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Sat.1-Programmreform : Wisch und weg

Sat.1 räumt um, auch sie wird gehen: Annette Frier alias Fernsehanwältin „Danni Lowinski“ Bild: obs

Sat.1 darf gleich mehrfach sein Programm umstellen. Ein Gerichtsbeschluss erlaubt es ihm, die ungeliebten Produktionsgesellschaften DCTP und „News and Pictures“ abzustoßen.

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          Mit einem Mal hat Sat.1 ein Problem: Der Sender muss von sofort an vier „Sendezeitschienen“ mit einer Länge von insgesamt drei Stunden pro Woche mit neuem Programm bestücken. Doch als Problem wird man die Sache bei Sat.1 nicht auffassen. Denn das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat die aufschiebende Wirkung zweier Klagen von Sat.1 und dem Nachrichtensender N24 gegen die Vergabe der sogenannten Drittsendezeiten wiederhergestellt. Will heißen: Sat.1 muss die in der Sendergruppe eher ungeliebten Programme der Produktionsgesellschaften DCTP von Alexander Kluge und „News and Pictures“ von Josef Buchheit von sofort an nicht mehr senden. Sat.1 bestätigte auf Anfrage, dass man die Entscheidung sofort umsetzen werde. Sendungen wie „Weck Up“ und „Planetopia“ werden also schon in den nächsten Tagen wegfallen. Die Lücken sollen unter anderem neue Folgen der Ermittlerserie „Hawaii Five-0“ und die neue amerikanische Serie „Almost Human“ füllen. Die „Focus-TV“-Reportage, die sich mit  dem „Spiegel“ abwechselt, und das hintergründige Erzählformat „News & Stories“ gehen vom Sonntag auf den späten Mittwochabend.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sat.1 und N24 hatten gegen die Vergabe der Drittsendezeiten durch die dafür zuständige Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) geklagt. Zwischen Sat.1 und der Produktionsfirma „News and Pictures“, welche die Sendezeiten seit Jahren immer wieder zugewiesen bekommt, herrscht seit langem Streit. Sat.1 behauptet, die in Mainz ansässige Firma von Josef Buchheit produziere zu überhöhten Preisen, der Produzent stellt das in Abrede. N24 (das früher zu Pro Sieben Sat.1 gehörte) hatte sich auch um die per Gesetz für größere Privatsender vorgeschriebenen Drittsendezeiten beworben. Der Sender unterlag und bemängelte das Auswahlverfahren der Landesmedienanstalt.

          Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz gab den Klagen nun im Eilverfahren statt. Die im letzten Jahr ergangene Vergabe der Drittsendezeiten sei rechtswidrig. Schon bei der Ausschreibung der Drittsendezeiten habe es Fehler gegeben, sie sei „offensichtlich auf die Bedürfnisse von ,News and Pictures‘ zugeschnitten“ gewesen. Zudem habe die Landesmedienanstalt das Verfahren „unter einem für Sat.1 unangemessenen Zeitdruck durchgeführt“ und die nötige Erörterung der Entscheidung „nicht mit dem Ziel einer einvernehmlichen Einigung vorgenommen“. Die Auswahl unter den Bewerbern sei „nicht fair und ergebnisoffen erfolgt“.

          Deutlicher geht es nicht. Die Landesmedienanstalt kann die Vergabe der Drittsendezeiten nun neu eröffnen oder ein endgültiges Gerichtsurteil in der Hauptsache anstreben. Beides dürfte mindestens ein Dreivierteljahr in Anspruch nehmen, wenn nicht länger dauern. Für die Produktionsfirmen stellt dies eine existentielle Bedrohung dar, die das Gericht gerade für „News and Pictures“ erkennt. Das sei aber nicht die Folge des Gerichtsbeschlusses, sondern der unternehmerischen Entscheidung, sich allein auf die von der LMK vorgenommene Zuteilung der Sendezeiten bei Sat.1 zu verlassen.

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