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Die Texte von Claas Relotius : Sagen, was Stil ist

  • -Aktualisiert am

Tausendundeine Laterne: Auswahl märchenhafter Leuchtmittel auf einem Basar in Istanbul Bild: Picture-Alliance

Wer ihn genauer liest, findet einen Märchenton, den Zungenschlag eines Predigers: Warum man den Texten von Claas Relotius ansieht, dass sie keine Reportagen sind. Ein Gastbeitrag.

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          Ein Stern ist gestürzt. Ein Redakteur hat sich als Lügner und Betrüger erwiesen. Von Schmerz ist die Rede, und ehemalige Journalistenschüler reiben sich die Augen und fragen, warum sie sich von einem Blender, der genial schien, den Mut haben nehmen lassen. In Diskussionen wird die genaue Recherche gegen das schöne Schreiben aufgerechnet.

          „Sagen, was ist“ war die Maxime von Rudolf Augstein. Doch jede erzählende Reportage ist auch ein imaginierter Text. Denn ein Reporter-Ich muss seine Begegnungen mit der Welt in das Medium Sprache übersetzen. Der Leser darf erwarten, dass er mitgenommen wird zu den Menschen, die der Reporter getroffen hat. Lesen gehört zu den exklusiveren Tätigkeiten. Man kann nebenbei wenig anderes tun. Schon deshalb muss eine lange Reportage den Leser verführen, dabeizubleiben, sich zu konzentrieren. Sie kann ihn mit Erlebnisqualität locken. Dazu braucht sie das atmosphärische Versprechen, dass er eintauchen wird in das Leben der anderen. Dann folgt er dem Sog der unerhörten Begebenheit, die nah erzählt wird.

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