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So könnte es gehen : Wo bleibt das Museum für die Zeitung?

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„Die Lüge!“: Plakat von Reinhard Schumann aus dem Jahr 1920. Bild: Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum Augsburg

Aus einem deutschen Museum für die Presse von nationalem Rang ist bisher nichts geworden. Dabei wäre es nicht nur als Lernort für die Demokratie wichtig. Wie könnte sich das also ändern?

          10 Min.

          Deutschland besitzt eine reiche und vielfältige Museumslandschaft. Rund 800 Museen sind im Deutschen Museumsbund vereinigt. Doch die tatsächliche Anzahl an Ausstellungshäusern wird in die Tausende geschätzt. Neben nicht wenigen Museen von landesweiter Bedeutung stehen viele mit eher regionalem Bezug. Praktisch gibt es kaum einen Bereich des menschlichen und naturkundlichen Lebens, der nicht in einem eigenen Museum zur Schau gestellt wird. Das Spektrum schließt Museen für Spielkarten, Glocken, die Feuerwehr, die Blockflöte, den Tabak oder auch für Flipperautomaten ein. Umso erstaunlicher ist es, dass die Zeitung zu den bislang museal hierzulande nicht oder nicht angemessen repräsentierten Objekten gehört. Warum ist das so, und wie ließe sich das ändern?

          Das Defizit ist deshalb so unbegreiflich, weil es sich bei der Zeitung um eines der großen abendländischen Kulturwerke handelt. Die Zeitung ist das älteste publizistische Massenmedium mit einer inzwischen mehr als vierhundertjährigen Geschichte. Sie ist – wie die Druckerpresse – im deutschen Sprachraum entstanden. Als ihr Geburtsjahr gilt, von unregelmäßig erschienenen Vorläufern abgesehen, das Jahr 1605, als in Straßburg die „Relation“, die erste Wochenzeitung, gedruckt wurde. Binnen weniger Jahre folgten zahlreiche weitere Blätter, nicht nur im Deutschen Reich, mit Abstand auch in anderen europäischen (und später: außereuropäischen) Ländern.

          Mit der Zeitung begann die laufende öffentliche Unterrichtung über die Vorgänge in der Welt, und durch sie bildete sich eine kritisch räsonierende Öffentlichkeit. Am Ausgang des 17. Jahrhunderts erschienen im Reich bereits sechzig miteinander konkurrierende Zeitungen, die rund 250.000 Leser erreichten. Ein Jahrhundert später waren es zweihundert Zeitungen und drei Millionen Konsumenten. Damit stellten die Zeitungen den populärsten weltlichen Lesestoff dar. Die eigentliche Expansion folgte erst noch mit den Massenauflagen im 19. und 20. Jahrhundert.

          Die Zeitungen lieferten nicht nur Wissensstoff und waren ein Instrument der Erwachsenenbildung. Sie förderten die gesellschaftliche Differenzierung und Politisierung. Bei der Durchsetzung der Pressefreiheit ging es zugleich um den Kampf um die Demokratie. Die moderne, liberal verfasste Gesellschaft ist ohne sie gar nicht denkbar. Durch das Anzeigenwesen gewann die Zeitung auch für das wirtschaftliche System große Bedeutung. Freilich war die Zeitung ein ambivalentes Produkt. Sie konnte auch – wie im „Dritten Reich“ und in der DDR – dazu missbraucht werden, die Öffentlichkeit irrezuführen und zu indoktrinieren. Erst jüngst ist das Schimpfwort „Lügenpresse“ wieder aktualisiert worden.

          All dies ist ein ungeheurer Stoff. Dass in Deutschland gleichwohl bisher ein Museum von nationalem Rang für die Zeitung fehlt, dafür gibt es vielerlei Gründe. Weder die Zeitungspraxis noch die Kulturpolitik oder die Wissenschaft haben mit der notwendigen Entschiedenheit auf ein solches Museum hingewirkt. Für Journalisten (wie auch für Verleger) scheint – zumindest jenseits des Feuilletons – kaum etwas so wenig miteinander zu tun zu haben wie Zeitung und Museum. Die Zeitung ist der Aktualität des Tages verpflichtet, das Museum hingegen dazu da, das überzeitlich Erhaltenswerte zu konservieren.

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