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Donald Trump vs. Alec Baldwin : Make the Witzischkeit great again

  • -Aktualisiert am

Dass Baldwin sich auf den albernen Twitterkrieg einlässt, ist verständlich - mehr Wirkung kann er gar nicht erzielen. Und seine Trump-Parodie ist wirklich gut. Baldwin schürzt die Lippen, reckt pikiert den Zeigefinger neben einem von Daumen und Mittelfinger geformten O in die Luft, verengt die Augen zu bedrohlichen Schlitzen und zieht einen Flunsch, der zwischen vorgeschobener Unterlippe und gefletschten Zähnen changiert. Baldwins Trump ist wunderbar pointiert: plump und bedrohlich zugleich. Dass der echte Trump von seiner Karikatur geradezu besessen ist, verleiht „Saturday Night Live“ jene Relevanz, die Kritiker der Sendung zuletzt abgesprochen hatten. Für bedeutenderes Aufsehen hatte die Sendung vor acht Jahren gesorgt, als Tina Fey die Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin persiflierte. Die Absurditäten, die Feys Palin von sich gab, und die schrägen Einlassungen der echten Palin waren bald nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Verschiedene Sätze, die Fey der Gouverneurin von Alaska in den Mund legte - etwa: „Ich kann Russland von meiner Veranda aus sehen!“ -, werden bis heute fälschlich als Palin-O-Ton zitiert.

„Eines Präsidenten so unwürdig“

Tina Fey (deren selbstverliebten Boss Alec Baldwin in der Comedyserie „30 Rock“ gespielt hatte) meldete sich in einem Gespräch mit David Letterman im „Hollywood Reporter“ denn auch zu der Twitter-Fehde zwischen Baldwin und Trump zu Wort. „Einerseits macht mich das ganz krank im Hinblick auf den Zustand der Welt, weil es eines Präsidenten so unwürdig ist“, sagte Fey. „Andererseits denke ich: Du glaubst, du bist gut darin, ein Arsch auf Twitter zu sein? Jetzt stehst du dem Großmeister im Arschsein auf Twitter gegenüber.“ Ob sie damit Trump oder Baldwin meinte, blieb offen.

Wenn das mal nicht große Witzfiguren sind: Alec Baldwin als Donald Trumo und Kate McKinnon als Hillary Clinton in „Saturday Night Live“.

Unterdessen stellte Donald Trump im amerikanischen Fernsehen klar, was ihn so stört. „Ich finde, dass Alec Baldwin mich in seiner Imitation nicht wirklich trifft. Es ist sehr einseitig“, sagte er todernst in einem Telefongespräch mit der „Today Show“. Der Moderator Matt Lauer fragte, ob man sich darauf einigen könne, dass es besser wäre, wenn Trump die Satiresendung nicht mehr guckte, anstatt sich ständig darüber zu beschweren. Trump gab zurück: „Ich habe ,SNL‘ moderiert, als es noch eine gute Show war. Aber es ist keine gute Show mehr.“ Alec Baldwins Darstellung sei „gemein, und das mag ich nicht“.

Rolle für die kommenden vier Jahre

Als Sketch bei „Saturday Night Live“ wäre das ziemlich komisch gewesen. Aber dass Amerikas nächster Präsident tatsächlich nicht verkraftet, dass man ihn parodiert, und dass er es einfach nicht lassen kann, seinem Unmut darüber via Twitter Luft zu machen, ist inzwischen ein Witz für sich. Da muss er sich auch nicht wundern, dass die Samstags-Satiriker melden, er habe den von dem Schauspieler Bryan Cranston in der Serie „Breaking Bad“ gespielten Ex-Lehrer und Crystal-Meth-Dealer Walter White als Gesundheitsminister vorgesehen.

Alec Baldwin wurde jetzt indes für seine Trump-Persiflage mit dem Critics’ Choice Award ausgezeichnet. Mit der Rolle des Präsidenten, der nach der Besprechung mit seinen Sicherheitsexperten erst einmal googeln muss, was „Isis“ bedeutet“, hat Baldwin für die kommenden vier Jahre ausgesorgt.

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