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Produktion „Unterleuten“ : Vom ZDF, fürs ZDF

Große Besetzung: „Unterleuten - Das zerrissene Dorf“ beschäftigt viele. Bild: ZDF und [F] Mathias Bothor / [M]

Der Dreiteiler „Unterleuten“ ist fürs ZDF ein großes Ding. Der „Produzentenverband e.V.“ aber wundert sich und stellt kritische Fragen. Denn der Produzent des Stücks war früher selbst beim ZDF. Wie kann das sein?

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          Der Dreiteiler „Unterleuten“ ist eines der Paradestücke, mit denen das ZDF-Programm in diesem Jahr aufwartet. Der Roman von Juli Zeh ist wie gemacht für großes Fernsehkino, entsprechend begehrt waren die Verfilmungsrechte. Gesichert hat sie sich das ZDF. Und da beginnt die Geschichte hinter der Geschichte, über die in der ganzen Branche gemunkelt wird und zu welcher der Produzentenverband e.V. nun zur Ausstrahlung ein paar Fragen aufwirft.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Produziert worden ist „Unterleuten“ nämlich von der Firma Network Movie, einer hundertprozentigen Tochter von ZDF Enterprises, der Vermarktungsgesellschaft des ZDF und geführt von dem Produzenten Reinhold Elschot. Nun war Elschot bis zum Herbst 2017 Leiter der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie I. Die Produktion von „Unterleuten“ begann im Juli 2018, doch schon zuvor mussten selbstverständlich die Rechte erworben und die Vorbereitungen getroffen worden sein.

          Dies führe zu dem Schluss, dass Elschot, wie der Produzentenverband in einer dieser Zeitung vorliegenden Stellungnahme schreibt, als er noch beim ZDF war, „mit dem Erwerb des Projektes für das ZDF beschäftigt gewesen sein muss“. Das möge „rechtlich darstellbar“ sein, sei „moralisch jedoch fragwürdig“ und führe zu einer Wettbewerbsverzerrung, die der Überprüfung durch Aufsichtsgremien bedürfe.

          Zum Drehstart von „Unterleuten“ habe es geheißen, dass Reinhold Elschot der Branche „als freier Produzent erhalten bleibt“. Freies Produzieren jedoch, sagt der Geschäftsführer des Produzentenverbands, Erwin M. Schmidt“, heiße, „Risiko zu übernehmen! Die Polsterung eines Produktionsunternehmens durch Gesellschafteranteile öffentlich-rechtlich finanzierter Teilhaber“ sei „nicht zu vergleichen mit dem Risiko von freien, im Wettbewerb stehenden Produzent*innen. Durch Intransparenz wie im Fall von ,Unterleuten‘ wird der Markt verzerrt und ein Ungleichgewicht geschaffen, das dem medialen Ökosystem in Deutschland schadet.“

          Die öffentlich-rechtlichen Sender fordert der Produzentenverband auf, zeitgemäße Compliance-Regeln zu schaffen. Dazu müsse eine Karenzzeit von mindestes zwölf Monaten gehören, wenn jemand vom Sender – insbesondere als Programmverantwortlicher – in die Produktion wechsle. An mit den Sendern verbundene Produktionsunternehmen sollten keine Aufträge ohne öffentliche Ausschreibung vergeben werden. In verantwortlichen Stellen bei den Sendern solle es „transparente Rotationsprinzipien und zeitliche Begrenzung von Stellen“ geben. „Gerade in Zeiten, in denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk von bestimmten politischen Akteuren angegriffen und von Teilen der Bevölkerung infrage gestellt wird, sind Transparenz und zeitgemäße Compliance Regeln die Gebote der Stunde“, sagte der Geschäftsführer des Produzentenverband e.V., Erwin M. Schmidt.

          Sein Verband vertritt nach eigenen Angaben mehr als hundert unabhängige Film- und Fernsehproduzenten. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF verfügten derweil Ende 2015, wie die Gebührenkommission Kef in ihrem vorletzten Bericht aufführte, über Beteiligungen an 192 Gesellschaften, darunter zahlreiche Produktionsfirmen. Die Produktionsfirma Network Movie wurde 1998 von Reinhold Elschot gegründet. Sie arbeitet an zwei Standorten (in Köln und Hamburg) und ist eine hundertprozentige Tochterfirma der ZDF Enterprises. Die ZDF Enterprises wiederum ist als GmbH organisiert, gehört mit Sitz in Mainz zu hundert Prozent dem ZDF und ist für Produktion, Koproduktion, Vertrieb und Verwertung von ZDF-Programmen zuständig. Der Produzent Elschot ging 2009 zum ZDF, wo er bis zum Herbst 2017 als Hauptredaktionschef, zuständig für fiktionale Produktionen, wirkte.

          Das ZDF teilte am Freitag auf eine Anfrage dieser Zeitung zu den Umständen der Auftragsvergabe mit, man habe „die Stoffrechte an ,Unterleuten‘ erworben und entschieden, aus dem Roman einen Mehrteiler als besonderes ,Eventprogramm‘ zu produzieren.“ Mit der Produktion sei Network Movie beauftragt worden, „da wir aus langjähriger Zusammenarbeit wissen, dass Network Movie in der Lage ist, hochwertige fiktionale Programme herzustellen. Die Entscheidung für das Projekt und für die Firma Network Movie ist im Rahmen unserer ordentlichen Geschäftsprozesse gefallen und abgewickelt worden. Dabei war von Anfang an geplant, bei dem angesprochenen Projekt auf die langjährige Erfahrung von Reinhold Elschot zurückzugreifen.“

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