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Youtube-Videos : Prank oder krank?

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Alles nur ein Scherz: Diese Hand stammt vom mexikanischen Süßwarenhersteller Zombie Gourmet und soll wie Gummibärchen schmecken. Bild: Reuters

Das Internet ist voller Videos, für die jemand vor laufenden Kameras reingelegt wurde. Viele davon beweisen mehr Niedertracht als Humor – und gegen eines läuft sogar die Youtube-Gemeinde Sturm.

          Ich habe, zugegeben, schon Probleme mit Versteckte-Kamera-Sendungen im Fernsehen. Nichts gegen Schadenfreude, nichts gegen das gemeine Lachen über Leute, die sich auf spektakuläre Art weh tun, aber bei vielen Streichen vor der Kamera erscheint mir das Zusehen fast so schmerzhaft wie das Verladenwerden.

          Doch die Youtube-Variante verhält sich zu Guido Cantz’ Samstagabendshow wie eine Kettensäge zu einer Pinzette. Es geht um Pranks, und wer das niedlich mit „Streich“ übersetzt, hat noch keinen gesehen. Ein junger Engländer, Sam Pepper, hat das aktuell wohl meistgesehene Prank-Video gemacht: Zwei Kumpel bleiben scheinbar mit dem Auto liegen. Sie steigen aus und werden entführt. Einer von beiden ist eingeweiht, der andere wird mit Gewalt in den Kofferraum verfrachtet und an einen Ort hoch über der Stadt gebracht. Als ihm die Augenbinde abgenommen wird, sieht er, wie ein Mann seinen Kumpel, der vermummt neben ihm kniet, mit einer Pistole bedroht und ihm schließlich scheinbar in den Kopf schießt. Er fällt zu Boden, sein Freund schreit und heult und wütet – auch dann noch, als der vermeintlich erschossene Kumpel schon aufgestanden ist und ihn geschüttelt hat: Haha, war nur ein Spaß!

          Knapp acht Millionen Menschen haben sich den „Killing Best Friend Prank“ angesehen; nicht alle waren amüsiert. Einer der beliebtesten Nutzerkommentare unter dem Video lautet: „How about a Kill Yourself Prank (Gone Wrong)“. 200.000 Menschen haben eine Petition gezeichnet, die Youtube auffordert, Sam Peppers Kanal zu schließen. Das Video verstoße gegen die Gemeinschaftsrichtlinien des Unternehmens (was Youtube bestreitet) und sei besonders widerlich, weil es reale Hinrichtungssituationen nachahme: „Sam Pepper muss gestoppt werden. Dies ist nicht sein erstes Vergehen, und es wird nicht sein letztes sein, wenn wir ihn nicht aufhalten.“ Pepper hatte vor einem Jahr schon einmal eine Protestwelle ausgelöst, als er zeigte, wie er Frauen sexuell belästigte - was er hinterher als soziales Experiment zu erklären versuchte.

          Jackson Harries, ein erfolgreicher britischer Youtuber, twitterte an Pepper: „Ich glaube, ich spreche für die Mehrheit des Internets, wenn ich sage: Geh weg. Du bist hier nicht willkommen.“ Schöner Gedanke, nur: Wer weiß, ob das stimmt. Die „Washington Post“ zitierte kürzlich Zahlen, wonach es zweieinhalb Millionen Prank-Videos auf Youtube geben soll. Und eines der meistgesehenen ist das, wie ein junger Vater seine Frau glauben macht, dass sie Zeuge wird, wie er in einem tödlichen Unfall ihr gemeinsames Kleinkind aus dem ersten Stock wirft.

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