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Medien zum Sturm aufs Kapitol : „Ein krimineller Akt, außergewöhnlich und furchtbar“

  • -Aktualisiert am

Trump-Anhänger am Mittwoch vor den Toren des Kapitol in Washington. Bild: AFP

Dass Trump-Anhänger ins Kapitol eingedrungen sind, sorgt in den amerikanischen Medien für Entsetzen. Die verschworenen Anhänger des Präsidenten aber interpretieren die Ereignisse auf ihre Weise.

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          Noch vor dem Sturm auf das Kapitol hatte die „Washington Post“ die Einschätzung publiziert, die Sicherheitskräfte würden die Lage bei den angekündigten Protesten von Trump-Anhängern in Washington „unter Kontrolle“ haben. Aber dann drangen die Demonstranten ins Kapitol vor, wo die eher zeremonielle Bekräftigung des Wahlausgangs vor sich ging. Die Abgeordneten mussten evakuiert werden, Protestler verschafften sich Zugang zu den Kammern. Schüsse fielen, eine Frau starb an Schussverletzungen. Die amerikanischen Medien zeigten sich entsetzt. Man rang um Worte – von Umsturz, Belagerung, Volksverhetzung, Verrat war die Rede.

          In der amerikanischen Medienlandschaft herrscht Fassungslosigkeit, überall. Vor allem, weil die Demonstranten offenbar mühelos Barrieren überwanden und ins Kapitol eindrangen. Weithin macht man den amtierenden Präsidenten Trump für die Ausschreitungen verantwortlich, der im Dezember zu den geplanten Protesten auf Twitter geschrieben hatte: „Kommt her, das wird wild!“ Noch am Tag der Ausschreitungen betonte er: „Wir werden niemals aufgeben, wir weichen nicht zurück!“ In seiner aufgezeichneten Videobotschaft rief er zu „Frieden“ auf, goss aber mit der Behauptung, die Wahl sei „gestohlen“ worden, zugleich abermals Öl ins Feuer.

          Immer wieder hörte man im Fernsehen das Wort „Insurrection“, Aufstand. „Ich habe so etwas noch nie in meiner langjährigen Karriere gesehen“, bekannte ein CNN-Reporter zu den Bildern von Hunderten Menschen, die mit Trump-Fahnen die Treppen vor dem Kapitol besetzen. „Ich fürchte, das wird dem Land auf absehbare Zeit zutiefst schaden.“

          Die „New York Times“ titelte: „Von Trump aufgestachelter Mob stürmt das Kapitol“. Die „Washington Post“ fühlte sich „an Coups und Aufstände in autokratischen Ländern“ erinnert und befand, die amerikanische Hauptstadt zeige sich im „Endstadium der Trump-Ära-Krämpfe“. CNN konstatierte, dass dies „voll und ganz Trump anzulasten“ sei, und auf MSNBC, wo man die „Schändung eines sakralen Monuments“ beklagte, gab eine afromaerikanische Kommentatorin zu bedenken: „Weiße Amerikaner fürchten die Polizei nicht. Wären dies ,Black Lives Matter‘-Demonstranten, wäre dies eine völlig andere Situation.“

          Ebenfalls mit Blick auf die Lähmung der Sicherheitskräfte während des Sturms der Trump-Fans auf das amerikanische Parlament fragte man bei CNN, wie die Dinge wohl aussähen, würden etwa Muslime oder andere Gruppen das Kapitol stürmen. Die Eindringlinge müssten mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werde, forderte die MSNBC-Moderatorin Rachel Maddow, während die Nachricht die Runde machte, dass das FBI und die Nationalgarde unterwegs an den Schauplatz seien. Sowohl CNN als auch die „New York Times“, die „USA Today“, die „Washington Post“ und MSNBC brachten den 25. Verfassungszusatz zur Absetzung des Präsidenten wegen Amtsunfähigkeit ins Gespräch. Der „Atlantic“ forderte unter der Überschrift „Remove Trump Tonight“ die sofortige Absetzung des Präsidenten.

          „The Nation“, ein konservatives Blatt, das sich bereits zuvor kritisch mit Trump auseinandergesetzt hatte, zitierte lakonisch den „Sedition Act“, ein Gesetz von 1918 über die Volksverhetzung. Das konservative „Wall Street Journal“ befand ob der „politischen Gewalttätigkeit“, dass die Ereignisse es für die Republikanische Partei weit weniger wahrscheinlich machten, Trump als ihren Führer zu akzeptieren.

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