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Youtube-Fernsehkanal gestartet : Am Schrei sollt ihr das Neue erkennen

  • -Aktualisiert am

Barfuß an der Comedy-Front: Die Truppe von „Ponk“ gibt sich beim ersten Auftritt kämpferisch. Sparta lässt grüßen Bild: Mediakraft

Youtube finanziert professionell gestaltete Videofilme. Der erste Kanal heißt „Ponk“ und will die Comedy revolutionieren. In ganz kleinen Schnitten, versteht sich.

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          Die Welt ein Stück besser machen, Comedy revolutionieren und, verdammt noch mal, lustig sein: all das will „Ponk“. Aus der „dunklen Comedy-Wüste“, in der sich Atze Schröder, Cindy aus Marzahn und Mario Barth tummeln, will man die Menschen befreien, sie aus der alten Fernsehwelt ins Reich der neuen Medien holen. Ob „Ponk“ tatsächlich einen Comedy-Aufstand anzettelt, wird noch zu beweisen sein, Teil einer kleinen Revolution ist es aber in jedem Fall: „Ponk“ gehört zu den ersten Youtube-Fernsehkanälen in Deutschland.

          Zwölf Themenkanäle startet die Videoplattform Youtube, deren Inhalte die Google-Tochter selbst finanziert. Um Autos und Fahrzeuge, Comedy und Unterhaltung sowie Gesundheit und Sport wird es gehen. In den Vereinigten Staaten hat Youtube damit schon vor einem Jahr begonnen, nun wird in Frankreich, Großbritannien und Deutschland produziert. Finanzieren sollen sich die Kanäle durch kurze Werbeclips. Man wolle damit aber nicht in direkte Konkurrenz zum traditionellen Fernsehen treten, sondern es ergänzen, sagte der Youtube-Manager Robert Kyncl.

          Begeisterung in der Fangemeinde

          Mit „Ponk“ ist am Montag der erste dieser zwölf „Originalkanäle“ angelaufen. An Kyncls Worte denkt man dort indes eher nicht: In der ersten Folge wird ein Röhrenfernsehgerät im Stile des Films „300“ von einer Klippe getreten - begleitet von dem Schrei: „Das ist nicht witzig!“ Nicht einmal drei Minuten dauert das Video, das ein Konzept höchstens erahnen lässt. Fünf Protagonisten gibt es, die gemeinsam eine Comedy-WG bewohnen. Alle fünf zählten schon vor „Ponk“ zur Youtube-Prominenz und haben dank ihrer eigenen Kanäle eine große Fangemeinde. Auch der „Mentor“, den sie im Pilotfilm suchen und finden, ist hinreichend bekannt: Philipp Laude betreibt mit zwei Freunden einen der größten Youtube-Kanäle in Deutschland. „Y-Titty“ zählt 750000 Abonnenten und insgesamt über 244 Millionen Videoaufrufe.

          Youtube ist daher auf die Macher von „Y-Titty“ und anderen Kanälen zugegangen, die sich dann unter Laudes Leitung zusammenschlossen. In der Fangemeinde ist die Begeisterung groß, wenige Stunden nach der Veröffentlichung des ersten Videos ist die Zahl der Abonnenten von „Ponk“ auf beinahe 100.000 gestiegen.

          Die jüngere Generation als Zielgruppe

          „Ponk“ soll an fünf Wochentagen Videos liefern, jeden Tag mit einem anderen Format: montags mit der Sketchshow „BigPonk“, dienstags hinter den Kulissen mit „Real Ponk“, an Donnerstagen mit der Impro-Comedy „Street Ponk“, samstags mit der Community-Sendung „You Ponk“. Für den Mittwoch hat man offenbar noch keine rechte Idee, sondern fragt nach den Einfällen der Fans. Die Interaktion mit der Community wird, ganz „Social Media“, natürlich eine wichtige Rolle spielen.

          Es zeichnet sich ab, dass „Ponk“ vom Stil von „Y-Titty“ geprägt sein wird. Dort orientieren sich Laude und seine beiden Mitstreiter Matthias Roll und Oguz Yilmaz in ihren kurzen Videoclips in der Tat nicht an der deutschen Comedy-Szene, sondern eher an amerikanischen Komödianten wie Seth MacFarlane („Family Guy“): mal platt und deftig, mal klug und hintersinnig, oft originell, ziemlich aufgedreht und mit vielen Ausrufezeichen. Wenn das nicht ausreicht, wird - wie in der Pilotfolge von „Ponk“ - einfach Roberto Blanco ins Bild geschubst.

          Das begeistert freilich nicht immer, sondern wirkt oft bemüht und hier und da unbeholfen. Als Zielgruppe ist denn auch die jüngere Generation angepeilt. Die Youtube-Gemeinschaft insgesamt ist tendenziell eher jung wie die Kanalbetreiber selbst. Viele der Zuschauer gehen noch zur Schule. Aber gerade in dieser Altersgruppe ist man von der Zukunftsfähigkeit des Formats überzeugt. In einem Kommentar auf der „Ponk“-Seite heißt es: „Irgendwann kann ich dann meinen Kindern sagen: ,Ich habe den Anfang miterlebt!‘“

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