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„Unter anderen Umständen“ : Sollen sie den Dänen den Fall überlassen?

  • -Aktualisiert am

Machen Sie mal eine typische Handbewegung: Natalia Wörner und Martin Brambach in „Unter anderen Umständen“. Bild: ZDF und Manju Sawhney

Der Fund der Leiche einer jungen Frau am Strand wird in „Unter anderen Umständen“ zum Politikum. Sind die Dänen oder die Deutschen zuständig? Der Vater ermittelt auf eigene Faust.

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          Fürs Protokoll sei gesagt: Vater hatte vor den Gefahren gewarnt – zwei Mädchen, kaum erwachsen, allein mit Rucksack und Rad unterwegs. Aber gut, Nele (Laetitia Adrian) und Jennifer (Bianca Nawrath), zwei Neunzehnjährige, die eher jünger als älter ausschauten, wollten nach dem Abitur eben in Richtung Norden. Skandinavien soll im Sommer sehr schön sein. Und Nele und Jennifer sind Nachbarskinder, seit Jahren befreundet und vernünftig. Vermutlich hat sich Simon Wagner (Roeland Wiesnekker), Neles Vater, mit dem Gedanken zu beruhigen versucht, nur vom Fernsehen verrückt gemacht worden zu sein, dass andauernd Mädchen verschwinden.

          Dann wird Neles Leiche gefunden. Nackt liegt ihr Körper in einem Moor an der deutsch-dänischen Grenze. Als Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) mit Kollegin Alwa Sörensen (Lisa Werlinder) die Nachricht vom Tod der Tochter überbringt, signalisiert das Gesicht des Vaters: Er wird den Täter schon finden, wenn die Polizei es nicht kann.

          Die deutsche Polizei indes darf in „Lügen und Geheimnisse“, dem siebzehnten Fall von Jana Winter, der im Titel ebenso vor Kreativität sprüht wie in der Handlung, nur mit angezogener Bremse ermitteln. Noch im Moor beanspruchen die Dänen den Fall für sich: „Danke, dass ihr gekommen seid, aber die Leiche liegt ja auf dänischer Seite, da muss ich jetzt ran.“

          Überall sexualisierte Schönheitsideale

          Das verkompliziert die Ermittlungen des deutschen Teams, hält es aber nicht von Recherchen ab. Das Thema des Films, das bereits in einer vorgelagerten Sequenz angedeutet wurde – Nele zeigt einem Freund am Strand aufreizende Handybilder von sich selbst, macht ein Selfie und lockt ihn ins Gebüsch –, führt eine Szene aus Winters Privatleben ein: Winter junior verlangt mehr Taschengeld, um sich neben dem Fitnessstudio auch noch die Eiweiß-Drinks zum Muskelaufbau leisten können. Überall sexualisierte Schönheitsideale, stöhnt das Drehbuch von Natalie Tielcke und Johannes Rotter, der sich schon im Kölner „Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade“ an der Generation Z abzuarbeiten versuchte.

          Und bald wird klar: Nele täuschte den Skandinavien-Trip nur vor, um sich in aller Heimlichkeit unter das Messer eines Schönheitschirurgen legen zu können – finanziert über nacktes Geräkel vor der Webcam, die der einstige Zuhälter Maik Leinemann (Timo Jacobs) jungen Frauen zur Verfügung stellt. Jeder, sagt Leinemann, vom Opa bis zum Schuljungen, klickt solche Filmchen: „Generation Porno, mit Aufklärungsunterricht brauchste denen nicht kommen.“

          Kommissar Brauner (Martin Brambach), der arme Tölpel vom Dienst, klickt natürlich auch. Verdächtig scheinen nach der fast beiläufigen Enthüllung aus Zuschauersicht mindestens drei Gestalten zu sein. Jede von ihnen strotzt in der hastigen Zeichnung der Drehbuchautoren nur so vor Klischees: Nummer eins ist der Web-Unternehmer, der sich dank der „Cam Kittens“ eine kleine Yacht und einen großen Sportwagen zu leisten vermag. Nummer zwei ist ein Mediziner, der sich als Wohltäter fühlt und ebenfalls nicht am Hungertuch nagt. Der Dritte ist ein finsterer Jäger, der mit Flinte im Moor unterwegs ist wie ein nordischer Serienkiller.

          Eine ziemlich verschlafene Veranstaltung

          Die Frage lautet bloß: Will man bis zur Auflösung warten? „Lügen und Geheimnisse“ ist trotz der bewährten Regie von Judith Kennel eine ziemlich verschlafene Veranstaltung, die nicht einmal aus den kurzen Begegnungen Winters mit der dänischen Kommissarin Liv Bodilsen (Mille Maria Dalsgaard) Energie ziehen kann.

          Sie scheint nicht Teil des Serienumbaus zu sein, der mit der Beförderung Winters, der Verlagerung des Schauplatzes nach Flensburg und der Einführung Sörensens begann. Aber wer weiß. Kontaktperson auf dänischer Seite war in früheren Fällen („Das Versprechen“, „Liebesrausch“) ein Mann.

          Noch am interessantesten ist, was sich bei Neles Eltern und ihrem Nachbarn, Jennifers Vater Werner Petersen (Stephan Kampwirth), abspielt. Doch selbst das läuft in erwartbaren Bahnen, obwohl es ein Bär wie Roeland Wiesnekker ist, der Neles verzweifelten Vater mimt und irgendwann zum Fingerzeig auf sein gebrochenes Herz Dinge sagt wie: „Ich scheiß auf euren Rechtsstaat. Meiner ist hier drin.“ In zwei Wochen ist Wiesnekker, gleiche Stelle, gleiche Welle, aber wieder als Kommissar Brühl zu sehen – auf der Suche nach einem verschwundenen Neunzehnjährigen.

          Unter anderen Umständen – Lügen und Geheimnisse läuft am Montag, 23. November, um 20.15 Uhr im ZDF.

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