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Zahlreiche Entlassungen : Schwarzer Freitag für die „Frankfurter Rundschau“

Die „Frankfurter Rundschau” vom 1. April 2011 Bild: dpa

Die „Frankfurter Rundschau“ muss zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Der überregionale Teil des Blattes kommt künftig komplett aus Berlin. In zwei Jahren soll das Blatt schwarze Zahlen schreiben. Doch gibt es die „Rundschau“ dann überhaupt noch?

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          An diesem Freitagmorgen um 11 Uhr erfuhr es die Belegschaft der „Frankfurter Rundschau“ vom Vorstand des Verlags DuMont Schauberg aus erster Hand: Der überregionale Teil der Zeitung wird von Sommer an komplett in Berlin erstellt: Politik, Wirtschaft, Feuilleton und Sport. Die dortige Zentralredaktion, die bei der zum Verlag gehörenden „Berliner Zeitung“ sitzt, wird um zwanzig Köpfe aufgestockt. Dafür kommt es für die Frankfurter knüppeldick: Es werden achtundachtzig betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Letzten Endes sollen durch Umstrukturierungen von 190 redaktionellen Arbeitsplätzen in Frankfurt vierundvierzig Stellen wegfallen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das ist der nächste harte Schnitt, welcher der Zeitung von ihren Gesellschaftern zugemutet wird - dem Verlag DuMont Schauberg, der fünfzig Prozent und eine Stimme hält, der SPD-Medienholdung DDVG, die vierzig Prozent hat und der Karl-Gerold-Stiftung, die zehn Prozent besitzt. Vor fünf Jahren war DuMont bei der „Rundschau“ eingestiegen, in der Hoffnung, dass sich die Verluste, die das Blatt schon seit Jahren machte, ins Gegenteil verkehren ließen.

          Dazu wurde die „Rundschau“ mit den anderen Regionalzeitungen der Gruppe zusammengespannt - der „Berliner Zeitung“, dem „Kölner Stadtanzeiger“ und der „Mitteldeutschen Zeitung“. Eine zentrale Redaktionsgemeinschaft mit Sitz in Berlin wurde eingerichtet, seither stammen rund sechzig bis 65 Prozent der überregionalen Stücke der „Frankfurter Rundschau“ aus Berlin. Von diesem Sommer an werden es hundert Prozent sein, original ist an der „Frankfurter Rundschau“ dann nur noch der Lokalteil. Neben der Lokalredaktion sitzt am Main noch die rund zwanzig Mann starke Redaktion, die sich um die Interauftritte und digitalen Angebote der DuMont-Zeitungen fürs iPad kümmert.

          Einen eigenen Chefredakteur hat die „Rundschau“ künftig auch nicht mehr. Angeführt werden die zentralen Redaktionen der „Rundschau“ und der „Berliner Zeitung“ in Berlin von drei Chefredakteuren: Uwe Vorkötter, Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, fungiert als primus inter pares, Brigitte Fehrle leitet weiterhin die Redaktionsgemeinschaft, Rouven Schellenberger betreut als Chefredakteur die digitalen Ausspielungen der Blätter. Joachim Frank, bislang mit Schellenberger Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, wird Chefkorrespondent.

          19 Millionen Euro Minus im vergangenen Jahr

          Es ist der letzte Versuch der „Rundschau“-Gesellschafter das Blatt als eigenständigen Titel zu erhalten. Im Jahr 2009 hatte die „Rundschau“ einen Verlust von 24,5 Millionen Euro zu verzeichnen, im vergangenen Jahr sollen es neunzehn Millionen gewesen sein. Ginge es weiter wie bisher, heißt es aus DuMont-Kreisen, bliebe es immer noch bei einem Minus von rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Diesen Geschäftsverlauf will der Verlag in den kommenden anderthalb Jahren umkehren. 2013 soll die „Rundschau“ leisten, was zum letzten Mal vor mehr als einem Jahrzehnt gelang: schwarze Zahlen schreiben. Es ist die letzte Galgenfrist für das linksliberale Blatt, das zuletzt eine verkaufte Auflage von knapp 130 000 Exemplaren hatte.

          Der Verleger Alfred Neven DuMont gibt sich sicher, dass man auf dem richtigen Weg sei. „Das, was die ,Frankfurter Rundschau' in Ton und Meinung auszeichnet, bleibt auch unter diesen Bedingungen erhalten,“ schreibt er in einem Artikel, in dem er den Lesern der „Rundschau“ die radikalen Schnitte erläutert. „Anders ist die Existenz der Zeitung nicht zu sichern“, es gehe darum, die Zeitung auf „eine solidere wirtschaftliche Basis zu stellen“ und sie in ihrer Qualität am Leben zu erhalten.

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