenhang mit Wahlkampfthemen generell Behauptungen hinterfragen wird. Etwa generalisierende Aussagen wie: „Wir haben eine ungerechte Gesellschaft“ oder: „Die sozialen Unterschiede wachsen“. Stimmt das, oder stimmt es nicht? Woran machen sich solche Aussagen fest? Das zu überprüfen ist unsere Aufgabe. Ich beteilige mich nicht am Internet- oder Facebook-Bashing. Ich sehe uns nicht als „Polizei“ oder „Wächter“ für andere. Wir schauen auf uns selbst und stellen sicher, dass unsere Informationen und Nachrichten stimmen.

          Ein Vorwurf an etablierte Medien lautet, Dinge zu ignorieren. Vor zwei Jahren, bei den Silvesterübergriffen in Köln, hat sich Ihr stellvertretender Chefredakteur Elmar Theveßen dazu bekannt, dass das Thema in den Nachrichten zu spät kam.

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