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Schreiben an Ungarns Botschaft : ZDF-Intendant Bellut weist Kritik an Merkel-Film zurück

Heike Reichenwallner als Bundeskanzlerin Bild: ZDF und Hans-Joachim Pfeiffer

Ungarns Botschafter Péter Györkös hatte sich in einem offenen Brief über angebliche Verzerrungen im ZDF-Dokudrama „Stunden der Entscheidung - Angela Merkel und die Flüchtlinge“ beschwert. Nun antwortet der Senderchef.

          In einem offenen Brief hat der ungarische Botschafter in Deutschland, Péter Györkös, in der vergangenen Woche seine Kritik an dem Film „Stunden der Entscheidung – Angela Merkel und die Flüchtlinge“ formuliert, den das ZDF zum Jahrestag der Ereignisse im Programm hatte, die heute mit den Begriffen „Marsch der Hoffnung“ und „Grenzöffnung“ verbunden sind und als ein prägendes Datum der Kanzlerschaft Angela Merkels aufgefasst werden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In dem Dokudrama erkennt Györkös mit Blick auf die Haltung der ungarischen Regierung „ethische und moralische Normen verletzende Passagen und Andeutungen“ und vermisst zeitliche und politische Zusammenhänge, ohne die man den im Film genährten „Mythos vom Budapester Ostbahnhof“, an dem die Flüchtlingskrise an besagtem Tag begonnen habe, nicht aufrechterhalten könne. Nicht zuletzt der Bamf-Tweet habe der „Zuwanderung eine neue Dynamik“ verliehen.

          Darüber und über einiges mehr würde er mit dem Intendanten des ZDF, Thomas Bellut, und dem Chefredakteur Peter Frey, gerne einmal sprechen, schrieb der Botschafter und forderte die Senderverantwortlichen zum Tanz auf.

          Die Antwort auf seine Kritik blieb ZDF-Intendant Bellut nicht lange schuldig. In einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, bedauert Bellut, dass Györkös die „Elemente“ des Films, die angeblich „Objektivität und Tatsachen haben missen lassen“, nicht genau benennt. Die Programmentscheider des ZDF und die Filmemacher, so Bellut, seien „davon überzeugt, dass das Dokudrama auf der Basis gründlicher Recherchen, ausführlicher Gespräche und Hintergrundinformationen sowie persönlicher Berichte sehr profunde Einblicke in die Geschehnisse vom 4. September 2015 gibt“.

          Was der Botschafter als vermeintliche Fehlstellen benenne – die Einschätzung des Bundesinnenministeriums von Mitte August 2015, dass bis Ende des Jahres womöglich 800 000 Flüchtlinge nach Deutschland kämen, und der Tweet des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vom 25. August, man wende die Dublin-Regeln für Flüchtlinge aus Syrien „faktisch“ nicht mehr an –, werde im Film thematisiert.

          Der damalige Innenminister Thomas de Maizière erwähne dies (als „Fehler“) in einem Interviewausschnitt. Zudem werde de Maizière in einer eingespielten Sequenz mit der damaligen Einschätzung, es kämen „bis zu 800 000 Flüchtlinge“, zitiert. So habe der Film, schreibt Bellut, gezeigt, „wie sich die Flüchtlingsfrage schon vor dem 4. September zuspitzte und die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland erheblich zunahm, wie Bilder vom Leiden und Sterben vieler Flüchtlinge um die Welt gingen und wie sich Europa uneinig erwies in der Frage einer gerechten Verteilung“.

          Bleibt die Antwort nicht schuldig: ZDF-Intendant Thomas Bellut

          Auf den „March of Hope“ habe man sich konzentriert, als der „Zäsur, die zur Entscheidung der Bundeskanzlerin führte, die deutschen Grenzen für die Flüchtlinge offen zu halten. Das aber hatte, so die damalige Einschätzung der Bundesregierung, mit der zugespitzten Lage der Flüchtlinge in Ungarn zu tun und mit der Aussage des ungarischen Ministerpräsidenten, der etwa am 3. September 2015 auf einer Pressekonferenz in Brüssel von einem ,German problem‘ sprach.“

          Dem Produzenten des Films, Walid Nakschbandi, und dem Mitautor Marc Brost sei es „trotz zahlreicher Anfragen bei staatlichen ungarischen Stellen bis hin zu Ministerpräsident Viktor Orbán selbst“ bei der Vorbereitung des Films nicht gelungen, „einen offiziellen Gesprächspartner für die Sendung zu gewinnen“. Dies habe man sehr bedauert.

          Gelegenheit, unterschiedliche Standpunkte zur Sprache zu bringen, wie sie der ungarische Botschafter in seinem offenen Brief fordert, hätte es, folgen wir dem ZDF-Intendanten Thomas Bellut, offenbar gegeben. Vor der Ausstrahlung des Dokudramas.

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