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Letzte Folge von „Bella Block“ : Zum Finale kann es nur um Gut gegen Böse gehen

  • -Aktualisiert am

Letzter Anruf: Hannelore Hoger löst als Bella Block noch einen Fall. Bild: ZDF/Hardy Brackmann

Noch einmal setzt sie alles auf eine Karte: Das ZDF bereitet Hannelore Hoger in der Rolle der „Bella Block“ einen würdigen Abschied.

          Im Dezember 1993 sendet Arte einen Kriminalfilm mit einer einzigartigen Kommissarin. Außer Lena Odenthal gibt es zu diesem Zeitpunkt keine nennenswerte leitende Polizistinnengestalt im deutschen Fernsehen. Geplant ist „Bella Block – Die Kommissarin“ als Einzelstück. Max Färberböck (Buch und Regie) inszeniert die Hauptfigur nach der Romanvorlage von Doris Gercke, die Kamera führt Kay Gauditz. Hans Janke ist Chef der Hauptredaktion Fernsehspiel, der betreuende Redakteur heißt Reinhold Elschot. Katharina Trebitsch leitet die zuständige Produktionsfirma Objektiv-Film. Die Hauptrolle spielt Hannelore Hoger.

          Eine Kommissarin, nicht mehr jung, nicht uneitel, eigensinnig bis exzentrisch, die sich gerade von den Feierlichkeiten ihres fünfundzwanzigjährigen Dienstjubiläums in der Ferienwohnung einer befreundeten Familie auf dem Land erholt, als der Bauer Amok läuft. Sie tastet sich zum inneren Kreis der Dorfgeheimnisse vor. Bella Block ist eine eigensinnige Frau. Sarkastisch, unbestechlich, aufrecht und mit einem Gespür für die Opfer, welches ein ganz undamenhaftes Faible für Rauchen, Trinken, Fluchen und pampige Antworten einschließt. Es wird das erste Mal sein, dass sie mit ihrer Dienstwaffe einen Menschen in Notwehr erschießt. Fünfundzwanzig Jahre später, in ihrem letzten Fall „Am Abgrund“, greift sie abermals zur Waffe. Aus einem Gastspiel sind achtunddreißig Auftritte geworden, ganz unterschiedliche, je nach Handschrift der Beteiligten. Für Kontinuität im Wandel sorgten mit großer Sorgfalt auch die Produzenten Jutta Lieck, Joachim Kosack und Pit Rampelt.

          Es war nicht leicht an der Seite dieser Einzelgängerin

          Das fünfzigste Dienstjubiläum und ein Vierteljahrhundert, in dem sich das fiktionale Fernsehen verändert hat: Statisch erschien die Reihe nie, man blieb immer neugierig auf neue Folgen. Bella Block ermittelte, auch als früh ausgeschiedene Pensionärin, meistens in Hamburg, aber auch in Berlin oder Brandenburg, in Irland oder in Schweden (mit Rolf Lassgard). Ihr Lebenspartner für lange Jahre, Simon Abendroth (Rudolf Kowalski) war Literaturprofessor, später nahm Carlos (Peter Simonischek) vorübergehend seinen Platz ein. Es war nicht leicht an der Seite dieser Einzelgängerin. Wie auch? Beruflich ging es bei „Bella Block“ nie bloß um Tätersuche, sondern um Korruption, Altersarmut, Kinderhandel oder Resozialisierung. „Mit ihr ließ sich in Abgründe blicken, solange sie nur in der Nähe war“, schreibt Reinhold Elschot und Hans Janke bescheinigt ihr etwas Seltenes gleich im doppelten Wortsinn: „Format“.

          Dieses Mal sind wehmütige Nachrufe berechtigt. Es gilt, mit „Bella Block“ eine Ära zu verabschieden. Ob der Paradigmenwechsel zum Goldenen Kalb Serie hin tatsächlich der Weg zur Zukunft des fiktionalen Erzählens im Fernsehen ist, sei dahingestellt. „Bella Block“ entwickelte die Hauptfigur jedenfalls schon vorher und über ein Vierteljahrhundert konsequent horizontal weiter. Hannelore Hoger stapelt tief. „Kein bisschen weise“ sei die Figur der Bella Block, das habe ihr die Rollenwahl leichtgemacht: „Die hatte Möglichkeiten und war ein lebendiger Mensch, im Leben, die hatte eine Meinung und einen Beruf, der ihr gefiel.“ Das war es. War es das?

          Abermals geht es um abgerichtete Kinder

          Autorinnen wie Katrin Bühlig und Beate Langmaack schrieben Folgen wie „Die Freiheit der Wölfe“, „Die Frau des Teppichlegers“ oder den Zweiteiler „Das Schweigen der Kommissarin“. Devid Striesow behauptete sich als Assistent, später Hauptkommissar Martensen an Hogers Seite. Für „Die Reise nach China“ erhielt Judith Kaufmann den Kamerapreis. Susanne Schneider (Buch) und Rainer Kaufmann (Regie), die für die Abschiedsfolge „Am Abgrund“ verantwortlich zeichnen, arbeiteten auch in Folgen wie „Das schwarze Zimmer“ zusammen. Andreas Prochaska setzte die berührende Folge „Hundskinder“ in Szene, in der Bella Block sich als Geisel mit einem Rudel verwahrloster, zu fühllosen Kampfmaschinen abgerichteter Kinder einschließen ließ.

          Auch die Abschiedsfolge ist von Altersmilde weit entfernt. Abermals geht es um abgerichtete Kinder, die dieses Mal von Berufsverbrechern unter dem Kommando des Handlangers der Mächtigen, Raven Morlock (Sabin Tambrea), in leerstehenden Büroetagen gedrillt und geschändet werden. Morlock vergöttert seine zurückgebliebene Schwester Tabea (Lilith Stangenberg) und lässt sie mit immer derselben Gesangsdarbietung in einem „Girls Club“ auftreten. Auf ihre Spur kommt Bella Block durch den Anschlag auf Oberstaatsanwalt Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig) nach einem gemeinsamen Abend.

          Mit dem Polizisten Schnaak (Reiner Bock) nimmt sie Generalstaatsanwalt Beerholt (Kai Ivo Baulitz), Richterin Bianca Kling (Corinna Harfouch), Anwalt Maaslich (Aljoscha Stadelmann) und die Umtriebe der städtischen Baugesellschaft ins Visier. Nach einem inszenierten Selbstmordversuch kommt Bella Block in die Psychiatrie. Einer üblen Sache sei sie auf der Spur, versichert sie ihrem Arzt. Alles eine Frage der Wahrnehmung, meint dieser. Ihr Ex-Chef beschreibe sie als Querulantin, Einzelkämpferin, sozial unverträglich und Verschwörungstheorien zugeneigt. Über eine längere Unterbringung entscheidet Richterin Kling.

          So gibt es für Hannelore Hoger im Finale die große Konfrontation: Gut gegen Böse. Und eine Verneigung der Weggefährten von Rudolf Kowalski bis Devid Striesow. Ihre schrullige Geradlinigkeit wird man vermissen, zumal mit Senta Berger als Dr. Eva-Maria Prohacek auch die andere Unbestechliche aufhört.

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