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Intendanz Deutschlandradio : Steuls Staffelübergabe

Intendant vom Deutschlandradio, Willi Steul (l.) und Ralf Ludwig, Verwaltungsdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks. Bild: dpa

Mit mehr Hörern als sonst und einer hohen Akzeptanz verlässt Willi Steul sein Amt als Intendant des Deutschlandradios. Ab sofort werden Kandidaten gesucht – und die sollen möglichst „rot“ sein.

          Willi Steul, der Intendant des Deutschlandradios, stellt sein Amt vorzeitig zum 1. Mai 2017 zur Verfügung. Gewählt ist er bis zum Jahr 2019, doch hatte Steul, der den Sender seit 2009 anführt, schon bei seiner Wiederwahl 2014 angedeutet, dass er sich das Recht vorbehalten wolle, nach dem Erreichen seines 65. Lebensjahres in den Ruhestand gehen zu können. Nun, schreibt Steul in einem Brief an den Verwaltungsratsvorsitzenden, den ZDF-Intendanten Thomas Bellut, sei der richtige Zeitpunkt für die „Staffelübergabe“ gekommen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Debatte um die Zukunft des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks, um dessen Aufgabe, Strukturen und Finanzierung, werde „bereits jetzt deutlich schärfer“. Um dabei eine konstruktive Rolle spielen zu können, brauche das Deutschlandradio „einen mit den Bedingungen des Hauses vertrauten und eingearbeiteten Intendanten“, der eine „deutlich über das Jahr 2019 hinausreichende Führungsperspektive vermittelt“. Das Deutschlandradio sei „ein gutbestelltes Feld“, verfüge über ein hervorragendes Programm, mehr Hörer denn je und hohe Akzeptanz. Es sei inhaltlich und administrativ bestens aufgestellt und Vorreiter bei der Umstellung auf den digitalen Empfang, dieser sei „unumkehrbar“.

          Zweidrittelmehrheit des Gremiums

          Auf den Verwaltungsratsvorsitzenden Bellut kommt nun die Aufgabe zu, die Suche nach Kandidaten aus dem Postengeschacher der politischen Parteien herauszuhalten. Aus SPD-Kreisen wird kanalisiert, der nächste Intendant müsse ein „Roter“ sein - weil man die Chefs der anderen nationalen Sender (ZDF und Deutsche Welle) als konservativ verrechnet. Mit einem solchen Denken und Hinterzimmerdeals würde die Politik den Öffentlich-Rechtlichen, die ohnehin um ihr Ansehen kämpfen müssen, einen Bärendienst erweisen.

          Im Verwaltungsrat des Deutschlandradios sitzen neben dem Vorsitzenden Bellut der WDR-Intendant Tom Buhrow, zwei weitere Vertreter von ARD und ZDF sowie vier Politiker: die Staatsministerin Monika Grütters (CDU), Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei (SPD, ihm werden politische Besetzungspläne nachgesagt), der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und die frühere Europaministerin aus Nordrhein-Westfalen, Angelica Schwall-Düren (SPD). Vorgeschlagen werden Kandidaten für das Intendantenamt vom Chef des Verwaltungsrats, den Vorschlag muss eine Zweidrittelmehrheit des Gremiums unterstützen, zur Wahl selbst ist im Rundfunkrat des Senders ebenfalls eine Zweidrittelmehrheit notwendig.

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