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So könnte es gehen : Wo bleibt das Museum für die Zeitung?

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Die Publizistin und Mitherausgeberin der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ Marion Gräfin Dönhoff (l.)

Es befinden sich nicht nur Inkunabeln der bedeutenden deutschen Zeitungen aus allen Jahrhunderten darunter, sondern auch Geräte der Nachrichtenübermittlung und der Drucktechnik. Die Zensur ist belegt durch mehrere Originaldokumente, den Reichsabschied von Speyer 1529, durch das berüchtigte Edikt des preußischen Kultusministers Wöllner 1788 und die Karlsbader Beschlüsse von 1819. Andere Exponate dokumentieren den Kampf für die Pressefreiheit. Besonders raumgreifende Objekte sind eine noch funktionsfähige Rotations-Druckmaschine von 1922, auf der im Bleihochdruck zuletzt noch 2004 die „Norderneyer Badezeitung“ hergestellt wurde sowie das Arbeitszimmer von Marion Gräfin Dönhoff, der langjährigen Herausgeberin der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“.

Vier Voraussetzungen für ein deutsches Zeitungsmuseum

Vier Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein Deutsches Zeitungsmuseum zu realisieren. Und zwar eines mit nationalem Rang, wie es die anderen, hier erwähnten Einrichtungen nicht bieten können. Erstens muss eine planmäßig für Museumszwecke angelegte pressehistorische Sammlung vorhanden sein. Zweitens ist ein fachkompetentes und erfahrenes Gestaltungsteam vonnöten. Das ist beides der Fall. Drittens braucht man ein geeignetes Museumsgebäude in zentraler Lage. Dieses ist in Augsburg durch die gegenwärtig leer stehende Kunsthalle am Wittenbachpark gegeben. Die größte Hürde ist bisher die Finanzierung der laufenden Kosten. Welke beziffert den Finanzbedarf auf etwa eine Viertelmillion Euro pro Jahr. Das ist auch angesichts sonstiger Aufwendungen im Kulturbereich nicht allzu viel. Aber solche Anforderungen stehen immer in Konkurrenz zu anderen Vorhaben und Wünschen. Die Stadt Augsburg sieht dafür bisher keinen Spielraum in ihrem Kommunalhaushalt. Interesse des Freistaats Bayern wurde signalisiert, doch stehen hier offenbar haushaltsrechtliche Vorgaben im Wege. Gleichwohl könnte staatliche Förderung in Anspruch genommen werden, wenn erst einmal die Grundfinanzierung gesichert wäre.

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Die Umstände, die ein Zeitungsmuseum als mehr als überfällig erscheinen lassen, sind nicht mehr zu übersehen. Längst haben die Historiker die Zeitung als Quelle entdeckt und sie zur Grundlage einer wachsenden Zahl von Untersuchungen gemacht. Einschlägiges Interesse dürfte auch in den Kommunikations- und Medienwissenschaften bestehen (die es übrigens auch an der Universität Augsburg gibt). Außer für deren Studierende dürfte das Museum ein Lernort der Demokratie für Schülerinnen und Schüler werden, das heißt für die Medienpädagogik und Projekte wie Zeitung in der Schule.

Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch ein Zeitungsmuseum einzurichten könnte manchen vielleicht als anachronistisch erscheinen. Steht dieses publizistische Massenmedium doch heute in scharfer Konkurrenz zum Internet. Prognosen für das Ende der Zeitung dürften aber verfrüht sein. Ohnehin lebt die Zeitung in digitaler Form im Internet fort, was künftig auch einmal museal dokumentierbar sein wird. Jedenfalls besteht vorerst kein Anlass für die Befürchtung, dass aus dem Zeitungsmuseum ein archäologisches Museum wird.

zum Autor

Jürgen Wilke ist Professor emeritus für Publizistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

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