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Donald Trump vs. Alec Baldwin : Make the Witzischkeit great again

  • -Aktualisiert am

Schnute ziehen und twittern: Alec Baldwin macht als Präsident Trump die richtige Miene, Kate McKinnon mimt als Trumps Beraterin Kellyanne Conway passend echte Verzweiflung. Bild: AP/NBC

Donald Trump findet seine Parodie in der Show „Saturday Night Live“ nicht lustig und beschwert sich per Twitter ohne Unterlass. Dem Schauspieler Alec Baldwin kann das nur recht sein.

          Treffen sich zwei Narzissten auf Twitter – und für Unterhaltung ist gesorgt. Seit Wochen liefert sich der designierte amerikanische Präsident Donald Trump einen Schlagabtausch mit dem Schauspieler Alec Baldwin, der ihn in der Satiresendung „Saturday Night Live“ verkörpert. Auf diese Weise erreicht die politische Comedy ohne große Anstrengung die Meta-Ebene. Sie setzt sich als Realityshow im Netz und in den sozialen Netzwerken fort, weil Trump die Sache bierernst nimmt. Er hat keinen Sinn für Humor und keinen dafür, womit sich ein amerikanischer Präsident beschäftigen sollte und womit nicht. Dass sich das Staatsoberhaupt öffentlich mit einem Komiker duelliert, das gab es noch nie. Und es ist kein Ende in Sicht.

          Es begann im Oktober, als Baldwin mit seiner Trump-Persiflage debütierte. Da zeigte sich der echte Trump per Twitter gleich beleidigt: „Habe ,Saturday Night Lives‘ Attacke auf mich gesehen. Zeit, die langweilige und unkomische Show einzustellen. Alec Baldwins Porträt stinkt zum Himmel.“ Freilich war Trump da noch der unfassbare Kandidat, der sich von der Lachnummer zum Schreckgespenst wandelte. Dann wurde er zum Präsidenten gewählt, Baldwin behielt seine Rolle, und Trump verbiss sich derart in die Comedysendung, die er während des Wahlkampfs im Vorjahr als Gast sogar einmal selbst moderiert hatte, dass die Satire Teil der politischen Realität wurde: frei nach Hape Kerkelings „Witzischkeit kennt keine Grenzen“.

          Wie es scheint, verpasst Trump inzwischen keinen Baldwin-Auftritt bei „Saturday Night Live“. Ende November tweetete Trump am Morgen nach der Sendung: „Eine total einseitige Sendung - kein bisschen komisch.“ Baldwin, womöglich ermutigt von der unfreundlichen Aufnahme des designierten Vizepräsidenten Mike Pence beim Besuch des Broadway-Musicals „Hamilton“, die von Trump ebenfalls erbost auf Twitter aufgegriffen worden war („Entschuldigt euch!“), schoss zurück: „Die Wahl ist vorbei. Jetzt versuchen Sie mal, Präsident zu sein.“ Dem ließ der Schauspieler eine ganze Batterie von Tipps für die Amtsausübung folgen: Ausbildungschancen und Jobs schaffen, Amerikas Ruf im Ausland verbessern, kompetente Kabinettsmitglieder ernennen. „Wenn Sie mehr Ratschläge brauchen, rufen Sie mich an. Ich bin bei SNL“, schloss Baldwins Tirade.

          Als Nächstes kam „Saturday Night Live“ mit einem Sketch, in dem Baldwins Trump seine Finger auch in einem laufenden Sicherheitsbriefing nicht von Twitter lassen kann. Und tatsächlich: Trump mokierte sich abermals. Noch während die Sendung lief, setzte er die Nachricht ab: „Habe eben versucht, Saturday Night Live zu gucken - unerträglich! Total parteiisch, nicht komisch, die Baldwin-Persiflage kann nicht mehr schlechter werden. Traurig.“

          Ohne Tolle, im Original: Alec Baldwin.

          Manch einer fragte sich, ob der „SNL“-Produzent Lorne Michaels das Ganze womöglich heimlich mit Trump inszeniert hatte, immerhin hatte er diesen Ende 2015 in einer höchst umstrittenen Entscheidung dazu eingeladen, die Sendung zu moderieren. Der eine oder andere ist davon allerdings auch nur genervt. „Himmelarsch, @RealDonaldTrump“, tweetete die Aktivistin Danielle Muscato, „Sie sind der gewählte Präsident. Mäßigen Sie sich verdammt noch mal, Mann. Sie blamieren sich.“ Derweil setzte Baldwin seine nächste Trump-Replik ab: „Veröffentlichen Sie Ihre Steuererklärung, und ich höre auf. Ha.“

          Dass Baldwin sich auf den albernen Twitterkrieg einlässt, ist verständlich - mehr Wirkung kann er gar nicht erzielen. Und seine Trump-Parodie ist wirklich gut. Baldwin schürzt die Lippen, reckt pikiert den Zeigefinger neben einem von Daumen und Mittelfinger geformten O in die Luft, verengt die Augen zu bedrohlichen Schlitzen und zieht einen Flunsch, der zwischen vorgeschobener Unterlippe und gefletschten Zähnen changiert. Baldwins Trump ist wunderbar pointiert: plump und bedrohlich zugleich. Dass der echte Trump von seiner Karikatur geradezu besessen ist, verleiht „Saturday Night Live“ jene Relevanz, die Kritiker der Sendung zuletzt abgesprochen hatten. Für bedeutenderes Aufsehen hatte die Sendung vor acht Jahren gesorgt, als Tina Fey die Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin persiflierte. Die Absurditäten, die Feys Palin von sich gab, und die schrägen Einlassungen der echten Palin waren bald nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Verschiedene Sätze, die Fey der Gouverneurin von Alaska in den Mund legte - etwa: „Ich kann Russland von meiner Veranda aus sehen!“ -, werden bis heute fälschlich als Palin-O-Ton zitiert.

          „Eines Präsidenten so unwürdig“

          Tina Fey (deren selbstverliebten Boss Alec Baldwin in der Comedyserie „30 Rock“ gespielt hatte) meldete sich in einem Gespräch mit David Letterman im „Hollywood Reporter“ denn auch zu der Twitter-Fehde zwischen Baldwin und Trump zu Wort. „Einerseits macht mich das ganz krank im Hinblick auf den Zustand der Welt, weil es eines Präsidenten so unwürdig ist“, sagte Fey. „Andererseits denke ich: Du glaubst, du bist gut darin, ein Arsch auf Twitter zu sein? Jetzt stehst du dem Großmeister im Arschsein auf Twitter gegenüber.“ Ob sie damit Trump oder Baldwin meinte, blieb offen.

          Wenn das mal nicht große Witzfiguren sind: Alec Baldwin als Donald Trumo und Kate McKinnon als Hillary Clinton in „Saturday Night Live“.

          Unterdessen stellte Donald Trump im amerikanischen Fernsehen klar, was ihn so stört. „Ich finde, dass Alec Baldwin mich in seiner Imitation nicht wirklich trifft. Es ist sehr einseitig“, sagte er todernst in einem Telefongespräch mit der „Today Show“. Der Moderator Matt Lauer fragte, ob man sich darauf einigen könne, dass es besser wäre, wenn Trump die Satiresendung nicht mehr guckte, anstatt sich ständig darüber zu beschweren. Trump gab zurück: „Ich habe ,SNL‘ moderiert, als es noch eine gute Show war. Aber es ist keine gute Show mehr.“ Alec Baldwins Darstellung sei „gemein, und das mag ich nicht“.

          Rolle für die kommenden vier Jahre

          Als Sketch bei „Saturday Night Live“ wäre das ziemlich komisch gewesen. Aber dass Amerikas nächster Präsident tatsächlich nicht verkraftet, dass man ihn parodiert, und dass er es einfach nicht lassen kann, seinem Unmut darüber via Twitter Luft zu machen, ist inzwischen ein Witz für sich. Da muss er sich auch nicht wundern, dass die Samstags-Satiriker melden, er habe den von dem Schauspieler Bryan Cranston in der Serie „Breaking Bad“ gespielten Ex-Lehrer und Crystal-Meth-Dealer Walter White als Gesundheitsminister vorgesehen.

          Alec Baldwin wurde jetzt indes für seine Trump-Persiflage mit dem Critics’ Choice Award ausgezeichnet. Mit der Rolle des Präsidenten, der nach der Besprechung mit seinen Sicherheitsexperten erst einmal googeln muss, was „Isis“ bedeutet“, hat Baldwin für die kommenden vier Jahre ausgesorgt.

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