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„Illegale Drogen“ : Russland sperrt Wikipedia zeitweise

  • -Aktualisiert am

Soll drogenfrei werden: Die russischsprachige Wikipedia. Bild: Picture-Alliance

Wegen eines Artikels über Haschisch ließ die russische Medienaufsicht das gesamte Wikipedia-Angebot für russische Nutzer sperren. Mittlerweile ist das Internetlexikon wieder abrufbar. Die Angst vor Zensur bleibt.

          In der Nacht von Montag auf Dienstag war die russische Wikipedia nicht abrufbar. Mehrere Internetanbieter hatten das gesamte Angebot der Online-Enzyklopädie gesperrt, nachdem ein Gericht im Südwesten Russlands die Löschung eines Artikels beantragt hatte, der sich mit Charas, einer in Asien verbreiteten Form handgerollten Haschischs beschäftigt.

          Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor forderte von Wikimedia, dem Lexikonbetreiber, den Eintrag zu löschen, da er zum Konsum illegaler Drogen anleite und somit nicht dem russischen Gesetz entspreche. Tatsächlich hat die Behörde das Recht, den Zugang zu sämtlichen Internetseiten zu unterbinden, die Drogenkonsum, Extremismus oder Selbsttötung ermöglichen oder unterstützen. Als die Verantwortlichen der Forderung jedoch nicht nachkamen, wurde kurzerhand das gesamte Nachschlagewerk für russische Nutzer blockiert. Nur den betreffenden Eintrag offline zu nehmen, war den russischen Behörden nicht möglich, weil Wikimedia weltweit auf das Sicherheits-Übertragungsprotokoll „HTTPS“ setzt. Derweil empfahl Wikipedia seinen russischen Nutzern, die Zensur mit Browsern zu umgehen, die es ermöglichen, ihre nationale Identität zu verschleiern.

          Nicht der erste Eingriff Russlands

          Nachdem zahlreiche Nutzer in den sozialen Netzwerken sich über die Sperrung beschwert hatten, ist das komplette Wikipedia-Angebot mittlerweile auch in Russland wieder abrufbar. Der Artikel, der die kurzfristige Sperrung ausgelöst hatte, wurde offenbar signifikant angepasst, um Informationen erweitert und mit Zitaten zu vertrauenswürdigen Quellen ausgestattet. Mit dieser Aktualisierung wolle man den eigenen Standard bezüglich Neutralität und Vertraulichkeit wiederherstellen: „Weitere Versuche, den Zugang zur Enzyklopädie zu sperren, sind auch künftig nicht auszuschließen“, sagte Stas Kozlovskiy, ein russischer Vertreter des Online-Lexikons am Dienstag.

          Es ist nicht das erste Mal, dass die russischen Behörden ganze Seiten blockieren, weil diese vermeintlich Anleitungen zu illegalem Drogenkonsum liefern. Vor einigen Tagen zwang Roskomnadzor die Plattform Reddit, eine Diskussion um halluzinogene Pilze für russische Nutzer zu sperren, um ihr restliches Angebot weiterhin auch in Russland erreichbar zu halten. Dass dieses Vorgehen der Zensoren nicht unbedingt den gewünschten Effekt haben muss, zeigt die von Amir E. Aharoni auf Twitter geteilte Statistik: Die zeitweise Blockade erhöhte die Klickzahlen der vermeintlichen Anstiftung zum Charas-Konsum enorm.

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