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Peter Thiel gegen Gawker : Ein Kampf, der Silicon Valley zum Wilden Westen macht

Hat Peter Thiel nicht nur seinen Anwalt, sondern auch ihn selbst für die Klage gegen „Gawker“ bezahlt? Hulk Hogan im Juni 2006 in Florida Bild: dpa

Nach dem Rache-Coup und gegenseitigen Drohungen schlägt der „Gawker“-Chef Nick Denton dem Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel einen Wortwechsel auf offener Bühne vor. Ein paar gute Fragen weiß er schon.

          Lange hat sich der Milliardär und Silicon-Valley-Investor Peter Thiel an das Sprichwort gehalten, Rache sei ein Menü, das man kalt genießt. Doch nun hält er es mit dem Grundsatz: Rache ist Blutwurst. Thiels Rache besteht darin, dass er den Prozess des Wrestlers Hulk Hogan gegen das Internetportal „Gawker“ finanziert hat. „Gawker“ hatte 2012 einen Ausschnitt aus einem Video verlinkt, das Hogan beim Sex mit der Frau eines ehemaligen Freundes zeigte. Journalistisch begründen ließ sich das schwerlich, hier ging es um primitive Schaulust. Für diese ist „Gawker“ zu 140 Millionen Dollar Schadensersatzsumme verurteilt worden.

          Die Entscheidung hat die amerikanische Presse erschüttert. Denn sie hat nicht nur abschreckende Wirkung für Leute vom Boulevard, die keine Grenzen kennen und wie „Gawker“ meinen, Prominenten-Porno sei ein „kulturelles Phänomen“, das unbedingt zu betrachten sei. Die Summe würde „Gawker“ nicht einen Denkzettel verpassen, sondern in den Ruin treiben. Das wäre mehr als Abschreckung, es wäre ein Exempel: Wer sich so danebenbenimmt, fliegt raus aus dem Mediengeschäft. Der „New York Times“ aber sagt Peter Thiel, es sei ihm nur um Abschreckung gegangen. Diese war ihm zehn Millionen Dollar für den anwaltlichen Beistand von Hulk Hogan wert.

          Beide haben einen Punkt

          Er habe, sagt Thiel, zwar selbst den Schlachtplan gegen „Gawker“ ausgeheckt, sich aber schließlich von anderen zu diesem Schritt bewegen lassen - von anderen, denen „Gawker“ ebenfalls geschadet habe. Dass es Thiel auch um eine persönliche Fehde geht, darf man schon annehmen: „Gawker“ hatte ihn 2007 als homosexuell geoutet und hält das bis heute für eine Großtat der Pressefreiheit, wie man dem offenen Brief entnehmen kann, den der „Gawker“-Chef Nick Denton jetzt an Thiel geschrieben hat. Darin winselt Denton ein wenig herum, was angesichts der Kaltschnäuzigkeit, die „Gawker“ sonst an den Tag legt, schon putzig wirkt. Zugleich droht Denton seinem Kontrahenten Thiel: Sie haben Ihre Methoden, wir haben unsere.

          Das Dumme ist: Beide haben bei allem Superego-Gepluster einen Punkt. Thiel darf man folgen, wenn er beklagt, dass „Gawker“ und andere auf Persönlichkeitsrechten herumtrampeln. Denton liegt richtig, wenn er darauf verweist, wie wichtig es ist, die Silicon-Valley-Tycoons, zu denen Thiel zählt, genau ins Visier zu nehmen. Thiel ist Partner des Hedgefonds Founders Fund, hat mit dem Finanzierungsdienst Paypal Geld gemacht und noch mehr mit dem Verkauf seiner umfangreichen Facebookanteile und führt das Unternehmen Palantir, das Datenanalysen für amerikanische Regierungsbehörden erstellt.

          Ein Vorschlag zur Güte

          Der Großinvestor, dessen Vermögen auf 2,8 Milliarden Dollar geschätzt wird, gehört zu den Mächtigen des Silicon Valley der Marken Alphabet oder Facebook, die in die ganze Welt ausgreifen. Deren Bewegungen genau zu betrachten ist ein lohnendes journalistisches Unterfangen, dem sich Gawker Media zum Beispiel mit dem Portal „Gizmodo“ widmet. Doch es gibt eben auch einen Klatsch-Blog wie „Valleywag“, der vor Jahren schrieb: „Peter Thiel ist totally gay, people.“ Gleichwohl macht „Gawker“-Chef Denton dem Opponenten Thiel einen Vorschlag zur Güte.

          Man solle sich auf offener Bühne treffen und zum Meinungsstreit antreten. Für diesen reicht Denton einen Fragenkatalog mit, in dem er sich erkundigt, ob Thiel womöglich Hulk Hogan dafür bezahlt habe, zu klagen; ob er auch hinter zwei anderen Klagen stecke, ob er „Gawker“ schaden, ruinieren oder womöglich kaufen wolle und was die politischen Ziele seien, die Thiel als „Board Member“ von Facebook verfolgt. Die Antworten wären tatsächlich interessant. Doch darf man skeptisch sein, ob aus dem Ringkampf Thiel gegen „Gawker“ etwas wird. Im Augenblick erscheint er eher als Duell auf Leben und Tod.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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