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Zum Tod von Willy Purucker : Der Anti-Tümler

Purucker ist am 06.02.2015 in Garmisch-Partenkirchen gestorben. Bild: dpa

Seine Geschichte ist die von einem der lieber in die Berge ging als in die Öffentlichkeit. Er produzierte über Jahrzehnte Qualitätshörspiel- und Fernsehserien.

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          Es soll Nörgler geben, die behaupten, das deutsche Fernsehen beherrsche die Kunst der Serie nicht. Einschränkend kann man sagen: Vielleicht zurzeit nicht, aber es gab schon große Serien. Dazu zählt jene vom Leben einer Münchner Polizistenfamilie, die das Bayerische Fernsehen von 1989 bis 1992 in zweiunddreißig einstündigen Folgen ausstrahlte: die „Löwengrube“.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Ihr Autor, der 1925 in Nürnberg geborene und im Münchner Stadtteil Haidhausen aufgewachsene Willy Purucker hatte die Serie zunächst für den Hörfunk unter dem Titel „Die Grandauers und ihre Zeit“ geschrieben. Sie behandelt große Geschichte vom Jahrhundertbeginn bis in die Wirtschaftswunderzeit aus dem Blick der sogenannten kleinen Leute, deren wahre Größe Purucker wie wenige andere zu vermessen in der Lage war, weil er ein präziser Sprach- und Bildarchäologe war. Volkstümlich zu sein und dabei nicht zu tümeln, diese Kunst beherrschte er. Ursprünglich sollte das Hörspiel bis in die siebziger Jahre führen, aber dann starb Karl Obermayr, der Vater und Sohn Grandauer sprach, und so endet es 1945. Die Fernsehserie führte bis ins Jahr 1954, auch sie war glänzend besetzt mit einem Ensemble, das Puruckers feinem Gehör kongenial folgte, mit Jörg Hube in der Hauptrolle.

          Den Zweiten Weltkrieg hatte Purucker als Freiwilliger bei den Fallschirmjägern mitgemacht, als Schüler zu zeichnen begonnen und sich Gulbranssons Achtung erworben. 1945 begann er als Zeichner für die „Neue Zeitung“, Erich Kästner und Robert Lembke waren dort leitende Redakteure. 1947 begann er bei Radio München, aus dem später der Bayerische Rundfunk wurde. Dort arbeitete er fünfzig Jahre als Autor, Reporter und Regisseur von Hörspiel- und Fernsehproduktionen. Für sein Opus magnum „Löwengrube“ hagelte es Auszeichnungen, aber Willy Purucker war keiner, der ins Rampenlicht drängte. Er ging lieber in die Berge. Am vergangenen Freitag ist er, wie erst jetzt bekannt wurde, im Alter von neunundachtzig Jahren in München gestorben.

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