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Youtuber fragen die Kanzlerin : Ein Smiley, vielleicht ein Herz dazu

Eine Viertelstunde für jeden musste reichen: In einem Nebenraum verfolgen Zuschauer das Gespräch von ItsColeslaw, bürgerlich Lisa Sophie, mit der Bundeskanzlerin. Bild: dpa

Immerhin kennt man jetzt Merkels liebstes Emoji: Die Resonanz war bescheiden, die Interviews der vier Youtuber mit der Bundeskanzlerin aber waren vielleicht sogar besser als Vergleichbares im Fernsehen.

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          Fünfundfünfzigtausend Zuschauer, das ist eigentlich weniger als nichts. Und wenn man dann noch einmal – geschätzt – fünftausend Journalisten im ganzen Land abzieht, die sich das aus beruflichen Gründen angesehen haben, hatte die Interviewrunde, die Angela Merkel an diesem Mittwochnachmittag mit vier Youtubern geführt hat, ein denkbar überschaubares Publikum. Erst recht, wenn man bedenkt, welcher Bohei um „#Deine Wahl. Youtuber fragen“ gemacht wurde.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Google hatte den Livestream sogar auf seiner deutschen Startseite. Da führte eigentlich kein Weg dran vorbei. Und man möchte nicht sagen, es habe sich nicht gelohnt, den vier Fragenden im Gespräch mit der Bundeskanzlerin zuzusehen. Lisa Sophie, Ischtar Isik, Alexander Böhm und Mirko Drotschmann, die bei Youtube unter dem eigenen Namen oder als ItsColeslaw, AlexiBexi und MrWissen2Go ein Millionenpublikum erreichen, haben ihre Sache auch nicht schlechter gemacht als professionelle Vorbilder auf den großen Fernsehkanälen. Im Gegenteil, sie waren vielleicht sogar besser, weil unverstellt, allerdings auch ziemlich gehetzt, weil jeder von ihnen nur eine Viertelstunde mit der Bundeskanzlerin hatte, die eine solche Tour genauso unaufgeregt hinter sich bringt wie das Interview, das sie am vergangenen Montag dem Deutschlandfunk und Phoenix gegeben hat.

          Konfrontiert wurde sie mit Fragestellungen, die ihr Herausforderer Martin Schulz von der SPD zurzeit vergebens kritisch zuzuspitzen sucht: In Deutschland gehe es „ungerecht“ zu, die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich immer mehr, es werde zu wenig für junge Leute, für Frauen, für die „Ehe für alle“, Bildung, Schulen, die Digitalisierung, die Elektromobilität und für Innovation im Allgemeinen getan. Die Stimme der Jungen werde nicht gehört, Menschen in Pflegeberufen verdienten zu wenig, die Industrie habe zu viel Einfluss, dem türkischen Präsidenten trete die Bundesregierung nicht hart genug entgegen. Mit Blick auf die Flüchtlingskrise hätten die Menschen Ängste, auch vor einer Islamisierung, hieß es, und, ob wir uns mit Blick auf Nord-Korea vor einem dritten Weltkrieg fürchten müssten. Müssen wir nicht, sagte Angela Merkel und parierte sämtliche Fragen mit Hinweisen darauf, worum sich die Bundesregierung kümmere (um fast alles), und dass sie sich nicht um alles kümmern kann, sondern man auch selbst etwas tun muss (ein nicht nur in dieser Fragerunde eher unpopulärer Gedanke, es herrscht die Erwartung, Vater Staat und Mutter Merkel hätten es zu richten).

          Berlin : Merkel bei Youtube: „Smiley ist Lieblings-Emoji“

          Kurzum: Sie schilderte die Verhältnisse in der Bundesrepublik ganz nach dem Motto, mit dem die Union Wahlkampf macht: „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben.“ Nebenbei verriet Angela Merkel, was ihr Lieblings-Emoji ist (der Smiley, eventuell ergänzt um ein Herzchen); auf ein T-Shirt würde sie eine Welle drucken (als Symbol für ihren Wahlkreis), und mit wenig Schlaf kommt sie auch aus. Sonst noch was? Ihre vier Fragesteller waren, wie sie in der Nachbesprechung auf Youtube bekundeten, ganz zufrieden, einer fragte sich, warum es so etwas nicht im Fernsehen gebe. Gibt es doch, dürfen wir anfügen – mit viel mehr Aufwand, Millionen Zuschauern, aber nicht mehr Ertrag. Am 3. September zum Beispiel gibt es das bei ARD, RTL, Sat.1 und ZDF, mit Angela Merkel und Martin Schulz. Es nennt sich „Fernsehduell“.

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