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„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ : Sie verschwenden ihre Jugend

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Wild und gefährdet: Michelangelo Fortuzzi, Lena Urzendowsky, Bruno Alexander, Jana McKinnon und Lea Dinda (v.l.) als die „Kinder vom Bahnhof Zoo“. Bild: Amazon/Constantin/Mike Kraus/Soap Images

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ war ein Kultfilm, 1981. Jetzt wird die Geschichte zur Serie bei Amazon. Und zu was für einer.

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          Als die „Stern“-Reporter Horst Rieck und Kai Hermann 1978 das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ veröffentlichten, entstand ein Wahnsinnshype um Drogensucht, Kinderprostitution und Herointod, der bloß noch von den Reaktionen auf Uli Edels Kinofilm von 1981 übertroffen wurde. „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, in dokumentarischer Ästhetik mit vielen Laien gedreht, konzentrierte sich auf die heroinabhängige Heranwachsende Christiane und ihre Niedergangs- und Wiederauferstehungsgeschichte und war daneben ein rauhes Berlin-Porträt zum Sound von David Bowies Hymne „Heroes“. Die Bilder einer verlorenen Jugend schockierten das Land, jedenfalls die brave Provinz der Bundesrepublik, für die West-Berlin wie das Sinnbild des Vorhofs zur Hölle aussah. Die Hochhäuser der Gropiusstadt zeigten sich als kinderfressender Moloch. Die Prostitution auf der Kurfürstenstraße las sich als Zeichen gesellschaftlichen Verfalls. Die Keller-Diskothek „Sound“ war der Verführungsort, der Bahnhof Zoo Zuflucht und Drecksloch.

          Buch und Film prägten eine Generation Jugendlicher, für die Rauchen noch ein Akt des Widerstands gegen das Elternhaus war und Pädophilie ein dunkles Geheimnis. Man lernte Begriffe wie „H“ und „Turkey“. Natja Brunckhorst, die Darstellerin der Christiane F., damals dreizehn Jahre alt wie ihre Figur, wurde ungewollt zum Mittelpunkt des Rummels. Der Kontrast von Kindergesichtszügen und Fixerbesteck, den Gummischläuchen um den dünnen Arm und provokantem Lolitalook war für die öffentliche Debatte atemberaubend attraktiv. Dass auch missbräuchliche Faszination den Subtext der veröffentlichten Suchtverteufelung bildete, wird im zeitlichen Abstand deutlich.

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