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Youtube-Star „Dagi Bee“ : Dagi und wie sie die Welt sieht

  • -Aktualisiert am

Die Generation „Internet“

„Es gibt Leute, die sagen, man kriegt einen Cent pro zehn Klicks. Dann wäre ich schon längst Multimillionär und hätte ein Haus auf den Bahamas“, sagt Dagi Bee. Jetzt sitzt sie hinter einem Kölner Messestand. Um sie herum warten Hunderte von Fans auf Autogramme und Selfies mit ihrem Star. Eigentlich ist der Zeitpunkt also denkbar schlecht für ein Interview. Trotzdem nimmt sich Dagi fast eine halbe Stunde Zeit und antwortet entspannt und freundlich auf alle Fragen, von denen manche im Kreischkonzert („Daaaagiii!“) der mehrheitlich weiblichen Fanhorden untergehen. Hier merkt man: Sie ist wirklich ein Star.

Nach dem Abitur hat sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau angefangen. Seit einem Jahr ist sie hauptberufliche Youtuberin und kann gut davon leben, wie sie sagt. Mehr Geld als mit Klicks dürfte sie mittlerweile durch Werbeverträge und Sponsoren verdienen. Dagi Bee wirbt zum Beispiel für einen Online-Versandhandel. Also erzählt sie ständig, wo sie ihre Klamotten und Beauty-Produkte kauft. Ihre Zuschauer stört das nicht. Sie wollen dabei sein, wenn Dagi Einkaufstüten auspackt und das Erstandene in die Kamera hält. Immerhin sei das, versichert Dagi, eine ehrliche Kaufempfehlung und keine Schleichwerbung. Sie will diesen Job noch eine ganze Weile machen. „Wir stecken mit Youtube noch in den Kinderschuhen. Das geht jetzt erst richtig los“, sagt sie.

Tatsächlich haben sich die Youtuber erstaunlich schnell professionalisiert. Wie viele ihrer Kollegen ist Dagi Bee in einem Multi-Channel-Netzwerk organisiert. Solche Netzwerke unterstützen ihre Mitglieder gegen eine Gewinnbeteiligung bei der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit, stellen Studios für die Videoproduktion bereit und bieten Rechtsbeistand. Die Netzwerkpartner drehen gemeinsam Videos und werben füreinander. Die nötige Medienkompetenz zur erfolgreichen Selbstvermarktung bringen die jungen Youtuber alle selbst mit. Sie gehören einer Generation an, deren Leitmedium das Internet ist. Und sie haben es längst verstanden, die Synergien zwischen den unterschiedlichen sozialen Netzwerken zu nutzen und ihre Youtube-Kanäle auch auf Facebook, Twitter und Instagram zu promoten. Das schafft eine besonders enge Bindung zum Publikum.

Personenkult bei den Videodays

Dagi Bee steht in ständigem Kontakt mit ihren Fans, ruft diese auch mal an und macht daraus wiederum Videos. Im Abspann jedes Clips bittet sie um Feedback. Ihre Zuschauer antworten mit Tausenden Bewertungen und Fragen, von denen Dagi im nächsten Video einige beantwortet. Sie bindet ihr Publikum ein. Das macht den Reiz des Mediums aus. Der Youtube-Star erscheint als Typ von Nebenan, mit dem man jederzeit in Kontakt treten kann. „Ich bin keine Schauspielerin, sondern eine ganz normale Person, die sich vor die Kamera setzt und sich mit der Community unterhält“, sagt Dagi Bee. Authentisch zu sein sei das Allerwichtigste. „Meine Fans mögen das einfach, wenn ich ich selbst bin. Und sie merken, wenn sie mich treffen, dass ich genauso bin wie in den Videos.“ Aber welcher „ganz normale“ Mensch sagt schon solche Sätze?

Für ihre Fans ist sie jedenfalls weit mehr. „Ich bin froh, dass ich deine Videos in Youtube gesehen habe, sonst hätte ich jetzt nicht so ein geiles Vorbild, wie du es bist“, ist unter einem ihrer Videos in der Kommentarspalte zu lesen. Oder: „Dagi, du bist die coolste Youtuberin der Welt“, und immer wieder: „Ich liebe dich!“

Wie groß der Personenkult um Dagi Bee gerade unter jungen Mädchen ist, konnte man jüngst bei den Videodays in Köln beobachten. Auf der Messe treffen sich die beliebtesten deutschen Youtuber mit ihren Fans. 15 000 Besucher kamen dieses Jahr. Auch Dagi Bee war dort. Doch aus ihrer geplanten Autogrammstunde wurde nichts. Die Feuerwehr hatte sie kurzfristig untersagt. Der Andrang war zu groß. Es drohte eine Massenpanik. Und der eigentlich so ganz normale Star musste unter tumultuarischen Umständen vor kreischenden Fans in Sicherheit gebracht werden.

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