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Kaminers Deutschlandreise : So ist der Humor der Friesen

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Das Programm geht baden

Am Tag meiner Gartenlesung regnete es in Strömen, in Öhringen ging das ganze Programm der Gartenschau baden, Air Berlin strich wegen wirtschaftlicher Probleme alle Flüge, ich blieb in Berlin auf meinem Koffer sitzen. Alles Schlechte hat aber auch seine Guten Seiten, dachte ich, kehrte nach Hause zurück und ging mit der Familie chinesisch essen. Der Chinese ist das Lieblingsrestaurant meiner Schwiegermutter, die gerade zu Besuch bei uns war. Sie freute sich wie ein Kind. Ich habe mich früher oft gefragt, wieso die Schwiegermutter ausgerechnet dieses Restaurant zu ihrem Lieblingslokal auserkoren hat, ich fürchte, es gibt dafür keine vernünftige Erklärung.

Seltsamerweise zieht dieser Chinese Russen an. Neben uns am Tisch saßen drei russische Damen, eine Blondine, eine Brünette und eine Rothaarige. Sie redeten nicht über Klamotten, Kosmetik oder Schmuck, sondern über die Politik. „Ich bin im Jahr 2000 nach Moskau geflogen, Freunde besuchen“, erzählte die Blondine laut. „Schau, was für einen neuen Präsidenten wir haben, er ist jung und sportlich und kann Deutsch, freuten sich meine Freunde. Ich schaute ins Fernsehen, und da stand er, jung, sportlich, lächelnd, aber die Augen waren ganz tot. Nanu, sagte ich, ihr werdet noch viel Ärger mit dem Sportsfreund haben. Sie haben mir damals nicht geglaubt, jetzt haben sie den Salat.“

Wattpaddeln mit der Surferin und Künstlerin Sonni Hönscheid.
Wattpaddeln mit der Surferin und Künstlerin Sonni Hönscheid. : Bild: ZDF und Christian A. Roeder

Die Brünette und die Rothaarige nickten zustimmend. Am nächsten Morgen holte ich mir im Zug nach Hamburg die „Süddeutsche“, auf dem Titelblatt des Feuilletons unter der Überschrift „Laube, Liebe, Hoffnung“ stand schwarz auf weiß: „Gestern war der Berliner Bestsellerautor Kaminer in Öhringen, er las aus seinem Buch ,Mein Leben im Schrebergarten‘.“ Lügenpresse!, dachte ich.

Der Aufnahmeleiter, das wilde Kind des Nordens, holte mich vom Hamburger Bahnhof ab, während der Fahrt nach Niebüll beschwerte er sich die ganze Zeit über die nordfriesische Bürokratie, so etwas Absurdes habe er auf unseren vielen Reisen durch Deutschland noch nirgendwo erlebt. Dabei könne er die hiesige Mentalität wie kein anderer verstehen. In Hamburg geboren und aufgewachsen, mochte er allerdings inzwischen seine Heimat nicht mehr so gern, die Stadt war ihm zu teuer geworden, zu touristisch, zu laut und schnell. Umziehen kam bei ihm jedoch nicht in Frage. Als er auf die Welt kam, hatten seine Eltern die abgetrennte Nabelschnur in der Elbe versenkt: den sogenannten Nordschwur geleistet. Deswegen kann er Hamburg nicht verlassen, kaum ist er länger als eine Woche weg, spürt er ein seltsames Kribbeln im Bauch und muss zurück.

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