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Youtube-Star „Dagi Bee“ : Dagi und wie sie die Welt sieht

  • -Aktualisiert am

Später musste die Feuerwehr sie vor ihren Fans schützen: Dagi Bee vor ein paar Tagen auf den Videodays in Köln. Bild: Screenshot/Youtube

Sie ist neunzehn, gibt vor der Kamera Tipps, wie man sich schminkt, und macht Werbung. Bei Youtube ist sie ein Star, mit fast einer Million Abonnenten. Doch was ist an „Dagi Bee“ so interessant?

          Wie ein Star sieht Dagi Bee nicht aus. Eher wie das Mädchen von nebenan, in das alle Jungs in der Schule verknallt sind. Sie ist klein, hat blond gefärbte Haare und blaue Augen, ist immer gut gelaunt und lächelt ein bezauberndes Fotolächeln. Eigentlich heißt sie Dagmara, ist neunzehn Jahre alt und wohnt in Düsseldorf. Vor der Kamera heißt sie Dagi Bee und ist ein Youtube-Star.

          „Hi, ihr Lieben, ich bin’s wieder, eure Dagi“, begrüßt sie ihre Zuschauer auf ihrem Kanal. In ihren Videos sieht man sie zumeist vor einer Wand sitzen, die mit Modewerbung tapeziert ist. Die Anzeigen sind aus Zeitschriften ausgeschnitten und zeigen Models in den üblichen Räkelposen. Logos von Luxusmarken prangen auf den Bildern, dazwischen hängt ein Traumfänger-Mobile. Vor dieser Kulisse zeigt Dagi ihre Beauty-Tutorials, in denen sie zum Beispiel vorführt, wie man sich für bestimmte Anlässe schminkt. Sie fachsimpelt über Concealer, Lippenpflege und Lidstrich und hält das Produkt, das sie gerade verwendet, in die Kamera. Im Hintergrund läuft leise Elektromusik. Das Ganze erinnert an Teleshopping, nur amateurhafter und ohne Hotline. Während Dagi Schicht um Schicht aufträgt, sagt sie Sätze wie: „Ich bin echt gar kein Schminkprofi.“ Was eine grobe Untertreibung ist. Das Ergebnis sieht meistens ziemlich professionell aus.

          Seit knapp zwei Jahren betreibt Dagi ihr Videoblog auf Youtube. Jede Woche lädt sie neue Videos hoch. Nicht nur mit Beautytipps, sie spricht auch über die „Probleme jedes Mädchens“, verrät Privates über die Beziehung zu ihrem Freund Timo, der den Youtube-Kanal LionTV betreibt. Manchmal spielen die beiden gemeinsam mit anderen Youtubern alberne Sketche und Spiele, sogenannte „Challenges“, die bei den Zuschauern besonders gut ankommen. Für ein erwachsenes Publikum sind die Videos nicht bestimmt. Dafür treffen sie genau den Geschmack der Zwölf- bis Siebzehnjährigen.

          „Youtuber“ wird zur Berufsbezeichnung

          Ihren Tagesabläufen und Sehgewohnheiten entspricht Youtube viel besser als das klassische Fernsehen - mit Inhalten, die jederzeit abrufbar und Helden, die kaum älter als ihre Zuschauer sind. Es sind Amateure, die locker vor der heimischen Kamera plappern. Sie heißen „Die Aussenseiter“, „Ape Crime“, „Die Lochis“, „Simon Desue“, „Taddl“ oder „Alberto“. Sie sind weder hochtalentiert, noch sehen sie extrem gut aus, der breiten Öffentlichkeit sind sie unbekannt. Unter Jugendlichen aber sind sie der Hit.

          Dagis Youtube-Kanal zählt 950.000 Abonnenten, jeden Tag werden es ein paar tausend mehr. Ihre beliebtesten Beiträge wurden knapp zwei Millionen Mal geklickt. Sie hat eine Million Facebook-Fans und 150.000 Follower auf Twitter. Wenn Dagi ein neues Video auf Twitter ankündigt, stehen ihre Hashtags noch stundenlang in den deutschlandweiten Trends - nicht selten direkt neben den aufwendig beworbenen Formaten großer Fernsehsender. Nur wenige Stars der deutschen Youtuber-Szene sind noch beliebter. Die Comedy-Truppe „Y-Titty“ kommt auf 2,9 Millionen Abonnenten, der Videospiel-Guru „Gronkh“ auf mehr als drei Millionen. Zum Vergleich: Der offizielle Youtube-Kanal der ARD verzeichnet 150.000 Abonnenten, der des FC Bayern München etwas mehr als 200.000.

          Seit 2007 beteiligt Google, zu dem Youtube gehört, Videoblogger an den Werbeerlösen der Plattform, und „Youtuber“ wurde zur ernstzunehmenden Berufsbezeichnung. Nach Angaben des Konzerns verdienen heute weltweit mehr als eine Million Menschen Geld mit ihren Youtube-Kanälen. Der Erfolgreichste unter ihnen, der Schwede Felix Kjellberg alias „Pewdiepie“, soll im vergangenen Jahr rund vier Millionen Dollar eingenommen haben. Der Umsatz hängt von mehreren Faktoren ab, den Klickzahlen, den eingeblendeten Werbeclips, und wird von einem Algorithmus berechnet. Ansonsten weiß man wenig über die Einnahmen der Youtuber, auch deshalb, weil Google seinen Vertragspartnern vorschreibt, sie nicht öffentlich zu machen.

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