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ZDF-Doku „Endlich Prinzessin“ : Mehr Kitsch geht nicht

  • -Aktualisiert am

Adels-Neuzugänge: Das ZDF begleitet Kate Middleton und Charlene Wittstock Bild: dpa

Das ZDF hat „Ein Jahr mit Kate und Charlene“ verbracht. Die Reportage, die dabei herauskam, ist flaches Royaltainment zwischen London und Monaco.

          Schon der Titel der Dokumentation lässt zweifeln: „Endlich Prinzessin“. Zum Glück sind es nur 43 Minuten, die wir mit „Ein Jahr mit Kate und Charlene“ verbringen müssen. Die eine, Kate Middleton, ist die Ehefrau des britischen Thronfolgers und ihres Zeichens Herzogin von Cambridge, die andere, Charlene Wittstock, Profi-Schwimmerin aus Südafrika und seit ihrer Heirat mit Albert II. Fürstin von Monaco.

          Beide sind bekanntermaßen bürgerlicher Herkunft. Wer aber nun eine soziologisch hintergründige Einfühlung in die Gemüter der gewordenen Hoheiten, gar eine Reportage ihrer ersten Gehversuche in der Prinzessinnenschule erwartet, wird enttäuscht: Der Film von Ulrike Grunewald und Annette Tewes bietet flaches Royaltainment, das auf jeglichen Blick hinter die Fassaden verzichtet.

          Der Eheverweigerer und das Wildpferd

          Statt der Beschriebenen selbst kommen „Society-Experten“ wie die „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel zu Wort. Kate Middleton tritt höchstens als „Kate, die Makellose“ in Erscheinung, für welche der Besuch teurer Privatschulen und der Eliteuni St Andrews den „Anfang einer großen Karriere“ markierte. Riekel bedeutet uns dazu: „Ich glaube nicht, dass es von Anfang an so eine richtig heiße Liebe war, sondern sie waren richtig gute Kumpels.“ Auf solche Expertisen hat die Welt gewartet.

          Hinzu gesellt sich Fürst Albert von Monaco, der „leidenschaftliche Eheverweigerer“, dem es zwar nicht an unehelichen Kindern, dafüt aber an einem legitimen Thronfolger mangelte, bis er das „Wildpferd“ Charlene Wittstock kennenlernte, das 2007 „der besseren Trainingsbedingungen wegen“ ans Mittelmeer zog und optisch der verstorbenen Fürstinmutter Grace Kelly immer ähnlicher wurde. Die VIP-Fachfrau Dagmar Schumacher weiß: „Sie haben viele gemeinsame Interessen, sie ergänzen sich, sind sehr gute Freunde und haben denselben Humor.“ Na dann?

          Die Welt hält den Atem an

          Kate erhält derweil von William als Verlobungsring ein prächtig funkelndes Erbstück Lady Dianas, Schwester Pippa stiehlt mit ihrem weißen Kleid in der Westminster Abbey „Team Windsor“ die Show, Kate gewinnt „ihren Traumprinzen“, selbiger „wirkt an diesem Tag glücklich wie nie zuvor“ und vergisst, auf der gesamten Heimfahrt in Charles’ altem Aston Martin die Handbremse zu lösen.

          Monaco, das Fürstentum „mit dem Glamour-Faktor Hollywoods“, lässt sich indes bei seiner „Märchenhochzeit“ angesichts „neidischer Störfeuer“ (Gerüchte über Seitensprünge und noch mehr uneheliche Kinder) von Franziska van Almsick beschwichtigen: „Ich glaub, ich hab noch nie so ne ruhige Braut gesehn.“ Und als Charlene in der Kapelle von Sainte-Dévote in Tränen ausbricht, „hält die Welt für einen Moment den Atem an“. „Ein bisschen Kitsch gehört dazu“, muss irgendwann selbst Sprecher Gunter Schoß zugeben. Diese Formulierung ist hier freilich ganz hartes Understatement.

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