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So könnte es gehen : Wo bleibt das Museum für die Zeitung?

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„Pressa“-Ausstellung soll Messe-Stadt Köln ankurbeln

Noch eine andere Entwicklungslinie in der (Vor-)Geschichte der Idee des Zeitungsmuseums ist zu erwähnen. Gemeint sind damit Zeitungsausstellungen, die nicht auf Dauer angelegt waren, in denen dieses Medium aber zumindest auf Zeit präsentiert wurde. Das bedeutendste Unternehmen dieser Art war die Kölner „Pressa“ im Jahre 1928. Sie war aber weder das erste noch das einzige Beispiel ihrer Art. Zu den bemerkenswerten Vorläufern hatte die Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (BUGRA) gehört, die im Sommer 1914 in Leipzig stattfand. Mit dem zeitungswissenschaftlichen Teil dieser Ausstellung wurde Martin Spahn beauftragt. Am Ergebnis seiner Tätigkeit entzündete sich manche Kritik, wobei die Grundfrage aufgeworfen wurde, wie es überhaupt gelingen könne, dem Publikum durch eine Ausstellung Einblick in die geistigen und wirtschaftlichen Kräfte der Tageszeitung zu verschaffen.

Mit diesem Problem sah man sich auch bei der Vorbereitung der „Pressa“-Ausstellung konfrontiert, die am 12. Mai 1928 ihre Tore öffnete. Dem damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer diente sie dazu, das Licht der internationalen Öffentlichkeit auf Köln als (Messe-)Stadt zu lenken. Für die noch junge deutsche Zeitungswissenschaft bildete sie den Anlass, die Angehörigen dieser Disziplin zusammenzuführen. Die treibende Kraft beim Aufbau der Kulturhistorischen Abteilung der Ausstellung war Karl d’Ester (1881 bis 1960), der zunächst in Münster, seit 1923 in München lehrte.

Nach der Kölner „Pressa“ ging die Idee von Zeitungsausstellungen zwar nicht verloren, wurde aber nie wieder in gleichem Umfang umgesetzt. Karl d’Ester hat in den 1930er Jahren, aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg kleinere Presseausstellungen organisiert, wobei er sich vor allem auf seine eigene reichhaltige Sammlung stützen konnte. Eine dauerhafte, auf komplexere Systematik angelegte Einrichtung entstand weiterhin nicht. Dass einmal ein „Weltpressemuseum“ entstehen würde, blieb für d’Ester der „Traum meines Lebens“. Als Standorte schlug er die Gutenberg-Stadt Mainz sowie Augsburg als frühe Druckerstadt vor. Doch daraus wurde zu seinen Lebzeiten nichts.

Die zerschlagenen Hoffnungen des Martin Welke

Eigentümlicherweise bedurfte es wieder einer privaten Initiative, die Spahn ursprünglich noch als unzureichend verworfen hatte, um dieses alte Vorhaben wiederaufleben zu lassen. Die Initiative dazu ging aus der Deutschen Presseforschung hervor, einer in Bremen ansässigen einzigartigen universitären Einrichtung zur historischen Pressedokumenattion. Martin Welke, ihr Mitarbeiter und promovierter Historiker mit Pressebezug, organisierte 1976 dort eine Ausstellung zur zweihundertjährigen Wiederkehr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und deren Rezeption. Als Auszeichnung verlieh ihr das amerikanischen Außenministerium einen Award.

Dadurch ermutigt, beschloss Welke, das Projekt eines Zeitungsmuseums auf eigene Faust in Angriff zu nehmen. Angesichts der Bedeutung des Gegenstandes hielt er sein Vorhaben anfangs für einen „Selbstläufer“. Darin täuschte er sich aber. Auf Jahrzehnte hat ihn dessen Realisierung beschäftigt, bis heute leider ohne durchgreifenden Erfolg. Welke schied aus der Deutschen Presseforschung aus und begann aus eigenen Mitteln Sammlungsobjekte zu erwerben. Bei einschlägigen Auktionen wurde er zum Dauergast. 1989 eröffnete er in einem angemieteten historischen Gebäude in Meersburg am Bodensee sein erstes eigenes Zeitungsmuseum.

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