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ZDF-Film „Die Frau hinter der Wand“ : Albtraum im Altraum

Duschen haben spätestens seit „Psycho“ einen bedrohlichen Charme: Regisseur Grzegorz Muskala ließ sich von Alfred Hitchcock doppelt inspirieren. Bild: ZDF/ Phillip Kaminiak

Grusel wie bei Hitchcock: „Die Frau hinter der Wand“ beginnt wie eine lustige WG-Komödie, wird dann aber zu einem erstklassigen Thriller - mit einer Femme fatale, wie man sie im deutschen Fernsehen selten sieht.

          Stellen Sie sich vor, Sie schauen sich eine Wohnung an. Das Inventar vom Vormieter ist noch darin, klapprige Möbel und schimmliges Obst. Sie nehmen die Wohnung trotzdem, weil es keine andere gibt. Als Sie das erste Mal im versifften Bad duschen, drückt rostrotes Wasser aus dem Abfluss hoch. Sie arrangieren sich auch damit. Einigen Kram packen Sie in Tüten, den alten Zahnputzbecher mit der Aufschrift „Robert“ lassen Sie stehen.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Das könnte eine WG-Komödie werden, ist aber in Wirklichkeit ein Thriller, wie auch der Erstsemesterstudent Martin bald merkt, der hier einzieht. Vincent Redetzki spielt ihn als fast noch kindlich naiv hinter großen Brillengläsern, aber doch auf unheimliche Weise bereit für Erfahrungen aller Art. Und die kommen knüppeldick: Ein seltsamer Hausmeister (Ronald Nitschke) nennt ihn gleich „mein Liebchen“ und will ihn im Unterhemd fotografieren; die leicht abgetakelte Vermieterin (Almut Zilcher), in deren Schnapsflasche eine Spieluhr eingebaut ist, warnt den Buben vor dem Bösen im Hause. Das lauert dann sehr hinterhältig in der „Frau hinter der Wand“, die dem Film seinen Titel gibt - und eine solche Femme fatale gab es länger nicht mehr im deutschen Fernsehen.

          Langfilmdebüt mit Hitchcock-Inspiration

          Katharina Heyer mimt eine Künstlerin namens Simone, eine leichtbekleidete Borderline-Persönlichkeit, die den unbedarften Martin verführt und zu verschlingen droht, gleichzeitig aber auch geschickt ihren gewalttätigen Freund (Florian Panzner) gegen ihn ausspielt.

          Während Martin sie durch Löcher in der Wand belauscht, die wohl sein Vorgänger gebohrt und daraufhin Notizbücher mit derben Zeichnungen gefüllt hat, steigt die Spannung in dem schlüssig inszenierten Genrefilm - auch angesichts der Frage, was mit diesem Robert eigentlich passiert ist.

          Das Böse lauert hinter der Wand: Katharina Heyer spielt die leichtbekleidete Femme fatale Simone, die es auf den kindlich-naiven Martin abgesehen hat.

          Grzegorz Muskala, Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, verarbeitet in seinem Langfilmdebüt zwei Hitchcock-Elemente: das „Fenster zum Hof“, durch das Martin in der Wohnung gegenüber seinen Rivalen beobachtet, und die Duschszene aus „Psycho“, die hier abgewandelt wird. Dazu kommen Anleihen bei Francis Ford Coppolas Abhör-Thriller „Der Dialog“, und die Kammer in diesem Spiel wirkt so bedrohlich wie bei David Lynch.

          Die Summe aus alldem aber entwickelt ihre ganz eigene Ästhetik. Sie schält aus einer deutschen Altbauwohnung die dunkelsten Träume - unterlegt mit Musik von Portishead. Der Film läuft nach Mitternacht im „Kleinen Fernsehspiel“. Nicht zum ersten Mal gibt das Anlass zu der Überlegung, was im Vergleich dazu im „großen Hauptprogramm“ läuft.

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