https://www.faz.net/-gqz-83c9r

Redaktionschef für „Le Monde“ : Morgendämmerung

Jérôme Fenoglio, Leiter der Internetredaktion und Nummer zwei in der Hierarchie von „Le Monde“ Bild: AFP

Den Eigentümern von „Le Monde“ hat Gilles van Kote, der die Redaktion seit einem Jahr leitet, zu wenig Ausstrahlung und Präsenz. Jetzt scheitert seine Nummer zwei bei den Redakteuren.

          BNP ist das Kürzel einer französischen Großbank, die Angestellten der Zeitung „Le Monde“ benutzen es für ihre Eigentümer Pierre Bergé, Xavier Niel und Mathieu Pigasse. Bei der Bestimmung des obersten Redaktionsleiters haben die Journalisten ein Mitbestimmungsrecht. Als mit Nathalie Nougayrède erstmals eine Frau an die Spitze einer großen Zeitung berufen wurde, hatte die langjährige Korrespondentin das Vertrauen der Eigentümer wie der Mitarbeiter. Doch im Mai 2014 musste Nougayrède, die über keine Redaktionserfahrung verfügte, auf das Amt verzichten. Seiter leitet Gilles van Kote das Blatt, das in den letzten fünf Jahren fünf Direktoren hatte, mit ruhiger Hand. Auch BNP beklagten sich keineswegs über seine Führung.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Pierre Bergé aber, der sich mehr als seine Partner in redaktionelle Belange einmischt, wirft van Kote mangelnde Ausstrahlung und Präsenz außerhalb der Redaktion vor. Er ist nicht ständig im Radio und in den Talkshows. Weil sich BNP auf keinen der - internen wie externen - Kandidaten einigen konnten, brachten sie Jérôme Fenoglio ins Gespräch, den Leiter der Internetredaktion und Nummer zwei in der Hierarchie. Die Redakteure gaben ihm 55 Prozent ihrer Stimmen, erforderlich sind sechzig. Man kann es bedauern, dass sie nicht über den eigenen Schatten gesprungen sind. Hätte Fenoglio von sich aus kandidiert, wäre er problemlos abgesegnet worden. Unter seiner Leitung hat die Abendzeitung gerade eine attraktive Morgenausgabe „La Matinale“ für Mobiltelefone lanciert. In der angelaufenen Einführungsphase kostet das Abo 1,99 Euro.

          Weitere Themen

          Eine Familie unter Destruktionsgebot

          Andreas Maiers „Die Familie“ : Eine Familie unter Destruktionsgebot

          „Die Familie“ ist einer von elf Teilen, die der autobiographische Romanzyklus von Andreas Maier umfassen soll. Darin kommt er noch einmal zum Ursprung zurück, puzzelt sich seine Herkunft zusammen und bringt alles ins Rutschen.

          Nach der Antike und nach der Natur

          Festival „Tanz im August“ : Nach der Antike und nach der Natur

          Von Zusatzjobs bis zur Arbeitslosigkeit: In der Uraufführung von Jérôme Bels „Isadora Duncan“ erfährt der Zuschauer Dinge über die Arbeitsbedingungen der Tänzer, nach denen er nie zu fragen gewagt hätte.

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.