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„Die Wirecard-Story“ bei RTL : So verschwanden die Milliarden

Durchtrieben: Christoph Maria Herbst spielt Markus Braun. Bild: TV Now/RTL

Die Ufa hat für RTL den Wirecard-Skandal in Rekordzeit verfilmt: „Der große Fake“. Das Doku-Drama hat seine Momente. Wird es dem irren Wirtschaftskrimi aber auch gerecht?

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          Als Christoph Maria Herbst vor zehn Jahren den fiktiven Versicherungssachbearbeiter Bernd Stromberg spielte, einen Spießer mit Klobrillenbart und Hang zur Selbstüberschätzung, da reisten in der real existierenden Versicherungswelt Makler der Ergo nach Budapest und feierten mit Prostituierten im Gellért-Bad eine wilde Sexsause.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Herbst räumte daraufhin ein, dass die Realität offenkundig mehr Realsatire bereithielt als die „Stromberg“-Serie, die mit ihrer besonderen Ästhetik, mit der Wackelkamera und der Unschärfe, einen realen Dokumentationscharakter nur vorgaukelte.

          Jetzt ist Herbst wieder in einem Sittenstück aus dem Wirtschaftsleben zu sehen. Diesmal bedient sich das Drehbuch gleich der Realität. Und was für einer! Die Ufa-Produktion „Der große Fake – Die Wirecard-Story“ erzählt von dem unglaublichen Milliardenbetrug in dem Münchner Skandalkonzern. Herbst spielt den real existierenden Markus Braun, den damaligen Wirecard-Chef, der seit einem Dreivierteljahr in Untersuchungshaft sitzt.

          Herbst nähert sich dem 51 Jahre alten Österreicher vor allem optisch mit randloser Brille und schwarzem Rollkragenpullover, aber wenn er spricht, klingt das sehr nach Stromberg. „Im Leben geht es darum, möglichst nah an die Kaiserloge zu kommen“, ist so ein Satz, den Braun, bekennender Fan des Wiener Opernballs, zwar zu seinem Fahrer gesagt haben könnte, der aber gesprochen von Herbst irgendwie fremd klingt. Herbst ist ein großartiger Schauspieler, in der Rolle des Wirecard-Chefs jedoch eine Fehlbesetzung. Und das ist nicht die einzige Schwäche in diesem Film, der vorgibt, ein gut choreographierter und stringent erzählter Wirtschaftskrimi zu sein.

          „Der große Fake“ will ein Doku-Thriller sein, aber spannend ist noch nicht einmal der fiktionale Teil. Jeder Zuschauer weiß, dass es am Ende auf eine Pleite des Dax-Konzerns samt Rauswurf des Vorstandsvorsitzenden hinausläuft. Nicht einmal die Figur des schillernden Braun-Komplizen Jan Marsalek sorgt für Spannung. Marsalek, der das mutmaßlich kriminelle Geschäft in Asien kontrollierte und sich persönlich um jenen Treuhänder kümmerte, der die fraglichen 1,9 Milliarden Euro auf den Philippinen verwaltete, wird von Franz Hartwig gespielt.

          Zu seiner aktiven Zeit bekamen den echten Marsalek nur wenige Journalisten oder Aktionäre zu Gesicht. Im Film spricht der fiktive Marsalek direkt in die Kamera mit dem Zuschauer. „Wir sind die Größten“, stellt er sich in der Eingangsszene vor: Der Maßanzug sitzt perfekt am trainierten Körper, die Krawatte ist korrekt mit Windsor-Knoten gebunden, der Gang dynamisch, die Miene bestimmt. Ein bisschen Selfmade-Millionär steckt in Hartwigs Marsalek, das erkennt man gleich, deshalb treibt er sich im Münchner Luxushotel „Mandarin Oriental“ herum, lässt Champagner-Flaschen köpfen und hat in jedem Arm eine schöne Frau. Später prahlt er damit, dass er die geheime Formel des Nervengiftes Nowitschok besitzt, das beim Anschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalnyj eingesetzt wurde. Geheimagenten, Militärs, Geldwäsche, das war das Milieu des heute flüchtigen Jan Marsalek, sagen ehemalige Weggefährten. Diesem Muster folgt auch der fiktionale Teil.

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