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ZDF : Angst vor dem Chefredakteur

  • -Aktualisiert am

Bald Mitarbeiter des ZDF? Joschka Fischer Bild: REUTERS

Ärger im ZDF wegen Joschka Fischer: Der Autor eines Fischer-Porträts wirft dem ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender vor, seinen Film entschärft zu haben. Fischer ist derweil als Gast eines „Außenpolitischen Quartetts“ im ZDF im Gespräch.

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          Das ZDF scheint im Moment keine glückliche Hand zu haben mit Joschka Fischer. Zum sechzigsten Geburtstag des früheren Außenministers hätte der Sender gern ein schönes, dokumentarisches Porträt gezeigt. Stattdessen hat er nun Ärger mit den Autoren, die ihm dieses Porträt machen sollten. Ein Autor ist empört darüber, dass sein Film nicht gezeigt wurde, der andere, wie er gezeigt wurde.

          Ursprünglich hatte die Redaktion Zeitgeschichte, die von Guido Knopp geleitet wird und in der das Projekt angebunden war, den Auftrag an den preisgekrönten Autor Ivan Fila vergeben, der daraufhin monatelang recherchiert und Interviews führte. Doch der auf neunzig Minuten angelegte Film, den er im Begriff war zu machen und der sich vor allem auf die Zeit konzentrierte, die Fischer in der Frankfurter Sponti-Zeit aktiv war, gefiel der Redakion nicht. Sie entzog Ivan Fila das Projekt und begründete dies damit, dass es „handwerklich unzureichend“ gewesen sei. So zumindest hieß es in einer Stellungnahme, die der Sender im Internet abgab, nachdem diese Zeitung am 25. März 2008 über den Film berichtete, der nicht zustandkommen durfte.

          Film ohne Linie

          In dieser Stellungnahme, die nach einem Einspruch von Ivan Fila inzwischen aus dem Internet wieder gelöscht wurde, verwies das ZDF auf den Film, der stattdessen im Programm lief. Die Redaktion Zeitgeschichte hatte das Projekt wie auch das Material an Hubert Seipel weitergegeben, der ebenfalls ein preisgekrönter Autor ist. Seltsamerweise hatte der Film, der unter seinem Namen gesendet wurde, aber gar keine Linie, er wirkte schnell und einigermaßen lieblos zusammengeschnitten. Die Kritiken für das Porträt waren fast einhellig schlecht, die Quote mäßig. Wenn man zu einer Biographie, wie Fischer sie hat, nur solch ein Porträt zustande bringt, warum macht man dann überhaupt eins, fragte man sich.

          Im „Spiegel“ findet sich nun wenigstens für die Qualität des Films eine Erklärung. Offenbar hatte sich ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender persönlich um die Dokumentation gekümmert. Einige Formulierungen darin fand er „unangemessen“ und „kalauernd“ und entschied, dass sie von zwei Teilen zu je fünfundvierzig Minuten auf einen Teil heruntergekürzt werden solle. Nach dieser Entscheidung hatte es Seipel mit Redakteuren zu tun, die allesamt von der „Angst vor dem Chefredakteur“ geprägt seien. So zumindest heißt es in dem Brief, den er Brender schrieb und in dem er dessen „Intervention“ als „nahe am Rand dessen“, was „landläufig Zensur genannt wird“, bewertet. Brender antwortete ihm daraufhin, auch ein guter Autor greife mal daneben. „Diese Tatsache ist Ihrem Brief an mich ebenso zu entnehmen wie der Fassung Ihres Filmtextes“.

          Offen blieb nun noch, weshalb eine Redaktion wie die der Zeitgeschichte keinen Film über Joschka Fischer zusammen bringen kann, der ihren Maßstäben genügt. Auch das scheint nun geklärt. Nach Angaben von Brender will das ZDF in Zukunft mit Fischer ein bis zwei Mal im Jahr ein „Außenpolitisches Quartett“ senden. Vielleicht klappt es ja in diesem Anlauf.

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